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Enterprise Mobility Summit

Wird der Hausarzt zum Auslaufmodell?

| Autor / Redakteur: Manfred Klein / Sarah Nollau

Axel Ernst vom Baseler Universitätsspital
Axel Ernst vom Baseler Universitätsspital (Bild: Universitätsspital Basel)

Mobile Anwendungen fassen im Gesundheitswesen Fuß und verändern das Patienten-Arzt-Verhältnis. Diskutiert werden die Veränderungen und die damit verbundenen Herausforderungen auf dem Enterprise Mobility Summit der Vogel IT-Akademie. Das Interview führte unsere Schwesterpublikation eGovernment Computing.

eGov: Wie werden mobile Anwendungen den Gesundheitsmarkt verändern?

Ernst: Es zeichnet sich ab, dass eine Globalisierung auch des Gesundheitsmarktes stattfinden wird. Dr. Google ist da nur der Vorläufer. Der Markt wird sich wesentlich stärker als bisher an den Verbrauchern orientieren, welche auf dem Gesundheitsmarkt global ihre Leistungen einkaufen. Das Tante-Emma-Laden-Projekt „Hausarzt“ wird – durch die fehlende Bindung – zum Auslaufmodell werden. Mit den mobilen Anwendungen werden neue Möglichkeiten entstehen, welche die Verbraucher in ihrem Bestreben nach einer gesünderen Lebensverlängerung nutzen werden. Daraus wird mehr Verantwortung für den Einzelnen entstehen. Messbare Erfolge – zum Beispiel über Apps – können Ansporn sein, das Ziel eines gesunden Alterns aktiv anzugehen. Wir sehen dies bereits in der Interaktion mit Ernährungsberatungen und Konsumenten, das Feedback, habe ich mich richtig ernährt, mich genügend bewegt, erfolgt sofort und kann in den Therapieverlauf aktiv integriert werden.

eGov: Welche innovativen Anwendungen werden derzeit am Universitätsspital von Basel entwickelt?

Ernst: Neben den beschriebenen Tools der Ernährungsberatung entwickeln wir eine Modellstation „Patientenzimmer 2020“, wo wir mithilfe von intelligenten Sensoren sowohl Vitaldaten als auch Bewegung und Gewichtsverlauf bereits im stationären Setting betrachten. Unter Einbezug des Patienten ist es daher möglich, bereits während des stationären Aufenthalts anhand von verifizierten Algorithmen individuelle Verläufe zu besprechen und notwendige personifizierte Anpassungen vorzunehmen. Dabei steht der Patient im Zentrum, und der behandelnde Arzt dient als Gesundheitscoach.

eGov: Wo sehen Sie bei der elektronischen Patientenakte beziehungsweise dem elektronischen Patientendossier die größten Probleme im Hinblick auf den Datenschutz?

Ernst: Es muss von den staatlichen Institutionen, aber auch von den Kliniken, sichergestellt werden, dass die Daten nur zum Zwecke der Rehabilitation und Forschung verwandt werden. Dazu muss ein direkter Kontakt von Sensor (Wearable) zur Institution hergestellt werden. Alle (verfälschenden) Aufbereitungen der Daten durch Drittanbieter, sollten dabei vermieden werden. Im übrigen sind wir hier an der Uniklinik sehr skeptisch gegenüber sogenannten Clouds von Herstellern wie Apple, Widdings, IBM, Google und anderen. Das Hosting muss zwingend in der Schweiz stattfinden. Des Weiteren sehe ich beim Patientendossier derzeit noch eine fehlende Akzeptanz durch den Verbraucher.

eGov: Welche Möglichkeiten ergeben während und nach dem Krankenhausaufenthalt in Bezug auf den Einsatz von Wearables?

Ernst: Nach dem Klinikaufenthalt kann zum Beispiel durch die Blockchain-Technologie (BCT) eine Aufrechterhaltung des Kontakts zwischen Krankenhaus und dem Patienten gewährleistet werden. Ein Zertifikat ermöglicht das Auffinden und die Kommunikation auch über den Spitalaufenthalt hinaus, soweit dies im Interesse des Patienten ist. Der Transfer der Daten findet durch die BCT auf sicherem Wege statt.

eGov: Welches sind im Moment die größten Herausforderungen bei Enterprise Mobility?

Ernst: Es sind vor allem strukturelle Herausforderungen. Ein Spital ist kein Pharma-Unternehmen, welches es sich leisten kann, auf der grünen Wiese ein Innovation Center oder iHubs zur Verfügung zu stellen. Der Wandel im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie (ICT) muss in den Spitälern stattfinden. Bimodulare Strukturen müssen eine größtmögliche Umgestaltung bestehender Analogprozesse hin zu agilen Digitalisierungsstrukturen ermöglichen. Dabei wird von dem bestehendem Team der ICT viel Transferleistung verlangt.

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