Axel Grotjahn und Torsten Matthies wieder im Vorstand Devil jagt Nedfield aus dem Hause

Redakteur: Regina Böckle

Gestern Abend gab die holländische Devil-Mutter Nedfield ihr kurzes Intermezzo bei der Braunschweiger Distributorentochter angesichts des massiven Widerstands vor Ort auf: Die bisherigen Vorstände Axel Grotjahn und Torsten Matthies sind wieder im Amt, Joost Bruyn, den der Mutterkonzern Nedfield dort kurzfristig als neuen Alleinvorstand installiert hatte, muss die Koffer packen. Und auch im Aufsichtsrat setzten sich die Ur-Devilianer durch.

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Das hatte sich Nedfield sicherlich einfacher vorgestellt: Das Ruder bei der Braunschweiger Distributorentochter zu übernehmen. Vor wenigen Tagen erst hatte der holländische Mutterkonzern die beiden Devil-Vorstände Axel Grotjahn und Torsten Matthies für alle völlig überraschend entmachtet und Joost Bruyn als Nachfolger eingesetzt.

Doch jetzt geht es Nedfield selber an den Kragen. Denn für die Tulip Beteiligungs GmbH, Holding des Distributors Devil und eine der Töchter im Nedfield-Firmengeflecht, wurde von Seiten eines Gläubigers Insolvenzantrag gestellt. Der vorläufige Insolvenzverwalter hat auf dem Amtsweg alle Befugnisse der Tulip Beteiligungs GmbH übernommen und postwendend das alte Management von Devil wieder eingesetzt. »Das bedeutet, dass die holländischen Mehrheitseigner in und um den Nedfield-Konzern bereits nicht mehr in das Geschehen eingreifen können. Damit ist es im ersten Schritt gelungen, das gesunde Devil-Geschäft dem Zugriff des Nedfield-Konzerns zu entziehen«, so der Unternehmenssprecher von Devil in einer ersten Mitteilung.

Kommando zurück auf ganzer Linie

Für eine Veränderung des Eintrags im Handelsregister hatte die Zeit zwischen Hauptversammlung und Insolvenzantrag nicht mehr ausgereicht. Denn offenbar wurde Nedfield anschließend selbst vom massiven Widerstand der gesamten Devil-Belegschaft überrascht. Obendrein war Bruyn nicht mit dem hiesigen Geschäft vertraut, so dass de facto die abgesetzten Vorstände das Geschäft weiterführten. Am Devil-Firmensitz gärte es, zumal Nedfield offensichtlich keinen Plan hatte, wie weiter zu verfahren wäre. Nun sind die alten Verhältnisse wieder hergestellt.

Die Braunschweiger jubelten angesichts ihres erfolgreichen Aufstands gegen den hilflosen Versuch des holländischen Mutterkonzerns, die hauseigenen Probleme durch die Machtübernahme in Braunschweig zu lösen, wo die Geschäfte nach eigenem Bekunden gut laufen.

Fazit der ganzen Aktion: der Distributor wurde in kräftezehrende Konzernwirren verstrickt, die vom Tagesgeschäft ablenken. Und – was in der momentanten gesamtwirtschaftlichen Lage weitaus schwerer wiegt – die skeptische Aufmerksamkeit von Kreditversicherern und Banken dürfte den Devilanern nach den durch Nedfield angefachten Turbulenzen sicher sein. Mit dem kurzen, unüberlegten Intermezzo hat Nedfield seiner größten Tochter – immerhin stemmt sie umsatzseitig den Löwenanteil im gesamten Konzern – heftig geschadet und in keiner Form genützt.

Das mag mit ein Grund dafür gewesen sein, dass auch der Aufsichtsrat erneut umbesetzt wurde. Statt des vor wenigen Tagen inthronisierten sechsköpfigen Gremiums, sind es Stand heute wieder drei Aufsichtsräte. Und hier haben sich die »Gallier« aus Braunschweig ebenfalls durchgesetzt: Mit an Bord ist nämlich nicht nur der bisherige Aufsichtsratsvorsitzende Jipp van den Berg und Rechtsanwalt Dr. Mirko Gründel, sondern auch Karsten Hartmann, Mitgründer und langjähriger Chef des Distributors.

Lesen Sie auf der nächsten Seite mehr über die Nedfield-Intervention bei Devil.

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