Weitere Konsolidierung im Druckermarkt Canon kauft Océ für 1,5 Milliarden Euro

Redakteur: Harald Jacob

Der japanische Hersteller Canon hat sich mit dem niederländischen Druck- und Dokumenten-Management-Spezialisten Océ auf eine Übernahme geeinigt. Für die Aktien zahlt Canon rund 730 Millionen Euro, außerdem übernehmen die Japaner Schulden und die Vorzugsaktien von Océ. Das Unternehmen soll als Canon-Tochter weiter bestehen bleiben.

Anbieter zum Thema

Nichts weniger als den Aufstieg zur Weltspitze im Druckerbereich kündigte am Montag Canon an. Der erste Schritt ist getan: Mit den Haupteigentümern von Océ sei man sich bereits einig geworden, ebenso mit dem Management von Océ selbst. Im Januar 2010 soll das öffentliche Übernahmeangebot an alle Aktionäre in Kraft treten und bis zum März die nötige Aktienmehrheit gesichert sein. Als Preis pro Aktie nannte Canon 8,60 Euro – 70 Prozent über dem Schlusskurs an der Amsterdamer Börse vom vergangenen Freitag. Die Dauer der Integration der Niederländer in den japanischen Konzern veranschlagt dieser allerdings mit bis zu drei Jahren. Dann soll der Gipfel erfolgreich erklommen sein und Canon die Weltspitze übernehmen.

Gute Ergänzung

Océ ist Anbieter von Druck- und Kopiersystemen für Büros, Digitalproduktionsdruckern sowie Großformatdrucksystemen für technische Dokumente, Canon dagegen hat hauptsächlich Consumer- und kleinere Bürodrucker im Programm, so dass es kaum überschneidungen gibt. Die 2006 gestartete Ausdehnung des Portfolios in den professionellen Druckbereich kam jedoch nicht wie gewünscht voran. Das soll sich nun dank Océ ändern. Der niederländische Konzern, der weltweit rund 23.000 Beschäftigte zählt, bringt die nötigen Kontakte zu den anvisierten Business-Kunden mit.

Experten sehen den Schritt von Canon als Reaktion auf die Akquisition des Wettbewerbers Ricoh, der im vergangenen Herbst Ikon Office Solutions für 1,6 Milliraden US-Dollar zugekauft hatte und damit sein Vertriebsnetz in Europa und auf dem amerikanischen Kontinent deutlich stärken konnte. Außerdem war Ikon bis dahin ein wichtiger Vertriebspartner von Canon gewesen. Dort setzt man mit der Océ-Übernahme auf die gleiche Strategie – und sticht gleichzeitig noch den Konkurrenten Konica Minolta aus, der bislang mit Océ kooperiert hatte. Canons Konzern-Chef Tsuneji Uchida ist sich sicher, dass Océ der „in jeder Hinsicht ideale Partner“ ist für das Ziel, sich die Spitzenposition im Druckermarkt zu erkämpfen.

Ein weiterer möglicher Vorteil: Canon kann sich so unabhängiger machen vom Konkurrenten HP. Obwohl die beiden Druckerhersteller in einigen Marktsegmenten im direkten Wettbewerb stehen, kooperieren sie seit 25 Jahren in anderen Bereichen. Insbesondere die zunehmende Nachfrage nach Druckmanagement-Lösungen – einer Stärke von HP – und von Multifunktions-Lösungen, wie von Canon erfolgreich angeboten, hatte erst kürzlich dazu geführt, dass Canon und HP ihre Allianz verstärkten. Wenn Canon allerdings auf die Druck- und Dokumenten-Management-Lösungen von Océ zugreifen kann, könnte HP als Partner für Canon bald überflüssig werden – und der Wettbewerb um einiges schärfer geführt werden.

(ID:2019697)