ifo-Studie Sind Arbeitnehmer produktiver im Büro?

Von Lucas Schmidt 2 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Seit der Pandemie ist Arbeiten von zu Hause in deutschen Unternehmen gang und gäbe. Die Studie des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung an der Universität München e.V (ifo-Institut) gibt Aufschluss über entstandene Vor- und Nachteile.

Homeoffice oder Büro, wo sind wir produktiver?(Bild:  Maria Vonotna - stock.adobe.com)
Homeoffice oder Büro, wo sind wir produktiver?
(Bild: Maria Vonotna - stock.adobe.com)

Montagmorgen, der Zug hat wieder einmal Verspätung. Für viele ein bekanntes Übel. Doch das ist nicht der einzige Grund warum das Homeoffice unter Arbeitnehmern immer beliebter wird. Manche Arbeitgeber sind davon jedoch nicht ganz so begeistert, sie befürchten sinkende Leistungsfähigkeit.

Ein Beispiel: Im Großhandelssektor erwarten knapp 40 Prozent der befragten Firmen, dass ihre Mitarbeiter im Büro produktiver wären. Als Produktivitäts-Killer, beim Arbeiten von zu Hause, nannten die Befragten weniger Wissensaustausch, mehr Ablenkung und eine ineffizientere Kommunikation. Dagegen, also für die Leistungsfähigkeit im Homeoffice, sprechen beispielsweise erhöhte Jobzufriedenheit, flexiblere Arbeitszeiteinteilung und eine bessere Work-Life-Balance. Diese Veränderung der Produktivität beim Wechsel ins Homeoffice betiteln die Forscher von ifo als „Behandlungseffekt“. Dieser kann positiv (steigende Produktivität) oder negativ (sinkende Produktivität) ausfallen.

Hybridmodelle als Lösung

Doch es muss ja nicht immer das eine oder das andere sein. Laut Jean-Victor Alipour, wissenschaftlicher Mitarbeiter am ifo-Institut, vermittelt die Studienlage „ein deutlich positiveres Bild“ bei hybriden Regelungen und Optionsmodellen. Dieses Ergebnis vermitteln auch Feldstudien aus Italien, Bangladesch und China. Ein angemessener Homeoffice-Anteil, sowie dessen freiwillige Wahrnehmung, führte dort nicht nur zu einer Produktivitätssteigerung, sondern auch zu weniger Kündigungen durch die Arbeitnehmer. Dieses Phänomen bezeichnet die ifo-Studie als „Selektionseffekt“. Dieser ist im öffentlichen Diskurs aktuell jedoch kaum Thema, da die Pandemie ein solches „selektieren“ schlicht nicht zulies. Erfahrungsberichte gibt es deshalb auch noch keine.

Selektionseffekt vs. Behandlungseffekt

Ob und wie stark der Selektionseffekt sich in Zukunft auswirken wird, bleibt abzuwarten. Einen wissenschaftlichen Konsens gibt es laut ifo nicht. Alipour nennt aber ein Beispiel: „Selbst wenn der Behandlungseffekt von Homeoffice negativ ist, könnte die Produktivität des Unternehmens in der Summe steigen. Denn einerseits könnten vor allem diejenigen, die die Homeoffice-Option annehmen, von einer ruhigen Atmosphäre im Heimbüro profitieren. Andererseits könnte das Homeoffice-Angebot leistungsfähigere Bewerber anziehen.“ Schon heute haben viele Unternehmen aus Gründen des Fachkräftemangels oft sowieso keine andere Wahl, als Homeoffice anzubieten, oder sie bezahlen horrende Lohnprämien an ihre Bewerber.

Die mehrheitlich positiven Erfahrungen mit der Produktivität sind ein wichtiger Grund, warum sich das Homeoffice in vielen deutschen Unternehmen etabliert hat.

Mahias Dolls, ifo-Forscher

Kein Homeoffice ist auch keine Lösung

Die ifo-Studie befragte im August 2023 9000 deutsche Firmen. Tatsächlich ist es aber nur eine Minderheit an Arbeitgebern, die die Rückkehr in die Büros vorantreibt. 60 Prozent von ihnen glauben nicht, dass die Frage „Homeoffice oder Büro?“ im Sinne der Produktivität einen Unterschied macht. Die entscheidende Frage ist also nicht ob, sondern wie Unternehmen künftig das Arbeiten von zu Hause in ihre Unternehmenskultur integrieren.

(ID:49754364)

Wissen, was läuft

Täglich die wichtigsten Infos aus dem ITK-Markt

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung