Über die letzten Jahre haben viele Chiphersteller massiv in neue Fabs investiert – nun sinkt die Nachfrage und Überkapazitäten schlagen durch: Im dritten Quartal hat Samsung, Branchenprimus bei Speicherchips, fast 80 Prozent weniger Gewinn gemacht. Doch Experten geben Entwarnung: Schon bald soll die Nachfrage wieder anziehen.
Auf und ab: Die Entwicklung des Halbleitermarkts gleicht seit jeher einem wilden Ritt auf einer Achterbahn. Langfristige Investitionen in teure Fabs kollidieren immer wieder mit kurzfristigen Nachfrageschwankungen.
Die gebremste Weltwirtschaft schlägt sich in den Quartalsberichten der großen Tech-Giganten nieder. Beispiel Samsung Electronics (Samsung): Die Angebotsschwemme bei Speicherchips macht dem Branchenprimus schwer zu schaffen. Der operative Gewinn sackte im dritten Quartal 2023 im Jahresvergleich um fast 80 Prozent auf 2,4 Billionen Won (etwa 1,7 Milliarden Euro), wie der südkoreanische Konzern am Mittwoch in einem Ergebnisausblick mitteilte. Beim Umsatz erwartet Samsung – der Elektronikriese ist auch Marktführer bei Smartphones und Fernsehern – einen Rückgang um 12,7 Prozent auf 67 Billionen Won (47,2 Milliarden Euro). Genauere Zahlen legt der Konzern traditionell erst zu einem späteren Zeitpunkt vor, voraussichtlich am 31. Oktober.
Schon in den beiden ersten Quartalen des Jahres war der Gewinn des Konzerns deutlich eingebrochen. Für das letzte Quartal 2022 verzeichnete der südkoreanische Tech-Gigant sogar sein schlechtestes Ergebnis seit 14 Jahren und wies einen Gewinnrückgang von fast 70 Prozent im Vergleich zum Vorjahr aus. Zur Wahrheit gehört allerdings, dass in eben diesem Vorjahr bedingt durch die Corona-Pandemie die Nachfrage nach Elektronikprodukten extrem hoch war. Viele Komponenten waren kaum oder gar nicht lieferbar, was ihren Preis ungebremst nach oben trieb.
Viele Faktoren dämpfen die Nachfrage
Die Chipindustrie kämpft schon seit längerem mit fallenden Preisen und einem teilweisen Überangebot. Auf die Störungen der Lieferketten im Zuge der Corona-Pandemie hatten die Kunden unter anderem mit einer größeren Lagerhaltung reagiert. Zudem trübte die hohe Inflation die Konsumlaune ein und Anwender nutzen ihre Geräte länger, was die Halbleiterproduzenten ebenfalls zu spüren bekamen.
Laut einem Bericht von Marktforscher Counterpoint Research wird das Jahr 2023 das schlechteste Jahr für den weltweiten Smartphone-Absatz seit 10 Jahren werden, mit einem prognostizierten Rückgang der Auslieferungen um 6 Prozent auf weniger als 1,2 Milliarden Geräte. Vor diesem Hintergrund hatten weltweit die Hersteller für Speicherchips ihre Produktion in den vergangenen Monaten gedrosselt. Auch Samsung fuhr die Produktion zurück.
„Normale“ Ausschläge im Halbleiter-Schweinezyklus
Alles nicht so schlimm, meint der Finanzdatendienst der Nachrichtenagentur Yonhap: Laut einer Umfrage lagen die vorläufigen Zahlen für die Monate Juli bis September sogar über den Markterwartungen. Demnach könnten – zumindest bei Samsung – robuste Geschäfte mit Smartphones und Bildschirmen Verluste in der Halbleitersparte zum Teil aufgefangen haben.
Auch die Beratungsagentur Bain & Company gibt Entwarnung: Bereits in naher Zukunft werde sich die Nachfrage wieder erholen, von massiven Überkapazitäten in der Halbleiterproduktion könne keine Rede sein. Schwankungen und kurze Phasen der Unterauslastung seien vielmehr normale Merkmale des Halbleiterkonjunkturzyklus. Tatsächlich ist die Elektronikbranche im Allgemeinen und der Markt für Speicherchips im Speziellen seit Jahrzehnten einem deutlichen Auf und Ab unterworfen – dafür hat sich der Begriff „Schweinezyklus“ etabliert.
Gedämpfte Peaks: Der Markt beruhigt sich
Die Ausschläge der Zyklen haben sich jedoch in den letzten Jahrzehnten abgeschwächt. Drei Gründe sind laut Bain dafür maßgeblich verantwortlich: Erstens deute die Gesetzmäßigkeit der großen Zahlen darauf hin, dass das immer breitere Spektrum von Endmärkten mit jeweils unterschiedlichen Nachfragezyklen dazu beiträgt, die Nachfrage auszubalancieren. Zweitens seien Speicher zwar der zyklischste Teil des Halbleitermarktes mit den größten Ausschlägen, machen aber inzwischen einen geringeren Teil der Gesamtinvestitionen aus. Und drittens würde die sinkende Zahl der Anbieter von Logik- und Speicherprodukten zu einem weniger irrationalen Angebot führen.
Angesichts der steigenden Bedeutung der Elektronik, die immer mehr Lebensbereiche der Menschen durchdringt, ist langfristig von einer ebenfalls steigenden Nachfrage elektronischer Produkte und Komponenten auszugehen. Strukturelle oder langfristige Überkapazitäten sind laut Bain aus mehreren Gründen unwahrscheinlich. Schwankungen hingegen, auch deutliche, seien aber kaum zu vermeiden.
Langfristige Investitionen versus unvorhersehbare Nachfrageschwankungen
Hauptgrund dafür ist, dass im Halbleitermarkt langfristig angelegte, sehr hohe Investitionen auf kurzfristige, kaum vorhersagbare Nachfrageschwankungen treffen. So kostet der Bau einer modernen Chipfabrik für Prozessknoten von 7 nm und darunter etwa zwei Milliarden US-Dollar und dauert durchschnittlich zwei Jahre – nur das beziehungsweise die Gebäude („Shell“). Hinzu kommen bis zu neun Milliarden US-Dollar für die Ausrüstungen und Maschinen. Deren Qualifizierung und Inbetriebnahme dauert ohne Weiteres bis zu 18 Monate.
Stand: 08.12.2025
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Ein Nachfrageabschwung kann daher ohne Weiteres ausgerechnet in eine Zeit fallen, in der eine Fab in Betrieb geht. Bain führt an, dass, sobald der Elektronikmarkt in die nächste Wachstumsphase eintritt und damit die Nachfrage nach Halbleitern wieder steigt, vermeintliche Produktionsüberkapazitäten schnell gebraucht werden. Daher würden wir bei Halbleiterkomponenten selten Abschwünge erleben, die länger als zwei Jahre dauern. (me)