Es begann mit günstiger individueller Software für Microcomputer

Das Erfolgsrezept von Pass Consulting wird 30

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ITB: Können Sie aus ihrer Strategie ein Erfolgsrezept für andere IT-Dienstleister ableiten?

Rienecker: Dies ist eine sehr schwierige Frage und ich maße mir nicht an meine Mitbewerber und deren Geschäftsmodelle und Erfolgsfaktoren zu verstehen. Ich kann nur meine eigenen Erfahrungen reflektieren. Ob dies geeignete Mittel für einen Dritten sein können, weiß ich nicht. Aber unsere drei wichtigsten Erfolgsfaktoren waren und werden weiterhin sein: klare Kundenorientierung, hoher Qualitäts- und Leadership-Anspruch bei hoher Produktivität. Wir können unseren Kunden hochgradig bedarfsadäquate Lösungen bereitstellen, die signifikante Kostenvorteile bieten und qualitativ sehr hochwertig sind. Zu ähnlichen Schlüssen kommt Prof. Dr. Simon in seinem Buch „The Hidden Champions“. Aus seinem Buch leitet sich auch unsere Philosophie ab, dass der Kunde die Gehälter bezahlt. Was für mein Unternehmen und für viele andere Unternehmen gilt, kann auch für andere Leser nützlich sein.

ITB: Wie sieht die Zukunft von Pass aus?

Rienecker: Fantastisch! Ich bin fest davon überzeugt, dass die IT in den nächsten zehn Jahren eine herausragende Rolle spielen wird. Nur mit Hilfe der IT wird man den Zeit-, Qualitäts-, Innovations- und Globalisierungswettbewerb sowie den War of Talents bewältigen können. Insbesondere halte ich die Virtualisierung geeignet für den sechste Kondratjew-Zyklus. Wir werden die reale Welt durch virtuelle Welten mit immensen Kostenvorteilen substituieren. Diese Substitution beflügelt die Entwicklung und die Nachfrage nach IT-Lösungen und -Services. Fakt ist, dass es andere Infrastrukturen geben wird. Diese werden in Richtung Digital Home gehen. Wände, Böden und Decken unserer zukünftigen Wohnungen und Häuser werden Bildschirme sein, über welche wir ad eins universell kommunizieren können, ad zwei unsere Wohnungen virtuell stimmungsabhängig einrichten und ausstatten können und ad drei virtuelle Produkte empfangen, projezieren et cetera. Hierzu ein einfaches Beispiel: Wir werden sicherlich in zehn Jahren stärker virtuell zusammenarbeiten. Wir werden nicht mehr ins Auto steigen und täglich viel Zeit auf Autobahnen verbringen, wir werden über virtuelle Autobahnen just-in-time in jedem Meeting an beliebigen Orten der Welt teilnehmen. Personen werden via Konferenz-Systeme miteinander kommunizieren, dabei wird der Gesprächspartner als 3D-Animation vor Ort sein. Das digitale Heim wird sich etablieren und in dieses werden hohe Investitionen fließen, Vernetzung, Servertechnologien – gegebenenfalls auch aus der Cloud – und animierbare Flächen. Pass wird all dies mitgestalten. So arbeiten wir bereits jetzt in Form von ersten Prototypen an diversen Virtualisierungsszenarien. Da ich hier unsere Überlegungen als Wettbewerbsvorsprung sehe, möchte ich mich bedeckt halten. Aber wir entwerfen für unsere Kunden diverse Zukunfts-Szenarien, die augenblicklich wiederum in ein Buch einfließen mit dem Titel „Performance – That´s IT“.

ITB: Sie sehen die Informationstechnologie als strategischen Wertschöpfungsfaktor. Was sollen andere Dienstleister tun, um auf dieser Welle auch künftig mitzuschwimmen?

Rienecker: Der Großteil der IT-Dienstleister kommt erst ins Spiel, wenn der Kunde bestimmte Lösungen braucht. Das ist recht spät in der Wertschöpfungskette. Dienstleister sollten sich bereits vorgeschaltet mit eigenen Forschungen, Gedanken machen, wo der Mehrwert für ihre Kunden liegt und dann entsprechende Produkte und Services entwickeln. „Know your Customer“ ist mehr als ein Slogan. Wie gesagt, halte ich die Virtualisierung und in diesem Zusammenhang das Multimedia-Home für einen Zukunftsmarkt. Hierfür müssen Konzepte, Lösungen und Services identifiziert werden. Irgendjemand muss die neuen Bandbreiten und Infrastrukturen liefern und betreuen. Es gibt in Deutschland rund eine Millionen Firmen, die in der Vergangenheit und in Zukunft mit IT ausgestattet werden müssen. Dazu kommen rund 40 Millionen Haushalte, die mit durchaus anspruchvoller IT und Software ausgestattet werden müssen. Ich denke, dass all dies inspirierend wirken sollte!

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