Operatives Chaos – auch durch KI Wie Unternehmen das Steuer wieder fest in der Hand halten

Von Steve Ponting* 4 min Lesedauer

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Immer mehr neue Technologien drängen in rasantem Tempo auf den Markt. Entwicklungen wie Künstliche Intelligenz (KI) bedeuten große Chancen für Unternehmen, aber auch Herausforderungen, wie eine Studie der Software AG zeigt.

Eine Studie der Software AG zeigt, dass 70 Prozent der Unternehmen operatives Chaos erleben, was bedeutet, dass unkoordinierte Systeme und Prozesse zu Ineffizienz, Reibungsverlusten und Innovationshemmnissen führen können.(Bild:  Alexander Limbach - stock.adobe.com)
Eine Studie der Software AG zeigt, dass 70 Prozent der Unternehmen operatives Chaos erleben, was bedeutet, dass unkoordinierte Systeme und Prozesse zu Ineffizienz, Reibungsverlusten und Innovationshemmnissen führen können.
(Bild: Alexander Limbach - stock.adobe.com)

Die Erhebung, die mit über 1.500 IT-Entscheidungsträgern in Deutschland, den USA und Großbritannien durchgeführt wurde, zeigt ein besorgniserregendes Bild: 70 Prozent der Unternehmen erleben operatives Chaos. Dieser Zustand beschreibt eine Situation, in der ein unkoordiniertes Nebeneinander von Systemen und Prozessen zu Ineffizienz, Reibungsverlusten und sogar Innovationshemmnissen führt. Wie es entsteht, welche Folgen denkbar sind – und wie Unternehmen darauf reagieren können.

Technologiewachstum als Ursache und Verstärker von Chaos

Unternehmen haben in den vergangenen Jahren stark in den Ausbau ihrer IT-Infrastruktur investiert. Laut „Reality Check 2025 Survey“ haben 84 Prozent der Befragten ihre technologische Basis erheblich erweitert. Doch die Ergebnisse machen auch deutlich: 77 Prozent der Unternehmen stellen fest, dass diese Entwicklung ihre Agilität und Produktivität erschwert. Besonders betroffen sind die Finanzdienstleistungsbranche (78 % operatives Chaos) sowie der Transport- und Logistiksektor (75 % Chaos). Beide Branchen stehen vor der Herausforderung, eine wachsende Anzahl an Technologien zu verwalten, ohne dass dies zu Mehrwerten führt.

Die Hauptursachen des operativen Chaos

Die Ergebnisse der Umfrage zeigen, dass Unternehmen zunehmend mit der Koexistenz alter und neuer Systeme zu kämpfen haben. 81 Prozent der Befragten geben an, dass neue Technologien eingeführt werden, ohne dass Altsysteme modernisiert oder ersetzt werden. 77 Prozent sehen veraltete Systeme als zentrale Ursache des Chaos, während 43 Prozent von Problemen durch Inkompatibilität zwischen alten und neuen Technologien berichten.

Ein weiteres Problem ist der unkontrollierte IT-Wildwuchs. Fast drei Viertel (73 %) der Unternehmen berichten, dass IT-Aktivitäten ohne zentrale Steuerung stattfinden. Dieser Einsatz sogenannter Schatten-IT sorgt dafür, dass Unternehmen den Überblick über ihre eigene Infrastruktur verlieren und ineffiziente oder sogar unsichere Systeme im Einsatz haben.

Kundenunzufriedenheit und Probleme mit Governance

Die negativen Effekte des operativen Chaos lassen sich nicht mehr ignorieren. 78 Prozent der Befragten geben an, dass sich das Chaos direkt auf die Kundenerfahrung auswirkt. Sei es durch langsame Prozesse, inkonsistente Daten oder schlechte Reaktionszeiten – die zunehmende Komplexität der IT behindert die reibungslose Interaktion mit Kunden. Darüber hinaus sehen 70 Prozent der Unternehmen Governance-Probleme als direkte Folge technologischer Komplexität.

Die mangelnde Kontrolle über verschiedene Systeme erschwert es, regulatorische Anforderungen zu erfüllen, Datensicherheit zu gewährleisten und Prozesse effizient zu steuern. Weltweit geben 75 Prozent der befragten Unternehmen an, dass operatives Chaos Entscheidungen verlangsamt, 80 Prozent berichten von Verzögerungen bei der Einführung neuer Produkte/Dienstleistungen.

Wie Unternehmen gegensteuern sollten

In diesem Jahr sollten Unternehmen den Fokus darauf legen, wie sie kurzfristige Ziele mit langfristigen Anforderungen in Einklang bringen können, um so ihre Geschäftsmodelle weiterzuentwickeln. Viele Unternehmen stehen unter erheblichem Leistungsdruck, und die zunehmende Verbreitung neuer Technologien kann operative Abläufe zusätzlich erschweren.

Daher wird es immer wichtiger, nicht nur die eingesetzten Technologien, sondern auch die zugrunde liegenden Prozesse kritisch zu hinterfragen. Eine hohe Transparenz in den Abläufen ist dabei essenziell. Allerdings geraten viele Unternehmen in eine endlose Problemlösungsschleife, da das operative Chaos oft so groß ist, dass kaum Raum für weitere Innovationen bleibt.

Strategien zur Reduzierung von Chaos und Komplexität

Damit Unternehmen ihre IT-Infrastruktur effizienter gestalten und operatives Chaos vermeiden, sind einige strategische Ansätze entscheidend:

  • Process Intelligence als entscheidender Faktor: 82 Prozent der Befragten betrachten Prozessintelligenz als entscheidend, um Ordnung zu schaffen. Transparente und automatisierte Abläufe bieten eine solide Grundlage für bessere Daten und fundierte Entscheidungen.
  • Ganzheitlicher Ansatz statt Insellösungen: Viele Lösungen im Bereich Prozessmanagement, Process Mining oder Compliance betrachten nur einzelne Facetten der Herausforderung. Genau hier setzt Process Intelligence an: Es bietet eine umfassende Perspektive auf Geschäftsprozesse und kombiniert diese mit der notwendigen Tiefe, um gezielte Verbesserungen umzusetzen.
  • Widerstandsfähigkeit durch datengetriebene Prozesse: Unternehmen, die auf Process Intelligence setzen, gewinnen nicht nur ein besseres Verständnis ihrer Abläufe, sondern können diese kontinuierlich optimieren und flexibel anpassen. Dies hilft, unvorhersehbaren Ereignissen zu begegnen, Lieferketten zu optimieren und die digitale Transformation zu beschleunigen.
  • Regulatorische Konformität und Nachhaltigkeit: Process Intelligence unterstützt Unternehmen dabei, regulatorische Vorgaben einzuhalten, steigenden Kundenerwartungen gerecht zu werden und nachhaltigere Prozesse zu etablieren – alles durch detaillierte Prozessanalysen und automatisierte Lösungen.

Unternehmen müssen handeln

Die „Reality Check 2025 Survey“ unterstreicht, dass ein nachhaltiges Management von IT-Architekturen essenziell ist. Wer Komplexität bewusst reduziert, Schatten-IT eindämmt und alte Systeme modernisiert, schafft nicht nur effizientere Abläufe, sondern verbessert auch Kundenerfahrung und Agilität. Mit Process Intelligence lassen sich mögliche Herausforderungen frühzeitig identifizieren, gezielt adressieren und die Digitalisierung klug einsetzen, um Veränderungen strategisch und effizient zu steuern.

Modernisierung statt Stapelung: Neue Technologien sollten nicht einfach auf bestehende Altsysteme aufgesetzt werden. Eine strategische IT-Architektur hilft, Kompatibilität zu sichern und Doppelstrukturen zu vermeiden:

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  • Zentrale Steuerung und Governance: Schatten-IT sollte eingedämmt werden, indem Unternehmen transparente IT-Prozesse etablieren und klare Verantwortlichkeiten definieren.
  • Agile Integrationstechnologien nutzen: Middleware-Lösungen und API-Management helfen, Systeme zu vernetzen, ohne dass einzelne Technologien isoliert bleiben oder manuelle Prozesse notwendig sind.
  • Automatisierung und KI-Unterstützung: Durch KI-gestützte Prozessautomatisierung können Unternehmen ineffiziente Prozesse verschlanken und wiederkehrende Aufgaben entlasten.

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass technologisches Wachstum allein nicht ausreicht – es muss strategisch gesteuert und integriert werden. Ansonsten droht Unternehmen, dass ihr eigenes IT-Wachstum sie ausbremst, statt sie voranzubringen.


* Der Autor Steve Ponting ist seit 2021 bei der Software AG und Pre-Sales und Solutions Director für EMEA Nord sowie Leiter von Aris, der Pre-Sales-Organisation in der Region.

Bildquelle: Software AG

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