Was Also-Actebis-Holding Chef Klaus Hellmich plant Also-Actebis nimmt Kurs auf Europa

Redakteur: Regina Böckle

Als Actebis und Also ihren Zusammenschluss ankündigten, erklärten die Konzern-Chefs, man wolle „ein europäisches Gegengewicht zu den Amerikanern schaffen“. Klaus Hellmich, CEO ALSO-Actebis Holding AG, skizziert, wie weit diese Pläne umgesetzt wurden.

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ITB: Also-Actebis hat angekündigt, das VAD-Geschäft auf alle europäischen Gesellschaften auszuweiten. Wie sieht der Fahrplan aus?

Hellmich: Wir haben am 8. Februar den Merge von Actebis und Also abgeschlossen. . Im ersten Schritt haben wir die vorhandenen Value-Add-Services und -Strukturen der einzelnen Gesellschaften analysiert. Im zweiten Schritt haben wir geklärt, welche Value-Lösungen und welche Value-Add-Themen sich auch unter Profitabilitäts-Gesichtspunkten bewährt haben. Der dritte Schritt ist derzeit in vollem Gange: nämlich standardisierte Lösungen und definierte Produkte sowie die Value-Add-Kompetenzen sukzessive auf alle Landesgesellschaften zu übertragen.

ITB: Steuert hier die deutsche Landesgesellschaft den Löwenanteil bei, oder ist es eher ein ausgewogener Austausch?

Hellmich: Deutschland nimmt hier sicherlich aufgrund der schieren Größe eine gewisse Vorreiterrolle ein. Allerdings gibt es insbesondere in der Schweiz oder zum Beispiel in Finnland ganz hervorragende Konzepte und Lösungen, die heute schon unseren Partnern angeboten werden. Davon kann auch das Unternehmen hierzulande lernen.

ITB: Können uns ein Beispiel nennen, was aus der Schweiz oder Finnland übernommen werden könnte?

Hellmich: Die Schweizer Kollegen sind beispielsweise mit Value-Added-Services für HP/3Com, Cisco und VMware sehr erfolgreich aktiv. Auf diese Weise verfügen wir also bereits über eine ganze Reihe enger Herstellerbeziehungen und vor allem über zertifizierte und sehr erfahrene Mitarbeiter mit umfangreichem Know-how. Diese Kompetenz können wir nun nutzen, um in der DACH-Region die Value Added Services schneller auszubauen – speziell hinsichtlich mehr erklärungsbedürftiger Technologien und Produkte.

ITB: Sie hatten darüber hinaus angekündigt, auch über Akquisitionen wachsen zu wollen. Wie sollen diese Übernahmen finanziert werden, da doch die Fusion an der Eigentümer-Struktur mit den Mehrheitseignern Droege und Schindler nichts Wesentliches geändert hat?

Hellmich: Die erste Priorität bleibt ganz klar das organische, werthaltige und somit profitable Wachstum. Ein Teil dieser erwirtschafteten Ergebnisse kann für Akquisitionen genutzt werden. Der Zugang zum Kapitalmarkt an der Schweizer Börse bietet weitere Optionen. Es gibt sicherlich Aktionäre, die daran interessiert sein könnten, Kapital für dieses Wachstum bereitzustellen und dadurch an der Wertsteigerung zu partizipieren.

ITB: Also-Actebis könnte durch Akquisitionen auch einige weiße Flecken auf ihrer Europa-Karte schließen - beispielsweise in UK, Osteuropa, Spanien und Italien. Inwiefern wird Also-Actebis langjährige Verbindungen nutzen, beispielsweise zum Ex-Also-EWG-Partner Esprinet oder dem Ex-Actebis-Kauf-Interessent Westcoast, um einige dieser Lücken zu schließen - alte Liebe rostet bekanntlich nicht?

Hellmich: Wir haben klar gesagt, dass wir uns vorstellen können, durch strategische Akquisitionen weiteres Wachstum zu generieren. Dies heißt jedoch nicht zwingend vom“ Gleichen“ mehr zu akquirieren, sondern kann auch bedeuten, dass wir durch gezielte Zukäufe unsere Service und Dienstleistungsstrukturen ausbauen. Dies betrifft nicht nur die klassischen VAD-Services sondern Value-Services generell.

Die Frage lautet hier immer Make or Buy? Das heißt: Wie schnell lassen sich diese Leistungen aus eigener Kraft, mit eigenem Know-how aufbauen, inwiefern kann man umgekehrt bestehende Verträge, Strukturen und Know-how übernehmen, um schneller voranzukommen. Die europaweite Präsenz ist ja kein Selbstzweck, sondern eine mögliche Maßnahme, um beispielsweise ökonomische Schwankungen in einzelnen Ländern gegebenenfalls ausgleichen zu können. Wir kennen den südeuropäischen Markt und die Partner dort sehr gut und beobachten die weitere Entwicklung sehr aufmerksam. Aber der Zusammenschluss Also-Actebis war ein sehr großer Schritt, der erst einmal verdaut werden muss. Es gilt zunächst, die sich daraus ergebenden Synergien zu nutzen. Deshalb wäre es vermessen, heute über nächste große Schritte zu spekulieren. Aber natürlich, wenn ich die verbleibenden großen, lokal starken Distributoren betrachte, dann kann ich mir durchaus vorstellen, dass diese in den nächsten Jahren Anlahnung an einen europäisch ausgerichteten Partner suchen. So könnte Ihre Idee unter Umständen dazu führen, dass zusammenkommt, was zusammengehört. Das zum jetzigen Zeitpunkt anzugehen, ist aber viel zu früh.

ITB: Das klingt, als hätten Sie es gar nicht so eilig, zum größten europäischen Distributor zu werden…

Hellmich: Wir sind ja bereits heute der größte, echte europäische Distributor neben unseren US-Wettbewerbern. Aber in der Tat, die Nummer Eins zu sein ist kein Selbstzweck, insofern ist das an sich kein Ziel. Die Nummer eins bei den Kunden zu sein und Nummer eins zu sein hinsichtlich der Profitabilität in Europa ist dagegen ein erstrebenswertes Ziel, das uns treibt. Mit der Größe, die wir jetzt haben, können wir die erforderlichen Skaleneffekte darstellen. Erstes Ziel ist es aber, in unserer Gesellschaft organisch und inhaltlich und über unsere Service-Dienstleistungen zu wachsen. Zu angemessener Zeit können wir dann überlegen, weitere Konsolidierungsschritte in den Märkten voranzutreiben.

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