Eine aktuelle Navex-Umfrage zeigt: Über ein Drittel der deutschen Unternehmen hatte in den letzten drei Jahren mit Datenschutz- und Cybersicherheitsverletzungen zu kämpfen, dennoch bewerten 60 Prozent ihre Compliance-Programme als sehr gut.
Deutsche Unternehmen bewerten ihre eigenen Compliance-Strukturen im Schnitt sehr gut, obwohl mehr als ein Drittel der Befragten in den letzten drei Jahren von Sicherheitsverletzungen betroffen war.
Eine Studie des Risikomanagementunternehmens Navex zeigt: Deutsche Unternehmen bewerten ihre eigenen Compliance-Strukturen im Schnitt sehr gut, obwohl mehr als ein Drittel der Befragten in den letzten drei Jahren von Sicherheitsverletzungen betroffen war. Durch veraltete Strukturen und eine unzureichende Priorisierung können viele Betriebe den zunehmenden Anforderungen und Vorschriften des Risikomanagements nur schwer gerecht werden. Unzureichende Prävention und fehlende Krisenstrategien können dann selbst für marktstabile Unternehmen innerhalb kürzester Zeit zu einer existenziellen Bedrohung werden.
Oliver Riehl ist Regional Vice President Sales bei Navex.
(Bild: Navex)
Oliver Riehl, Regional Vice President Sales bei Navex, erläutert, wie ein Wandel der Firmenkultur und neue Technologien die Compliance in Deutschland nachhaltig prägen können: „Schwächen im Risiko- und Compliance-Management werden häufig durch das Fehlen einer Speak-up-Kultur verschärft. Wenn Mitarbeitende Verstöße nicht melden, werden Lücken zu spät oder gar nicht erkannt. Das kann zu einem trügerischen Sicherheitsgefühl führen.“
Regularien überfordern deutsche Wirtschaft
Trotz dieser alarmierenden Statistiken verlassen sich viele Betriebe auf bestehende, scheinbar solide Strukturen, anstatt diese weiterzuentwickeln. Währenddessen steigt der regulatorische Druck. Laut der Studie ist fast jeder dritte deutsche Betrieb mit der Umsetzung von EU-Vorschriften wie der Corporate Sustainability Due Diligence Directive (CSDDD), dem AI-Act oder der Hinweisgeberrichtlinie überfordert. Denn analog zur Zahl der Richtlinien wächst auch der Zuständigkeitsbereich von Compliance-Programmen exponentiell. Dieser kann oft nicht mehr durch die bisherigen Strukturen abgebildet werden. Riehl ist deshalb der Meinung: „Risikomanagement wird zunehmend zu einer gemeinsamen Verantwortung aller Mitarbeitenden. Betriebe sollten deswegen vermehrt in Weiterbildung investieren und eine vertrauensvolle Unternehmenskultur fördern.“
Ein wesentlicher Faktor, der die Entwicklung einer ethischen Unternehmenskultur behindert, ist der Navex-Studie zufolge das fehlende Engagement und die mangelnde Unterstützung durch das Top-Management. Zwar geben die meisten befragten Unternehmen an, dass ihre Führung die Einhaltung von Regeln und Vorschriften fördert. Doch sind die beiden am häufigsten genannten Hindernisse für ein wirksames Risikomanagement eine geringe Priorisierung des Themas sowie fehlender Rückhalt durch die Unternehmensleitung.
Es besteht immer die Gefahr, dass Führungskräfte kurzfristige Erfolge höher gewichten. Sie wollen, dass das Unternehmen in den nächsten fünf Jahren gut performt – übersehen dabei aber Risiken, die später erheblichen Schaden anrichten können.
Oliver Riehl, Regional Vice President Sales bei Navex
Laut der Navex-Umfrage haben 2025 lediglich 60 Prozent der deutschen Aufsichtsgremien regelmäßige Berichte zu Compliance-Themen erhalten. Nur 26 Prozent setzten sich intensiv mit dem Thema auseinander. Besonders alarmierend: Nahezu 30 Prozent der Befragten berichten, dass ihre Führungskräfte sogar unethische Methoden zur Erreichung geschäftlicher Ziele ermutigt oder die Arbeit von Compliance-Verantwortlichen aktiv behindert haben.
Offener Austausch schafft Bewusstsein für Compliance
Um langfristig widerstandsfähig zu bleiben, ist ein Bewusstseinswandel in der deutschen Wirtschaft erforderlich: Entscheider müssen die Bedeutung einer konstruktiven Meldekultur erkennen. Wesentlich dafür ist ein intensiverer Austausch zwischen Unternehmen. Riehl betont: „Organisationen sollten offener über ihre Erfahrungen sprechen und bewährte Praktiken miteinander teilen. Dadurch entsteht ein gemeinsames Verständnis dafür, dass Präventionsmaßnahmen nicht nur Risiken reduzieren, sondern auch langfristigen Erfolg sichern.“
Regulierte KI als Compliance-Treiber
Die Navex-Studie macht ferner deutlich, dass neben Unternehmenskultur und Führung auch technologische Entwicklungen den Kurs der Compliance in Deutschland prägen werden. Mehr als die Hälfte der befragten Organisationen setzt bereits zweckgebundene Software in zentralen Bereichen ein. „Plattformen wie Navex One können helfen, den Überblick über interne Bedrohungen zu behalten, das Fallmanagement zu vereinfachen und eine zeitgerechte Nachverfolgung der Fälle sicherzustellen“, erläutert Riehl.
Auch der Einsatz von Künstlicher Intelligenz gewinnt an strategischer Bedeutung: Knapp ein Drittel der Firmen bezeichnet KI als äußerst wichtig für die Compliance-Arbeit. Gleichzeitig bestehen erhebliche Bedenken: Fast 40 Prozent sehen die Gefahr verpasster regulatorischer Änderungen und mehr als ein Drittel bemängeln fehlende Risikosichtbarkeit. Bei knapp 30 Prozent gibt es Lücken in der Umsetzung von Kontrollmechanismen.
„Neue Technologien wie KI bieten enorme Chancen für effizientere Prozesse. Das gilt aber nur, wenn sie eng mit klaren Richtlinien, kontinuierlichem Monitoring und bereichsübergreifender Steuerung verknüpft werden“, sagt Riehl. „So wird Technologie vom reinen Werkzeug zum strategischen Hebel: Unternehmen, die jetzt Software-Integration und eine gesunde Meldekultur konsequent umsetzen, schaffen die Basis für ein zukunftsfähiges GRC-Management.“
Stand: 08.12.2025
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Entscheidungsträger sollten sich jedoch nicht ausschließlich auf neue Technologien konzentrieren. Auch Themen wie die Überwachung von Lieferketten werden im nächsten Jahr stärker in den Fokus rücken. Aktuelle Entwicklungen – etwa die Anpassung des deutschen Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes (LkSG) an die noch nicht endgültig verabschiedete EU-Richtlinie CSDDD – verlangen von Unternehmen zunehmend, Fehlverhalten systematisch zu erkennen
Auch hier zeigt der Navex-Report erhebliche Defizite: Nur 37 Prozent der befragten deutschen Unternehmen haben angegeben, ihre Lieferanten systematisch im Hinblick auf Menschenrechte zu überprüfen. In Bezug auf ESG-Ausrichtung und Transparenz sind es lediglich ein Drittel der Befragten, die entsprechende Prüfungen durchführen.
Wir müssen uns von der Vorstellung verabschieden, dass es ein einziges größtes Risikofeld gibt. Entscheidend ist ein ganzheitlicher Blick. Nur wer alle relevanten Bereiche im Auge behält, kann Risiken wirksam minimieren.
Oliver Riehl, Regional Vice President Sales bei Navex