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Auto-ID-Star RFID
Auch der RFID-Trend gewinnt an Fahrt. Der Kühlschrank, der über RFID-Codes einen Überblick über sein Inneres behält und Warnungen in Bezug auf Ablaufdaten ausspuckt, ist zwar noch genauso im Bereich der Science-Fiction oder der Testphase angesiedelt, wie kassiererlose Supermärkte, in denen der Preis beim Herausschieben des Warenkorbs automatisch erfasst wird. Hundebesitzer, deren Vierbeiner „gechipt“ sind und Nutzer von RFID-basierten Zugangssystemen via Batch am Schlüsselanhänger kennen RFID hingegen aus ihrem täglichen Leben.
Doch warum ist RFID so etwas wie der alternde Star im Bereich der Auto-ID-Systeme, der aufgrund seiner zwiespältigen Natur immer noch nicht sein volles Potenzial ausschöpfen kann? RFID zählt zu den sehr kontrovers diskutierten IT-Errungenschaften. Die Bedenken in Hinblick auf Datenschutz und Manipulationsmöglichkeiten sind vielerorts groß. Die theoretischen Möglichkeiten, Bewegungsprofile über RFID-Tags zu erstellen, sind genauso real, wie machbare Manipulation der Technik.
BSI-Sicherheitsbedenken
Das Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat sich in einer inzwischen schon etwas älteren, inhaltlich hinsichtlich der Risiken aber noch aktuellen Studie über RFID-Systeme geäußert. Die Sicherheitsspezialisten nehmen dabei die Herausforderungen und das technische Gefahrenpotenzial des Auto-ID-Systems unter die Lupe. Das BSI hat drei grundsätzliche Knackpunkte identifiziert, an denen sich Risiken für die Sicherheit ergeben:
Da wäre laut BSI zunächst die Beziehung zwischen RFID-Transponder und den gespeicherten Daten: Es müsse sich hier um eine eindeutige Beziehung handeln, „weil der Transponder ausschließlich durch die Daten identifiziert wird“, so das BSI. Wichtigster Bestandteil der Daten sei eine eindeutige ID-Nummer. Es geht also darum, dass nicht mehrere Tags mit gleicher Identität im Umlauf sind.
Auch bei der Beziehung zwischen Transponder und dem zu identifizierenden Trägerobjekt ergeben sich Angriffspunkte: Ob es sich um einen Hund handelt, der einen RFID-Chip für den Fall des Entlaufens trägt oder um ein lebloses Produkt – wechselnde Objekte, die der RFID-Chip identifizieren soll, dürfen logischerweise nicht vorkommen. Eine Gefahrenquelle ist daher das Ablösen von Tags vom Trägerobjekt mit einhergehendem Umkleben, nach dem Motto: Ich verwandle die Identität eines hochwertigen Produktes per Tag-Tausch in die eines minderwertigeren und damit günstigeren.
Luftschnittstelle
Als dritten Knackpunkt identifiziert das BSI die Beziehung zwischen Transponder und Lesegerät: Dieser Angriffspunkt dürfte sich am nähesten zur Praxis bewegen. Bei RFID-Auslesevorgängen kann von einer „Luftschnittstelle“ gesprochen werden. Hier könnten auch nicht autorisierte Lesevorgänge eine Rolle spielen. Laut BSI ist diese Gefahr bei kurzer Transponder-Reichweite eher gering; das Risiko wächst aber zusammen mit der Auslesedistanz.
Mobile Geräte samt Software, die RFID-Tags auslesen, sind auf dem Markt für jedermann erhältlich. In einem kontrollierten Umfeld (wie einem Supermarkt) könne Manipulation in diesem Sinne aufgrund der kurzen Distanzen unterbunden werden, ist das BSI überzeugt. Es dürfte auch einfacher sein, einen Lippenstift einfach zu klauen, als einen günstigeren Preis über ein gefälschtes RFID-Tag anzubringen, sollte sich diese Technologie eines Tages in der Breite im Supermarkt-Umfeld durchsetzen. Von „Cloning“ ist hierbei die Rede, wenn RFID-Tags kopiert werden; von „Emulation“, wenn Tags mit gegebenem Dateninhalt neu erstellt werden. Durch Read-only-Tags sei zwar das Verändern der Daten ausgeschlossen, was allerdings den Nachteil in sich berge, dass ein sicheres Verschlüsselungs- und Authentifizierungssystem mit Nur-Lese-Tags nicht realisierbar sei.
Zwischenfazit
Smartphone-Boom und App-Hype forcieren Data Capturing im Bereich der Endanwender, auch wenn die Infos hinter Barcodes eigentlich nur für die Kasse hinterlegt wurden. Beim Thema RFID sind für viele denkbare Anwendungen noch wichtige Fragen offen. Aber die Anwendungsvielfalt wächst und gedeiht. □
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