Weimer will Internetkonzerne mit Abgabe zur Kasse bitten Die Digitalsteuer soll kommen

Quelle: dpa 2 min Lesedauer

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Kulturstaatsminister Wolfram Weimer plant eine Digitalabgabe, die große Internetkonzerne wie Google und Meta treffen würde. Eine entsprechende Gesetzesvorlage werde vorbereitet.

Der Kulturstaatsminister Wolfram Weimer wirft den großen Internetkonzernen Steuervermeidung vor. Die Medienvielfalt sei in Gefahr. Nun sollen konkrete Schritte folgen.(Bild:  BKM / Kay Herschelmann)
Der Kulturstaatsminister Wolfram Weimer wirft den großen Internetkonzernen Steuervermeidung vor. Die Medienvielfalt sei in Gefahr. Nun sollen konkrete Schritte folgen.
(Bild: BKM / Kay Herschelmann)

Weimer sagte in einem „Stern“-Interview. „Es geht nicht nur um Google-Ads. Es geht generell um Plattform-Betreiber mit Milliardenumsätzen. Wir halten einen Abgabesatz von 10 Prozent für moderat und legitim.“

Vorbild ist demnach Österreich. Im Nachbarland sind große Online-Plattformen seit 2020 verpflichtet, fünf Prozent der Einkünfte aus der Werbevermarktung abzuführen. Weimer sprach von einem „Plattform-Soli“. Gelten könnte er für Plattformen, die Medieninhalte nutzen. Damit seien nicht nur journalistische Produkte gemeint, sondern auch kulturelle, sagte Weimer. Details zu den Plänen, etwa zur Höhe der möglichen Einnahmen und Verwendung des Geldes, nannte er nicht.

„Gewaltige Marge sinkt“

Endkunden sollen nicht zur Kasse gebeten werden. Die Erfahrungen aus Österreich zeigten, dass eine solche Abgabe für sie keine relevante Preisveränderung mit sich gebracht habe, meinte der Beauftragte für Kultur und Medien. „Es hat aber dazu geführt, dass die Konzerne endlich einen kleinen Steuerbeitrag für die Gesellschaft leisten, also ihre gewaltige Marge etwas sinkt. Zugleich öffnet das den Wettbewerb.“

Weimer bezog sich auf einen Arbeitsauftrag im Koalitionsvertrag von Union und SPD. Dort heißt es unter der Überschrift „Medienvielfalt stärken – Meinungsfreiheit sichern“: „Wir prüfen die Einführung einer Abgabe für Online-Plattformen, die Medieninhalte nutzen. Die Erlöse sollen dem Medienstandort zugutekommen.“ Im angespannten transatlantischen Verhältnis und mitten im Zollstreit mit den USA könnte dies zu weiteren Konflikten führen.

Gespräch mit Plattformbetreibern

Weimer sagte: „Es muss sich jetzt etwas ändern. Deutschland macht sich inzwischen in bedenklicher Weise abhängig von der technologischen Infrastruktur der Amerikaner.“ Bisher betrieben die großen Plattformen „geschickte Steuervermeidung“. Das sei unsolidarisch und führe zu Konflikten mit nationalen und europäischen Behörden. Es gebe inzwischen monopolähnliche Strukturen. Die Medienvielfalt werde gefährdet.

Den weiteren Ablauf beschrieb Weimer so: „Wir arbeiten eine Gesetzesvorlage aus, wie der Koalitionsvertrag das fordert. Dies wird nun mit den Stakeholdern besprochen, vor allem aber im Parlament geprüft. Zugleich suche ich das Gespräch mit den Plattformbetreibern auf Spitzenebene, um Alternativlösungen zu sondieren.“

Nach Vorgesprächen in der Koalition habe er den Eindruck, dass es zwischen Union, SPD und Grünen eine große Einigkeit geben könnte. „Wir sollten Google und Co. endlich fordern“, sagte Weimer.

Digitalministerium zu möglicher Abgabe

Das Bundesdigitalministerium will die Pläne des Medienstaatsministers einer Digitalabgabe für Internetplattformen wie Google „konstruktiv“ begleiten. Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) sprach das Thema in einer Rede auf dem Digitalkongress „beBeta“ des Bundesverbands Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) in Berlin zwar nicht an und wollte auch auf dpa-Nachfrage die Idee nicht kommentieren.

Eine Ministeriumssprecherin teilte im Anschluss aber mit: „Wir werden den Vorschlag für eine Digitalabgabe konstruktiv begleiten. Der Vorschlag befindet sich in einem sehr frühen Stadium.“ Bei der Prüfung einer solchen Abgabe sei entscheidend, dass sie „zielgerichtet ausgestaltet wird, sie international abgestimmt und mit EU-Recht vereinbar ist, mögliche Einnahmen dem Innovationsstandort Deutschland zugutekommen und am Ende keine höheren Preise für die Endkundinnen und Endkunden entstehen“.

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