Der britische Telekommunikationsanbieter Vodafone kämpft weiter mit schwierigen Geschäften vor allem in seinem wichtigsten Markt Deutschland. Als Konsequenz müssen Arbeitsplätze gestrichen werden und ein neuer Fahrplan her.
Vodafone muss Stellen streichen. In Deutschland sollen am Ende 900 Vollzeitstellen wegfallen.
(Bild: Vodafone)
„Unsere Leistung war nicht gut genug“, sagte die Vodafone-Unternehmenschefin Margherita Della Valle. Um konsistent zu liefern, müsse sich Vodafone ändern. Jetzt will das Unternehmen weltweit 11.000 von rund 90.000 Vollzeitstellen streichen, um seine Wettbewerbsfähigkeit zurückzugewinnen. Die Umstände in der Branche und die Position von Vodafone erforderten einen Wandel.
An der Börse kamen die Nachrichten schlecht an. Die Vodafone-Aktie verlor in London bis zur Mittagszeit mehr als sechs Prozent an Wert und war damit größter Verlierer im dortigen Leitindex FTSE 100. Analyst Akhil Dattani von der US-Bank JPMorgan beurteilte die Resultate des Telekomkonzerns als schwach. Dies treffe auch auf die Erwartungen des Managements für das aktuelle Geschäftsjahr zu. Zwar hielten die Briten an ihrer Dividende fest. Die aktualisierte Strategie sei aber wenig inspirierend.
Neuer Fahrplan
Della Valle kündigte nach einer strategischen Überprüfung in den vergangenen fünf Monaten einen neuen Fahrplan an. Die Maßnahmen sehen den Abbau von 11.000 Stellen über drei Jahre vor. Dabei sollen sowohl die Zentrale als auch die lokalen Märkte vereinfacht werden. Ihre Priorität seien „Kunden, Vereinfachung und Wachstum“, sagte Della Valle. In Deutschland will Vodafone an den Preisen drehen und das Geschäft in Spanien soll strategisch überprüft werden.
In Deutschland sollen bis März nächsten Jahres 1.300 von 14.300 Vollzeitstellen wegfallen; dieses nationale Vorhaben war bereits bekannt. Hierzulande setzte das Management den Rotstift vor allem in der Verwaltung an. In „kundennahen Bereichen“ – etwa im Service und in der Technik – sollen hingegen 400 Stellen aufgebaut werden. Unterm Strich sinkt die Beschäftigtenzahl in Deutschland also planmäßig um 900. Nach Abschluss dieses Vorhabens Ende März 2024 soll in Deutschland nicht weiter abgebaut werden, die globalen Kürzungspläne laufen hingegen bis 2026.
Sinkende Service-Umsätze
Vodafone ist unter Druck – der Service-Umsatz in Deutschland sank im vierten Quartal um 2,8 Prozent und damit stärker als zuvor. Während die Konkurrenten Deutsche Telekom und Telefónica Deutschland (O2) im Aufwind sind, verliert Vodafone unter dem Strich Kunden in Deutschland.
Die am Dienstag publizierten Zahlen zu dem von April bis März laufenden Geschäftsjahr zeigen, dass es weiter bergab geht. So stieg die Zahl der Mobilfunk-Vertragskunden im zweiten Quartal noch um 65.000, im dritten Quartal war es nur noch ein Plus um 8.000 und im vierten Quartal ein Minus von 11.000. Bei Festnetz-Kunden war die Entwicklung ähnlich.
Beim Wettbewerber O2 zum Beispiel geht der Trend in die andere Richtung: Im letzten Quartal 2022 gewannen die Münchner 264.000 Mobilfunk-Vertragskunden hinzu, und im ersten Quartal 2023 war es sogar ein Plus von 368.000.
Im abgelaufenen Geschäftsjahr bis Ende März stieg Vodafones Gesamtumsatz nur leicht auf 45,7 Milliarden Euro, wie das Unternehmen in London mitteilte. Der von Branchenkennern viel beobachtete Erlös mit Dienstleistungen ging um 0,6 Prozent zurück. Ohne Wechselkurseffekte wäre er allerdings um 2,2 Prozent gestiegen. Während der Konzern in Deutschland, Italien und Spanien weniger mit Dienstleistungen erlöste, entwickelte sich das Geschäft in Großbritannien deutlich besser.
Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen nach Leasingkosten (Ebitda AL) sank konzernweit von 15,2 Milliarden Euro im Vorjahr auf knapp 14,7 Milliarden Euro. Das Unternehmen begründete dies vor allem mit höheren Energiekosten und einer schlechteren Geschäftsentwicklung in Deutschland. Unter dem Strich blieb ein Gewinn von 12,3 Milliarden Euro nach knapp 2,8 Milliarden Euro im Vorjahr. Das lag allerdings an einem einmaligen Verkaufserlös: Vodafone hat seine Anteile an der Funkturmtochter Vantage Towers an die neue Oak Holdings übertragen und dafür einen Milliardengewinn eingefahren.
Für das laufende Geschäftsjahr rechnet der Telekomkonzern mit einem operativen Ergebnis (bereinigtes Ebitda AL) von 13,3 Milliarden Euro. Auf vergleichbarer Basis wäre dies laut Mitteilung ein Ergebnis auf Vorjahresniveau. Im Vorjahresergebnis waren noch die mittlerweile verkauften Anteile an Vantage sowie an den Gesellschaften in Ungarn und Ghana enthalten. Der bereinigte Barmittelzufluss soll auf vergleichbarer Basis von 4,2 auf 3,3 Milliarden Euro schrumpfen.
Stand: 08.12.2025
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