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Gemisches Feedback der Messe-Aussteller

Wunsch und Wirklichkeit: Die Cebit 2018

| Autor: Wilfried Platten

Nein, auf der Cebit 2018 drehte sich nicht alles ums Business.
Nein, auf der Cebit 2018 drehte sich nicht alles ums Business. (Bild: Oliver Schonschek)

Das war es, das „neue, hippe Business-Festival“ Cebit im Juni 2018. Und selten lagen der hypereuphemistische Jubel des Veranstalters und das eher ernüchterte Feedback der Aussteller weiter auseinander.

Es geht um Wunsch und Wirklichkeit, süßen Wein und bittere Wermutstropfen. Das offizielle Statement der Messe AG: „Mit ihrem neuen Konzept hat die neue CEBIT bei ihrer Premiere Aussteller und Besucher überzeugt“, steht als Behauptung im Raum, mehr nicht. Die nackten Zahlen dagegen sind ernüchternd. Erst ganz am Ende des sechsten (!) Absatzes des offiziellen Abschlussberichts kommt sie auf den neuralgischen Punkt: „Auf das Messegelände kamen 120.000 Menschen.“ Und das zur „neuen, frischen Cebit“. Zur Erinnerung: Die alte, welke Cebit hatte im Jahr ihres Abgesangs 200.000 Besucher. Die Cebit-Flucht ist also nochmals größer geworden. Das soll ein Erfolg sein?

Da nutzen auch die Zahlen der Online-Nutzer über Streaming und Social Media nichts. Denn nach wie vor wird die Rendite der zahlenden Aussteller in Standbesuchen und Leadbögen gemessen. Zumindest bei denen, die Wert auf einen Return on invest legen. Und das ist die überwältigende Mehrheit. Kein positives Wort dazu im Messe-Statement von der so eminent wichtigen Quadriga der großen Aussteller: Huawei, IBM, SAP und Salesforce. Da will sich offenbar niemand aus dem Fenster lehnen. Aber wehe, wenn auch nur einer die Reißleine zieht. Was dann?

Business und/oder Festival

Die wichtigste Änderung war die Evolution von der B2B-Messe zum Business-Festival. Und gerade hier, in der Verbindung von Business und Festival waren die häufigsten Klagen zu hören. Denn beide standen und stehen unvermittelt nebeneinander. Campus und Party gut und schön, aber wo bleibt die Verbindung zum zahlenden Aussteller? Warum soll ich die Investitionen in die Cebit-Präsenz stemmen, wenn von der halbierten Besuchermasse viele lieber ins IBM-Bällebad eintauchen oder dem Delay-Soundcheck zuhören, statt mich auf dem Stand zu besuchen. Diese Frage stellten viele Aussteller nicht nur in der „Channel-Halle“ 13. Schon im Vorfeld war die Messe die Antwort darauf schuldig geblieben.

Kritisch wurde auch die kommunikative Überpräsenz der Festival-Charakters im Vorfeld der Messe angemerkt. Bei jedem neuen Show-Act wurden Jubel-Meldungen verschickt, von wirklichen Business-Themen und -Inhalten war bis kurz vor Messestart dagegen kaum die Rede. Das hätten sich viele Aussteller anders gewünscht. „Ich glaube da muss noch eine bessere Balance gefunden werden zwischen Business-Event und Festival“, erklärt dazu auch der Bundesverband der IT-Anwender. Aber kein Wort davon im offiziellen Messe-Statement.

Selbstbeweihräucherung und mangelnde Selbstkritik sind nicht die besten Voraussetzungen, um Deutschland eine der wenigen weltweit führenden Technologiemessen zu erhalten. Und das wollen wir ja doch alle, oder? Aber wenn man Ankündigungen und Abschlussbericht gegeneinander hält, bekommt der Begriff „selbsterfüllende Prophezeiung“ neue Nahrung. Wie glaubwürdig das ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Ob das aber ein tragfähiges Konzept für eine wirklich und tatsächlich erfolgreiche Cebit der Zukunft ist, das entscheiden die Aussteller, respektive Aussteiger.

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