Flexible Arbeitszeitmodelle Erfolgreich eingeführte 4-Tage-Woche

Von Margrit Lingner 4 min Lesedauer

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Anfang Juli 2023 hat die Dierck Gruppe die 4-Tage-Woche eingeführt. Wie das Modell genau aussieht, welche Vorteile es bietet und wie es sich bei dem IT-Dienstleister aus Norddeutschland bewährt hat, erklärt Alisa Ehrk.

Alisa Ehrk, Managing Director der Dierck Gruppe, zieht knapp ein Jahr nach der Einführung der 4-Tage-Woche bisher eine positive Bilanz.(Bild:  Dierck Group)
Alisa Ehrk, Managing Director der Dierck Gruppe, zieht knapp ein Jahr nach der Einführung der 4-Tage-Woche bisher eine positive Bilanz.
(Bild: Dierck Group)

ITB: Welches waren die Gründe für die Einführung der 4-Tagewoche?

Ehrk: Ein Grund ist die weitere Steigerung der Mitarbeiterzufriedenheit gewesen – gleichermaßen möchten wir ein zeitgemäßer Arbeitgeber sein. Zudem habe ich persönlich das Anliegen, Eltern dabei zu unterstützen Berufs- und Familienleben stärker miteinander vereinbaren zu können. Durch die 4-Tagewoche, den damit einhergehenden gewonnen freien Tag und im Zusammenspiel mit Homeoffice-Möglichkeiten, bekommen die Kollegen und Kolleginnen mehr Zeit sich zu erholen sowie mehr Zeit mit Familie und Freunden.

Wie sieht das Modell genau aus und gilt es in der gesamten Gruppe?

Ehrk: Ja, eingeführt haben wir die 4-Tage-Woche in der gesamten Gruppe. In unserem 36-Stunden-pro-Woche-Modell bei gleichbleibendem Gehalt ist es für uns wichtig, dass sich die Kollegen und Kolleginnen drei Tage am Stück erholen können. Aus einschlägigen Studien geht hervor, dass sich durch drei Tage Erholung am Stück der größte positive Impact auf die Mitarbeitenden sowie das Unternehmen zeigt. Für uns bedeutet es, dass entweder am Montag oder am Freitag frei ist. Weiterhin haben wir die Urlaubstage von 30 Tagen auf 24 Tage reduziert. Durch den einen extra freien Tag in der Woche sind wir mit 24 Tagen gleichgestellt wie zuvor.

Nach gemeinsamer Abstimmung in unserem Management Board wurde die Ausprägung des Modells und wie wir die 4-Tage-Woche verstehen, an alle Teams kommuniziert. Mit einer starken Eigenmotivation – die 4-Tage-Woche ist bei uns auf große Begeisterung gestoßen – haben sich die Teams eigenständig organisiert. Nach kurzer Zeit ist dann auch alles entsprechend in unseren Systemen eingepflegt gewesen. Um unsere ursprünglichen Erreichbarkeiten aufrecht zu erhalten und vor allem wie gehabt für unsere Kunden verfügbar zu sein, haben wir die 4-Tage-Woche mit 36 Stunden pro Woche intern so organisiert, dass wir unsere bestehenden Betriebszeiten aufrechterhalten.

Welche Herausforderungen gab es dabei?

Ehrk: Wir dachten, dass sich die größte Herausforderung bei den abrechenbaren Stunden im Dienstleistungsgeschäft abzeichnen würde. Weniger Arbeitsstunden würden ggf. weniger abrechenbare Stunden bedeuten. Da haben wir auch lange nachgedacht. Schlussendlich sind wir ins Risiko gegangen und haben geschaut, wie sich das ganze entwickeln wird. Nach fast einem Jahr 4-Tage-Woche können wir nun sagen, dass sich unsere Bedenken aufgelöst haben. Unsere Teams arbeiten konzentrierter und haben mehr Energie. Als Folge hat sich unsere Produktivität deutlich gesteigert.

Und wie hat sich die 4-Tage-Woche jetzt, also ein dreiviertel Jahr nach Einführung bewährt?

Ehrk: Die Stimmung im Unternehmen hat einen unglaublich positiven Boost erhalten. Da war dann also erstmal das positive Gefühl, dass wir alle gespürt haben. Parallel dazu sind wir systemische Auswertungen gefahren und haben unsere Mitarbeitenden anonym und umfangreich hinsichtlich der 4-Tage-Woche befragt. Die positiven Ergebnisse haben unsere Erwartungen sogar noch übertroffen. Bei so gut wie allen Teams hat sich die Work-Life-Balance verbessert. Bei 1 bis 2 Prozent hat sie sich verschlechtert. Bei einem zusätzlichen Tag frei in der Woche und Kollegen und Kolleginnen, die ebenfalls frei haben ist ein erhöhter Koordinationsbedarf erforderlich. Das ist natürlich auch erst einmal eine Umstellung.

Weiterhin hat sich die Anzahl an Bewerbungen um 1046 Prozent erhöht. Zudem haben sich Krankheitszeiten und die Anzahl an Überstunden reduziert.

Bei der Frage nach noch bestehenden Herausforderungen wurde die Notwendigkeit einer verbesserten Kommunikation innerhalb des Unternehmens genannt. Durch die unterschiedlichen täglichen Erreichbarkeiten und unsere verschiedenen Standorte ist es durch die 4-Tage-Woche herausfordernder geworden andere Kollegen und Kolleginnen sofort zu erreichen.

Das heißt also, dass die Reduzierung der Arbeitszeit von 40 auf 36 Stunden pro Woche für euch als Unternehmen keine negativen Auswirkungen gehabt hat?

Ehrk: Genau, unsere Produktivität ist gestiegen, gleichzeitig hat sich die Motivation bei uns in der Gruppe erhöht und es findet eine stärkere Identifikation der Menschen mit dem Unternehmen statt. Wir denken, dass bei uns ein ähnlicher Effekt greift, wie in den einschlägigen Studien, z.B. aus Großbritannien. Durch die drei Tage Erholungszeit am Stück sind die Menschen ausgeruhter, erholter und haben nach der arbeitsfreien Zeit wieder Lust ihrem Job nachzukommen.

Also würdet ihr die 4-Tagewoche auch anderen IT-Dienstleistern empfehlen?

Ehrk: Ja, auf jeden Fall. Wir haben einen unglaublich positiven Impact bei uns erzeugt. Die 4-Tage-Woche hat ihre Berechtigung, ebenso wie andere Arbeitszeitmodelle, z.B. die hundertprozentige Flexibilität der Arbeitszeit oder Hundertprozent-Remote-Work, um nur zwei weitere Modelle zu nennen. Voraussetzung ist, dass es zu den Menschen im Unternehmen, zu den verschiedenen Umsatzgenerierungsmodellen, zur Führungskultur und zu der Branche passt.

Für die Dierck Group kann ich sagen, dass wir ein starkes Gleichgewicht zwischen Produktivitätssteigerung und Mitarbeiterzufriedenheit erreicht haben. Im Sommer dieses Jahres werden wir die 4-Tage-Woche erneut für uns evaluieren. Ich bin sehr gespannt, ob sich unsere bisherigen positiven Ergebnisse bestätigen.

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