Erhebung zur Wahrheitstreue im Geschäftsleben Deutsche Manager sind Profis im Lügen

Redakteur: Katharina Krieg

Im Geschäftsleben wird es mit der Wahrheit offenbar nicht mehr ganz so genau genommen. Eine aktuelle Studie zeigt, welchen Beitrag Handy, Blackberry und eMail dazu leisten, dass Schwindeln mittlerweile als selbstverständlich hingenommen wird. Und diese Studie ist nicht erfunden – ehrlich nicht.

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Die Bekannte muss auf die Geburtstagsblumen verzichten und wird mal eben mit der schnellen eCard abgefertigt. Statt der Postkarte tut es heute aus dem Urlaub anscheinend auch die MMS. Dies sind nur zwei Beispiele die zeigen: Je digitaler unsere Welt wird, desto unverbindlicher wird auch der Kontakt zwischen den Beteiligten. Doch gilt diese schleichend gekommene Unverbindlichkeit auch für das heutige Geschäftsleben? Dieser Frage ist die Unternehmensberatung German Consulting Group nachgegangen und hat mehr als 400 deutsche Führungskräfte anonym zu ihrem Verhältnis zur Wahrheit im Geschäftsleben befragt.

82 Prozent der Manager bestätigten den Eindruck, dass durch moderne Kommunikationsmittel wie Handy, eMail oder Blackberry deutlich öfter geschwindelt wird. Am unglaubwürdigsten sind der Umfrage zufolge Botschaften, die per SMS an Geschäftspartnern oder Kollegen ausgesandt werden. Von den Managern gaben 81 Prozent an, sehr häufig oder häufig per Kurznachricht zu schwindeln. Lediglich sieben Prozent der geschäftlichen SMS-Tipper haben eine weiße Weste. Boris Liffers, Geschäftsführer der Unternehmensberatung, wagt einen Erklärungsversuch: »Da man per SMS oder Blackberry eine eher begrenzte Wortanzahl zur Verfügung hat, kommt einem auch die Lüge kleiner vor.«

Doch auch bei »Geschäftsbriefen«, die länger sind als 160 Zeichen, lässt sich kaum ein Unterschied feststellen. Denn am zweithäufigsten wird per eMail gelogen. 75 Prozent der Befragten gaben zu, häufig oder sehr häufig die Unwahrheit in die Tasten zu hauen. Lediglich neun Prozent sind ihren Angaben zufolge immer ehrlich. Doch eine kleine Hoffnung auf die Wahrheit bleibt: Wurde die eMail von der Sekretärin getippt, kann man sich zumindest eher auf die Aussagen verlassen. Denn 48 Prozent der Manager gaben an, Skrupel zu haben, anderen ihre Lügen zu diktieren.

Ist also der direkte Griff zum Hörer die beste Möglichkeit, ehrliche Worte von seinem Geschäftspartner zu bekommen? Nicht immer, denn 61 Prozent der Manager scheuen sich nicht, auch am Telefon ab und an mal die Unwahrheit zu sagen. Was übrig bleibt, ist das gute alte persönliche Gespräch »von Mann zu Mann«. Leider wurde diese, von manchen nahezu abgeschaffte Form der Kommunikation, in der Studie nicht abgefragt. Doch trotz der Erfahrung, die der deutsche Manager im Lügen schon gesammelt hat, dürfte es ihm kaum gelingen, seinem Partner in die Augen zu sehen und ihm dabei Äpfel für Birnen zu verkaufen.

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