Europäische Infrastruktur für Künstliche Intelligenz (KI) KI-Fabriken und Deutschlands Rolle in Europas KI-Strategie

Von Paula Breukel 2 min Lesedauer

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Nach den jüngsten EU-Entscheidungen bleibt Deutschland vorerst ohne neue Förderung für eine AI Factory. Doch die Lage ist komplexer, als es Schlagzeilen vermuten lassen und der nächste Wettbewerb steht bereits bevor.

KI-Fabriken bilden die erste Ausbaustufe der europäischen KI-Infrastruktur; sie bündeln Supercomputing und Datenressourcen für Forschung und Industrie. Die geplanten KI-Gigafactories sollen diese Strukturen ab 2028 mit deutlich höherer Rechenleistung ergänzen.(Bild:  Midjourney / Paula Breukel / KI-generiert)
KI-Fabriken bilden die erste Ausbaustufe der europäischen KI-Infrastruktur; sie bündeln Supercomputing und Datenressourcen für Forschung und Industrie. Die geplanten KI-Gigafactories sollen diese Strukturen ab 2028 mit deutlich höherer Rechenleistung ergänzen.
(Bild: Midjourney / Paula Breukel / KI-generiert)

Die Europäische Union verfolgt mit ihrer Infrastrukturstrategie zwei sich ergänzende Förderlinien: so genannte KI-Fabriken und die künftig geplanten KI-Gigafactories.

KI-Fabriken sind Rechenzentren mit bis zu 25.000 spezialisierten Prozessoren, die für die Entwicklung und Anwendung von Künstlicher Intelligenz (KI) optimiert sind. Sie integrieren Supercomputing, Datenressourcen und Schulungseinrichtungen und sollen Forschung und Industrie einen einheitlichen Zugang zu Hochleistungsrechnern ermöglichen.

KI-Gigafactories hingegen zielen auf eine neue Leistungsdimension. Sie werden mit mehr als 100.000 KI-Prozessoren ausgestattet und sollen künftig Modelle mit Hunderten Billionen Parametern trainieren. Diese Projekte bilden die nächste Ausbaustufe der europäischen KI-Infrastruktur.

Aktueller Stand: Sechs neue KI-Fabriken, keine davon in Deutschland

Im Oktober 2025 hat die Europäische Kommission sechs weitere KI-Fabriken angekündigt. Die Standorte liegen in Tschechien, Polen, Rumänien, Litauen, Spanien und den Niederlanden. Deutschland ging in dieser Förderrunde leer aus.

Diese Entscheidung betrifft jedoch ausschließlich die bestehende Förderlinie der KI-Fabriken. Die Bewerbungsphase für die KI-Gigafactories, die deutlich größeren Anlagen, beginnt erst im vierten Quartal 2025. Erst dann wird entschieden, welche Mitgliedstaaten eine dieser Großanlagen erhalten.

Deutschlands bisherige Erfolge in der KI-Infrastruktur

Deutschland bleibt ein zentraler Standort innerhalb der europäischen KI-Offensive. Bereits 2025 wurden zwei der ersten sieben KI-Fabriken in Deutschland realisiert:

  • „JAIF“: JUPITER Artificial Intelligence Factory am Forschungszentrum Jülich, angesiedelt beim Supercomputer „Jupiter“,
  • „Hammer HAI“ in Stuttgart, koordiniert vom Höchstleistungsrechenzentrum Stuttgart (HLRS).
  • Beide Projekte sind Teil des europäischen Supercomputing-Netzwerks „EuroHPC“ und dienen als nationale Kompetenzzentren für Forschung, Industrie und Start-ups.

Wettbewerb um die Gigafactories beginnt

Für die neue Förderlinie der KI-Gigafactories erwartet die Europäische Kommission Bewerbungen aus rund 20 Mitgliedstaaten. Geplant sind fünf Großanlagen mit Rechenleistungen von mehreren ExaFlops und über 100.000 KI-Chips pro Standort.

Als potenzielle Bewerber aus Deutschland gelten Ionos, Schwarz Digits, Deutsche Telekom, das bayerische Konsortium „Blue Swan“, das Berliner Start-up Lyceum sowie der Branchenverband „Silicon Saxony“. Eine formale Ausschreibung ist für Ende 2025 vorgesehen.

Herausforderungen für den Standort Deutschland

Im internationalen Vergleich bleiben die Rahmenbedingungen anspruchsvoll. Hohe Energiepreise, begrenzte Stromkapazitäten in Ballungsräumen wie Frankfurt am Main und langwierige Genehmigungsverfahren erschweren den schnellen Ausbau. Branchenvertreter fordern daher, Bürokratiekosten zu senken und Planungsverfahren zu beschleunigen, um den Anschluss an internationale Investitionsdynamiken zu halten.

Deutschland hat zwar keine neue AI Factory erhalten, verfügt aber mit „JAIF“ und „Hammer HAI“ bereits über zwei der leistungsstärksten KI-Standorte Europas. Die anstehende Ausschreibung der KI-Gigafactories eröffnet nun die Chance, diese Position auszubauen. Vorausgesetzt, Energieinfrastruktur und Investitionsbedingungen werden wettbewerbsfähig gestaltet.

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