Cyberversicherungen für Unternehmen, Teil 1 Cyberversicherung: Die Krönung der IT-Sicherheitsmaßnahmen

Von Ira Zahorsky und Natalie Forell 4 min Lesedauer

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Versicherungsvertretern öffnet man ebenso wie Staubsaugerverkäufern eher ungern die Tür. Im Fall von Cyberversicherungen sollte man die Versicherungsanbieter lieber hereinbitten, denn unter Umständen können sie die Existenz eines Unternehmens retten.

Zu einer umfassenden Cybersecurity-Strategie gehören inzwischen auch Cyberversicherungen – nicht nur für große Unternehmen! (Bild:  Midjourney / KI-generiert)
Zu einer umfassenden Cybersecurity-Strategie gehören inzwischen auch Cyberversicherungen – nicht nur für große Unternehmen!
(Bild: Midjourney / KI-generiert)

Zwei Drittel (65 %) der Unternehmen sehen sich dem Bitkom zufolge durch Cyberattacken in ihrer Existenz bedroht. Bereits im August letzten Jahres war Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst überzeugt: „Die Bedrohungslage für die deutsche Wirtschaft verschärft sich. Die Unternehmen müssen ihre Schutzmaßnahmen weiter hochfahren.“ Insgesamt 81 Prozent der deutschen Unternehmen waren laut einer Umfrage des Verbands 2024 von Angriffen betroffen. Der finanzielle Schaden stieg im Vergleich zum Vorjahr um 29 Prozent auf 266,6 Milliarden Euro. Zwei Drittel davon und damit 178,6 Milliarden Euro Schaden machen Cyber­attacken wie Ransomware, Phishing, Passwortdiebstahl und Malware aus.

Sicherheitsmaßnahmen und insbesondere Maßnahmen zur IT-Sicherheit sind immer nur so gut wie das schwächste Glied in der Kette.

Dr. Ralf Wintergerst, Bitkom-Präsident

Zeit zu handeln, denn die Bedrohungen nehmen – auch durch die Verbreitung Künstlicher Intelligenz – weiter zu. Gerade kleine Unternehmen glauben, sie wären kein attraktives Ziel. Häufig sind sie aber Teil einer Lieferkette und – schlecht abgesichert – ein Einfallstor für die Cyberkriminellen, um an die Konzerne, denen sie zuliefern, zu kommen. Das bestätigt auch Wintergerst: „Sicherheitsmaßnahmen und insbesondere Maßnahmen zur IT­-Sicherheit sind immer nur so gut wie das schwächste Glied in der Kette.“

Lohnt sich eine Cyberversicherung?

Für wen lohnt sich denn aber nun eine Cyberversicherung? „Habe ich nicht schon genug Versicherungen?“, mag sich mancher Unternehmer denken. Hier gilt es in der Tat, eine Abgrenzung zu vorhandenen Versicherungen wie IT-Haftpflicht, Sachversicherungen, technischen Versicherungen, der Betriebshaftpflichtversicherung, Rechtsschutzversicherung und Vertrauensschadenversicherung zu ziehen. Letztere ist beispielsweise für Schäden durch KI-generierte Deep­fakes zuständig.

Und reicht es nicht, den Virenscanner aktuell zu halten und den IT-Administrator auf eine Schulung zu schicken? Problematisch ist, dass in kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) der IT­-Administrator häufig auch für die IT-Security zuständig ist, obwohl er selten das nötige Knowhow hat, um mit einem komplexen Cyberangriff umzugehen.

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Eine Cyberversicherung kümmert sich nicht nur um die finanziellen Schäden. Sie berät auch bei der Prävention, hilft bei der Erstellung eines Notfallplans und unterstützt im Fall der Fälle mit erfahrenen Dienstleistern. Grundsätzlich gilt: „Eine Cyberversicherung lohnt sich für Unternehmen jeder Größe. Das liegt einfach daran, dass heutzutage jedes Unternehmen Opfer eines Cybervorfalls werden kann“, mahnt Jens Krickhahn, Regional Head of Underwriting Cyber bei Allianz Commercial. Außerdem: „Selbst kleine Betriebe kommunizieren per E-Mail, sind für Bestellungen und Abarbeitung von Aufträgen in irgendeiner Weise von einer funktionierenden IT-Infrastruktur abhängig“, kommentiert Bill Beuster, Cyber-­Experte bei der Zurich Gruppe. „Einige Unternehmen lehnen Cyberversicherungen ab, weil sie davon ausgehen, dass sie bereits ausreichend geschützt sind“, weiß Beuster. Das bestätigt Krickhahn und ergänzt: „Andere empfinden die Kosten – vielleicht im Verhältnis zum empfundenen Risiko – als zu hoch oder sind schlichtweg unzureichend über die potenziellen Auswirkungen eines Cybervorfalls informiert. Und es gibt Unternehmen, die fälschlicherweise annehmen, dass sie nicht Ziel von Cyberangriffen werden: Eine Studie des Gesamtverbandes der Versicherer zeigte, dass 66 Prozent der Mittelständler nur ein geringes Risiko für einen Cyberangriff sehen – zugleich haperte es bei 69 Prozent an der IT-Sicherheit. Das sind die Zutaten, aus denen Cybervorfälle gemacht sind.“

Risiken unterschätzt, Versicherungskosten überschätzt, schlecht informiert: Das sind die Zutaten, aus denen Cybervorfälle gemacht sind.

Jens Krickhahn, Regional Head of Underwriting Cyber bei Allianz Commercial

Eine Attacke ist nicht nur eine IT-Angelegenheit. Da Cyberangriffe besonders für KMU existenzbedrohend sein können, lohnt es sich für die Verantwortlichen, über einen Abschluss nachzudenken. Die Versicherung schützt je nach Paket vor den finanziellen Schäden durch Daten­verlust, Betriebsunterbrechungen, Kundendatendiebstahl o. ä. Ein Baustein einer umfassenden IT-Security kann die Cyberversicherung also vor allem für KMU sein, bei denen die Informationstechnologie ein wesentlicher Bestandteil der Geschäftsprozesse ist.

Rechtliche Aspekte

Die Rechtsanwälte Manuel Poncza (l.) und Dr. Lutz Martin Keppeler der Sozietät Heuking
(Bildquelle: Heuking)

Welche rechtlichen Aspekte sollten bei der Auswahl und beim Abschluss einer Cyberversicherung beachtet werden?
Bei der Auswahl und dem Abschluss von Cyberversicherungen sollten Unternehmen unbedingt auf die Deckungsumfänge achten. Es ist entscheidend, dass die Cyberversicherung Schäden durch Datenverlust, Erpressung und vor allem Betriebsunterbrechungen abdeckt. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Prüfung, ob die Versicherung auch die Kosten für Assistance-Leistungen wie Forensik, Krisenmanagement oder Rechtsberatung übernimmt. Zudem sollten die Obliegenheiten regelmäßig auf ihre Einhaltung geprüft werden, um im Schadensfall keine bösen Überraschungen zu erleben.

Wie beeinflussen aktuelle Datenschutzgesetze (wie die DSGVO) die Notwendigkeit einer Cyberversicherung?
Die DSGVO und andere Datenschutzgesetze erhöhen den Druck auf Unternehmen, sensible Daten zu schützen. Bei einem Datenleck können hohe Bußgelder und Schadensersatzforderungen drohen. Gleichwohl ist umstritten und daher unsicher, ob eine Cyberversicherung auch Bußgelder und DSGVO-Schadensersatzansprüche abdecken kann. Viele Versicherungen schließen dies auch aus. Aus der Perspektive der DSGVO ist eine Cyberversicherung daher nur begrenzt hilfreich. Die verschärfte Haftung aus neuen IT-Sicherheitsgesetzen, wie der NIS2, dem Digital Operational Resilience Act („DORA“) und dem Cyber Resilience Act („CRA“), dürfte aber zu einem erhöhten Bedarf von Cyberversicherungen führen. Auch diesbezüglich muss aber genau darauf geachtet werden, dass die konkrete Cyberversicherung die typischen Haftungsfälle aus diesen neuen Gesetzen auch umfasst.

Aber bekommt man überhaupt so einfach eine Cyberversicherungspolice? Wie sieht es mit Prämien und der Schadensregelung aus? Das lesen Sie im 2. Teil unserer Titelstory oder in unserem E-Paper.

             
                            
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                       
                            
                                            

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