Eine Analyse von IBMs ILOG und Red Hats JBoss BRMS

Business-Rule-Systeme von Red Hat und IBM im Vergleich

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JBoss BRMS

Auch JBoss stellt mit dem JBoss-Developer-Studio eine Entwicklungsumgebung bereit, um ein Regelprojekt auf die Beine zu stellen. Die Vorgehensweise ist analog zu den IBM-Schritten, die Eingabe nur etwas aufwändiger.

Business Rules Management System auf Basis von Red Hats JBoss BRMS (Archiv: Vogel Business Media)

Ein Vorteil des JBoss BRMS ist, dass man die Entwicklungsumgebung nicht unbedingt benötigt. Das BRMS lässt sich als einfaches Web-Archiv auf einem Server ablegen und bietet einem die Möglichkeit, (fast) alle nötigen Artefakte eines Regelsystems auf der Web-Oberfläche zu erstellen.

Der Ablauf eines Rule-Projekts ist dabei ähnlich zur IBM Project Map. Man beginnt damit, entweder sein Java-Klassen-Modell (was IBM als XOM bezeichnete) als Archiv zu importieren oder aber man erstellt direkt über die Web-Oberfläche sein Modell. Eine Umwandlung in ein Business-Object-Modell (BOM) ist nicht nötig, denn die JBoss-Regeln arbeiten direkt mit dem definierten Modell.

Die Arbeit, die ILOG mit der Generierung des BOM erspart hat, muss man im JBoss BRMS von Hand übernehmen: Die sogenannte Domain Specific Language (DSL) ist das Pendant zur Verbalisierung bei IBMs ILOG. Auf die Definition von Ein- und Ausgabe-Parametern verzichtet die JBoss-Lösung, spätere Anwendungen können völlig frei Objekte an das BRMS übergeben.

Will man nun einen Ruleflow erstellen, ist man wie bei ILOG leider noch gezwungen, die Eclipse-Umgebung zu benutzen. Alternativ kann man auf einen Ruleflow ganz verzichten, wenn man wenige Regeln hat oder diese gleichzeitig angewendet werden dürfen.

Erstellung der Business Rules via Browser

Die Geschäftsregeln erstellt man im JBoss BRMS bequem über die Web-Oberfläche. Ist man technisch versiert, geht die Erstellung in Eclipse meist jedoch schneller vonstatten. Auch bei Red Hats JBoss-Lösung besteht die Möglichkeit, seine Regeln in Excel-Tabellen zu erstellen. Im Gegensatz zu ILOG ist hierbei keine weitere Lizenz für die „Rule Solutions for Office“ nötig.

Vorteile bei Test-Verfahren und Analyse

Das Testen und Analysieren der Regeln ist eine der Stärken im JBoss BRMS. Testfälle lassen sich einfach über die Oberfläche „zusammenklicken“ und direkt ausführen. Führt man alle gespeicherten Testszenarien aus, wird angezeigt, ob alle Regeln von den Tests abgedeckt wurden und für welche man noch Testfälle definieren sollte.

Ein weiterer Pluspunkt ist die automatische Analyse, die direkt auf der Web-Oberfläche ausgeführt werden kann. Sie liefert einem nützliche Informationen zu den erstellten Regeln. So werden zum Beispiel Lücken oder Überlappungen angezeigt, falls man Wertebereiche abfragt oder es werden Vorschläge gemacht, um die Regeln performanter zu gestalten.

Fazit

Beide BRMS-Systeme bieten die Möglichkeit, die Regel-Engine über Web-Services abzufragen, was insbesondere im SOA-Umfeld wichtig für die Integration des Regelsystems ist. Auch die Integration in ESB-Services ist problemlos möglich. IBMs ILOG-Entwicklungsumgebung erscheint von der Bedienung her etwas ausgereifter, in Sachen Funktionsumfang muss sich das deutlich günstigere JBoss BRMS jedoch nicht verstecken. Letztendlich hängt die Empfehlung der Viada GmbH & Co. KG davon ab, welche Software-Systeme im Einsatz sind: In klassischen Umgebungen ist ILOG häufig die bessere Wahl, in heterogenen Landschaften oder Open-Source-affinen Unternehmen ist JBoss BRMS eine ernsthafte Alternative.

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