Gespräche mit Investoren laufen GS Datentechnik ist insolvent, Geschäft geht weiter

Redakteur: Regina Böckle

Der Garchinger Remarketing-Spezialist GS Datentechnik (GSD) hat beim Münchner Amtsgericht Insolvenz-Antrag gestellt. Rechtsanwalt Christian Gerloff wurde zum vorläufigen Insolvenzverwalter berufen. GSD-Chef Ralf Schweitzer sieht aber gute Chancen, das Unternehmen weiter zu führen.

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Unternehmensnahe Kreise reagierten überrascht auf die Nachricht, die GS Datentechnik habe beim Amtsgericht München Insolvenz angemeldet (Aktenzeichen 1501 IN 2013/02). Denn der Vermarkter gebrauchter IT- und TK-Systeme sowie Projektoren und Flachbild-TVs, gilt in der Branche nicht nur als seriös, sondern Gründer und Geschäftsführer Gerry Schweitzer wurde Ende vergangenen Jahres sogar vom Prüfungs- und Beratungsunternehmen Ernst & Young zum »Enterpreneur des Jahres 2006« gekürt. Im selben Jahr war GS Datentechnik auch in ein neues Logistikzentrum nach Garching umgezogen, um einerseits das wachsende Umsatzvolumen abwickeln zu können und andererseits einen zusätzlichen Hochsicherheits-Trakt für die Wiederaufbereitung äußerst sensibler Ware einzurichten.

»Wir versuchen jetzt, den Geschäftsbetrieb zu stabilisieren, zu restrukturieren und fortzuführen«, erklärte der vorläufige Insolvenzverwalter Christian Gerloff gegenüber IT-BUSINESS. Zu den Ursachen wollte er zum jetzigen Zeitpunkt nicht Stellung nehmen. »Dazu ist es noch viel zu früh, da haben sicherlich mehrere Faktoren eine Rolle gespielt«, sagte er, »unser Blick richtet sich jetzt erst einmal nach vorne, um alles zu tun, um den Geschäftsverlauf zu stabilisieren«.

Gerloff will Geschäftsbetrieb stabilisieren

Bereits Anfang des Jahres begann sich abzuzeichnen, dass Lager und Logistik am Standort Garching mit rund 15.000 Quadratmetern und 7.000 Palettenstellplätzen überdimensioniert waren. Das dürfte wohl auch der Kern des Problems sein. Der Personalbestand wurde halbiert auf derzeit 45 Mitarbeiter. Mit weiteren Entlassungen sei nicht zu rechnen, so Schweitzer.

Offenbar war für die Größe des Mietobjekts nicht genug Ware für GSD verfügbar. Und vermutlich stieß gleichzeitig das Prinzip, das Wachstum wie bislang aus eigener Tasche zu finanzieren, an seine Grenzen. Der vorläufige Insolvenzverwalter und die GSD-Geschäftsführung arbeiten unter Hochdruck an einer Lösung für das seit dem Start 1992 privat geführte Unternehmen.

»Wir sind schon seit einiger Zeit in Gesprächen mit Investoren und gehen davon aus, dass wir hier innerhalb der nächsten sechs Wochen zu konkreten Ergebnissen kommen«, erklärt GSD-Chef Ralf Schweitzer gegenüber IT-BUSINESS. Rechtsanwalt Gerloff war hier weniger konkret: »Als vorläufiger Insolvenzverwalter kann ich nur Brücken bauen. Im Nebel sind momentan ein paar Leuchttürme auszumachen, die entsprechende Signale senden«, so seine Formulierung.

Auf kleinerer Flamme weitermachen

»Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir den Geschäftsbetrieb weiterführen können, wenn auch auf verkleinerter Fläche«, fügt Schweitzer hinzu. Das Geschäftskonzept stimme, und Umsatz- und Ertragszahlen seien auch aus Sicht des Insolvenzverwalters bis dato in Ordnung gewesen. »Kein Kunde muss fürchten, keine Ware mehr zu erhalten oder bei RMA oder Gewährleistung Probleme zu bekommen«, verspricht der GSD-Chef.

Sämtliche Prozesse bei GSD sind ISO-zertifiziert, die Technologie, die zur Datenlöschung verwendet wird, entspricht den Sicherheitsstandards des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und der britischen nationalen Behörde für Informationssicherheit (CESG).

Im vergangenen Jahr beschäftigte GS Datentechnik rund 90 Mitarbeiter, die 2.000 regelmäßig kaufende Fachhandelspartner bedienten. Insgesamt belieferte das Unternehmen etwa 8.000 Partner.

Remarketing bleibt hartes Geschäft

Die Geschäfte mit gebrauchter Ware haben sich zwar für Fachhändler wie Distributoren als äußerst margenstark erwiesen. Doch mit dem Nadelöhr Nachschub hatte bislang noch jedes Unternehmen zu kämpfen, das sich auf dieses Geschäft konzentrierte.

So war Distributor COS im Jahr 2002 sehr hoffnungsvoll in die Wiedervermarktung von IT-Geräten eingestiegen, musste aber für dieses Segment bereits zwei Jahre später die Segel streichen. Schon damals schien die Beschaffung gebrauchter Güter das zentrale Problem zu sein. »Das Angebot an gut vermarktbaren Gebrauchtgeräten ist unverändert knapp. In Anbetracht dieser Marktsiutation haben wir unsere strategische Ausrichtung hinterfragt«, begründete COS-Holding-Chef Kurt Früh damals den Ausstieg.

Ein weiterer Vermarkter gebrauchter Geräte, die Ergotrade AG, ist nach wie vor im Geschäft. Sie entstand Mitte 2004 aus der Fusion der Ergotrade Solutions GmbH mit der Compubizz AG – einem der Pioniere auf diesem Gebiet. Im Online-Shop von Ergotrade können Fachhändler zudem Informationen zu verfügbaren Produkten und tagesaktuellen Wiederverkäufer-Preisen mit Preis-Staffeln abrufen.

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