Studie beziffert wirtschaftliche Potenziale von 6G 6G – alles vernetzt, alles möglich

Von Bernhard Lück 3 min Lesedauer

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Der Fachkräftemangel kostet die deutsche Wirtschaft bereits jetzt Milliarden. Stringente Digitalisierung und kluge Automatisierung können dieses Problem abfedern. Laut einer Studie der VDI/VDE-IT spielt der zukünftige Mobilfunkstandard 6G dabei eine Schlüsselrolle.

Die Studie der VDI/VDE-IT untersucht die wirtschaftlichen Chancen für Industrie und Mittelstand in Deutschland durch 6G-Mobilfunk.(Bild:  © Supittra – stock.adobe.com / KI-generiert)
Die Studie der VDI/VDE-IT untersucht die wirtschaftlichen Chancen für Industrie und Mittelstand in Deutschland durch 6G-Mobilfunk.
(Bild: © Supittra – stock.adobe.com / KI-generiert)

Die Studie der VDI/VDE Innovation + Technik GmbH (VDI/VDE-IT) in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung mbH (GWS) zeigt: 6G mindert die Arbeitskräftelücke bis zum Jahr 2050 um rund 700.000 Menschen und steigert gleichzeitig das Wirtschaftswachstum mit einem prognostizierten Anstieg des Bruttoinlandprodukts (BIP) um 1,8 Prozent. Besonders große Chancen entstehen u.a. für Industrie, Logistik, das Gesundheitswesen und die Agrarwirtschaft. Um die Potenziale heben zu können, gilt es schon heute weiter konsequent zu handeln und die Brücke von 5G zu 6G zu schlagen.

Veränderungen in den Arbeitsbedarfen in Tsd. Personen, Szenarienvergleich (eigene Berechnung auf Basis des GWS-Modells INFORGE).(Bild:  VDI/VDE-IT)
Veränderungen in den Arbeitsbedarfen in Tsd. Personen, Szenarienvergleich (eigene Berechnung auf Basis des GWS-Modells INFORGE).
(Bild: VDI/VDE-IT)

6G als Strukturhebel am Arbeitsmarkt: Am meisten profitiert das verarbeitende Gewerbe

Die Studie „Alles vernetzt, alles möglich“ prognostiziert zukunftsweisende Umstrukturierungen des Arbeitsmarkts durch 6G. Der neue Mobilfunk habe das Potenzial, das technologische Ökosystem neu zu definieren und entwickele sich mit seinen erhöhten Kapazitäten, extrem niedriger Latenz, hoher Zuverlässigkeit und verbesserten Datenschutzmaßnahmen zu einer transformativen Kraft. Die Technologie wirke aber nicht allein, sondern entfalte ihr Potenzial im Zusammenspiel mit KI und weiteren Technologien. 6G ist somit auch eine entscheidende Antwort auf die Probleme des demografischen Wandels und sichert mit neuen technologischen Lösungen Versorgungsqualität, Wettbewerbsfähigkeit und wirtschaftliche Resilienz am Standort Deutschland.

Die Studie sagt voraus, dass Veränderungen durch 6G eher langsam sichtbar werden. Bis zum Jahr 2035 seien kaum große Umwälzungen zu erwarten. Erst im Jahr 2050 zeigen sich durch den Ausbau des 6G-Netzes und damit verbundenen Effizienzgewinnen und Automatisierungen Veränderungen in den Arbeitsbedarfen. Der Einsatz von 6G schließt laut der Berechnungen zu diesem Zeitpunkt eine Lücke von 700.000 Menschen auf einem angespannten Arbeitsmarkt. Besonders Arbeitskräfte aus dem verarbeitenden Gewerbe und Handel können mit passenden Umschulungen und Weiterbildungen in anderen Bereichen eingesetzt werden. In den unternehmensnahen Dienstleistungen wächst der Bedarf an Arbeitskräften um 70.000.

Wirkung des 6G-Ausbaus auf die preisbereinigten Komponenten des Bruttoinlandsproduktes in Prozent, Szenarienvergleich (eigene Berechnung auf Basis des GWS-Modells INFORGE).(Bild:  VDI/VDE-IT)
Wirkung des 6G-Ausbaus auf die preisbereinigten Komponenten des Bruttoinlandsproduktes in Prozent, Szenarienvergleich (eigene Berechnung auf Basis des GWS-Modells INFORGE).
(Bild: VDI/VDE-IT)

6G als langfristiger Katalysator für Produktion und Wirtschaft – BIP-Wachstum von 1,8 Prozent

Die Wirtschaft profitiert nicht sofort von Investitionen und der Implementierung von 6G. Im Gegenteil: Durch den immer höheren Fachkräftemangel steigen in den Jahren 2025 bis 2030 die Löhne und damit auch die Produktionskosten. Die Folge ist eine verminderte Wettbewerbsfähigkeit und der Rückgang von Exporten. Gleichzeitig steigen die Verbraucherpreise, was den privaten Konsum dämpft.

Ab dem Jahr 2030 fließen Investitionen in den Ausbau der 6G-Infrastruktur, vor allem in den Bau und die technische Ausrüstung. Die gesamtwirtschaftlichen Impulse bleiben zunächst schwach, da viele Komponenten weiterhin aus dem Ausland importiert werden müssen. Erst ab dem Jahr 2040 und in den Folgejahren lassen sich deutlich positive Wachstumseffekte beobachten. Das BIP wird laut Berechnungen durch den Ausbau und die Nutzung von 6G im Jahr 2050 um 1,8 Prozent steigen. Zusätzlich ist mit einem Zuwachs von Exporten der 6G-Technologie zu rechnen, die für die Implementierungen einer wettbewerbsfähigen europäischen Industrie sorgen.

Relative Veränderungen in der realen Produktion durch 6G-Ausbau im Vergleich zur Referenz (eigene Berechnung auf Basis des GWS-Modells INFORGE).(Bild:  VDI/VDE-IT)
Relative Veränderungen in der realen Produktion durch 6G-Ausbau im Vergleich zur Referenz (eigene Berechnung auf Basis des GWS-Modells INFORGE).
(Bild: VDI/VDE-IT)

Über 2,5 Prozent Produktionssteigerung für Handel und verarbeitendes Gewerbe

Nach einer Investitions- und Ausbauphase der Jahre 2025 bis 2035 folgt ab 2035 die Umsetzungs- und Nutzungsphase von 6G. Laut Studie sind nun Strukturveränderungen in der Produktion zu erkennen. Im Vergleich zum Referenzszenario ohne 6G lässt sich im verarbeitenden Gewerbe und im Baugewerbe ein Produktionszuwachs beobachten. Ab dem Jahr 2050 ist die Produktionssteigerung in allen Branchen erreicht, wobei Handel und verarbeitendes Gewerbe mit mehr als 2,5 Prozent den größten Zuwachs zeigen. Eine Ausnahme bildet der Bereich „Bergbau, Energieversorgung“, in dem die Produktion zurückgeht. Die Entwicklung lässt sich durch Effizienzsteigerungen in anderen Branchen durch den Einsatz von 6G-Technologien erklären. Der sinkende Energiebedarf dämpft die Nachfrage, wodurch die Produktion im Energiesektor unter dem Referenzszenario bleibt.

Weitere Aspekte der Studie:

  • Überblick zum Stand von 6G und den zu erwartenden Entwicklungen rund um das Thema Standardisierung und Ausbau von Infrastrukturen.
  • Lehren aus 5G: Was lief im Implementierungsprozess schief und wie können wir die Fehler der Vergangenheit bei 6G vermeiden?
  • Anwendungsszenarien im Gesundheitsbereich, Transportwirtschaft & Co: schöne neue 6G-Welt.
  • 6G als Schlüssel für digitale Souveränität und wie Europa sich möglichst große Unabhängigkeit sichern kann.

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