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Multiplattformstrategie und Hologramme

Windows aus Trendforschersicht

| Autor / Redakteur: Dr. Stefan Riedl / Dr. Stefan Riedl

Lässt sich Hologrammtechnologie mit Windows betreiben?
Lässt sich Hologrammtechnologie mit Windows betreiben? (Bild: © Syda Productions - Fotolia)

Der Unternehmensberater in Sachen Trendadaption, Martin Marx, wirft einen Blick auf Windows 10 durch die Trendforscher­brille und spricht unter anderem über Hologramme.

ITB: Windows 10 wird für die meisten Windows-Nutzer kostenlos erhältlich sein. Was ist das denn für ein Geschäftsmodell für ein Unternehmen, Dinge zu verschenken?

Martin Marx, Geschäftsführer bei Elbgefährten - Gesellschaft für Trendadaption und Consulting
Martin Marx, Geschäftsführer bei Elbgefährten - Gesellschaft für Trendadaption und Consulting (Bild: Elbgefährten)

Marx: Ja, das klingt tatsächlich im ersten Moment merkwürdig. Und es hat ja auch die Microsoft Partner anfangs sehr stutzig gemacht. Sie vermuteten künftige Einbußen im Geschäft mit dem OS. Gefühlt gibt es Fremium-Servicemodelle ja schon lange. „Probiere, und beim Wunsch nach mehr kannst Du kaufen“. Aber hier geht es weniger um Fremium, sondern um wesentlich mehr: Microsoft hat seinen Aufstieg neben MS-DOS vor allem Windows zu verdanken, wie alle wissen. Und der Megatrend Cloud Computing stellte Microsoft hier unter anderem vor die unausweichliche Frage: Wie verdienen wir weiterhin Geld mit Windows, wenn wir uns den Wettbewerb anschauen? Und der Wettbewerb sind nicht ausschließlich „Betriebssystemhersteller“. Also tendierten die Redmonder unter neuem CEO zu zwei Prioritäten, nämlich mobile-first, cloud-first. Künftig will man mehr und mehr auf Versionierung verzichten, so wie jetzt schon bei Office 365, und keine großen Launches veranstalten. Denn die Produkte mit Servicegedanken sind immer „neu“. Deswegen gehe ich auch davon aus, dass Unternehmen und Privatpersonen künftig entscheiden können, wie sehr ihr Windows ein Service sein soll und dafür dann auch gern bezahlen beziehungsweise es im ersten Jahr kostenlos nutzen können.

ITB: Teil der Multiplattformstrategie von Windows 10 ist Microsoft OneDrive, ein Online-Speicherdienst, auf den über Webbrowser zugegriffen wird. Für Windows 10 sollte es eine neue Version geben, die auch im Apple- und Android-Universum funktioniert. Nun zeichnet sich ab, dass es hier zu Verzögerungen kommt. Was steckt dahinter?

Marx: Ähnlich wie schon bei vielen anderen Ankündigungen sind Verzögerungen hier eher positiv zu bewerten. Denn heutzutage gibt es nur diesen einen Schuss, und der muss sitzen. Ich könnte mir vorstellen, dass es mit dem grundsätzlichen Ansatz zu tun hat, bald alle Applikationen für Apple und Android den Windows-Nutzern zur Verfügung zu stellen. Und wenn Microsoft hier zurückgeht, um Anlauf zu nehmen, soll es für Anwender kein Schaden sein.

ITB: Sie beraten Unternehmen in Sachen Trendadaption. Wie beurteilen Sie Windows 10 aus dieser Sicht?

Marx: Der Begriff Trend ist zwar nicht eindeutig definiert, dennoch geht es immer um Strömungen, die aus der Gesellschaft kommen und Veränderungen auslösen.

Wenn ich mit Unternehmen über Adaption von Trends spreche, muss ich teilweise ganz vorn anfangen, denn Trends können so gewaltig sein – nicht umsonst sprechen Gartner und die Branche von Megatrends – dass sich Business-Modelle komplett ändern (müssen).

Die kritischste Frage ist dann: „Müssen wir jeden Trend mitmachen?“ Ich verstehe solche Fragen. Denn dahinter versteckt sich immer auch eine Angst. Angst vor Veränderungen. Selbst wenn sie positiv sein können. Und schaue ich auf Windows 10, sehe ich viele Trends umgesetzt, die in erster Linie Microsoft weiterhin wettbewerbsfähig sein lassen. Security? Ja. Cloud? Natürlich. Mobility? Und ob. Doch je nach Unternehmenszweck wird der Einsatz von Windows 10 eben nicht immer überlebensnotwendig sein.

Nur sollte man wissen, dass Windows mehr als ein Betriebssystem ist. Es ist eine Plattform. Und Plattformen sind letztlich nichts anderes als „standardisierte Schnittstellen.“ Und ohne Berücksichtigung dieser Tatsache könnte eine halbherzige oder abgelehnte Adaption schwerwiegende Folgen haben.

ITB: Ist es richtig, dass das Thema „Hologramm“ bei Windows 10 eine Rolle spielt? Stichwort „Datenbrille Hololens“...

Marx: Windows 10 wird die Basis sein, und ­Microsoft möchte gerne alle Applikationen künftig Hologramm-fähig sehen. Das bedeutet, dass wir beispielsweise bald im Park auf einer Bank sitzen und unsere ­Powerpoint-Präsentation zwischen zwei Birken abstellen, um sie anzuschauen.

Wir haben ja bei Windows 10 schon die Möglichkeit, mehrere Desktops auszuwählen. Und wenn man das mal weiterdenkt, werden wir diese Desktops mit den laufenden Applikationen sichtbar machen können. Das geht entweder nur über mehrere Bildschirme oder eben Hologramme.

Doch dazu braucht es vorerst noch Hardware wie die so genannten Hololens, die kürzlich von Microsoft vorgestellt und auf der Build-Konferenz einem größeren Publikum zugänglich gemacht wurde. Solche Technologien machen uns wesentlich flexibler.

Das können sich die meisten jetzt noch nicht vorstellen. Aber als Techno-Optimist sehe ich hier eine enorme Effizienz in allen Bereichen. Und vor allem mehr Freude beim Tun.

ITB: Nach dem etablierten Internet kommt jetzt das Internet der Dinge. Wie passt Windows 10 in diese Zeit?

Marx: Wenn ich heute in eine Buchhandlung gehe und mir die Auslagen der „EDV-Abteilung“ anschaue, dann liegen dort Bücher über Sensoren und wie man sie befähigen kann. Das allein zeigt mir, dass schon fast vorausgesetzt wird, dass eine Integration und Anwendung mit einem Microsoft-Betriebssystem technisch möglich sein wird. Und hier haben die Entwickler natürlich dem eigenen Claim „Internet of your things“ Folge geleistet.

Wenn eine Windows 10 Edition als „Windows IoT“ schon als sicher gilt, und die Multiplattformstrategie durchdacht ist, wovon man mehr als ausgehen kann, passt Windows 10 wohl sehr gut in diese Zeit.

Denkt man das mal weiter, geht es schlicht um eine Art „Betriebssystem des Lebens“. Ob das die Hersteller wie Microsoft allein durchziehen oder sich zusammenschließen, zu so genannten Frenemies mit anderen Herstellern, bleibt abzuwarten. Wichtig ist nur, dass Unternehmen und Privatanwender selbstbestimmt bleiben können. Doch das ist ja Microsofts (neues) Ethos.

Lesen Sie auf der nächsten Seite einen Gastkommentar von „Dr. Windows“.

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