Microsoft-Pläne für 2017 Windows 10 mit günstigen VR-Brillen und auf ARM

Autor: Klaus Länger

Das kommende Jahr soll 300-US-Dollar-VR-Brillen für Windows 10 bringen und virtuelle Räume als neue Benutzeroberfläche. Zudem plant Microsoft mit Intel eine neue Computer-Generation und bringt ein ARM-Windows mit x86-Emulation für „Cellular PCs“.

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Mixed Reality mit bezahlbaren VR-Brillen und Windows 10 mit x86-Emulation auf ARM: Auf diese Entwicklungen bereitet Microsoft die Hardware-Firmen für 2017 vor.
Mixed Reality mit bezahlbaren VR-Brillen und Windows 10 mit x86-Emulation auf ARM: Auf diese Entwicklungen bereitet Microsoft die Hardware-Firmen für 2017 vor.
(Bild: Microsoft)

Microsoft stimmt die Hardware-Entwickler bereits jetzt auf die Neuerungen ein, die Windows 10 im kommenden Jahr bringen soll. Die erste ist das Creators Update im Frühjahr, bei dem 3D ein großes Thema ist. Einerseits mit der Möglichkeit mit Paint 3D selbst 3D-Objekte zu gestalten, anderseits mit den VR-Brillen, mit denen man Windows in einer virtuellen Umgebung nutzen kann, die Microsoft als „Mixed Reality” bezeichnet. Allerdings wird mit den günstigen Brillen von Microsoft-Partnern wie Acer, Asus, Dell oder Lenovo wohl nicht die Integration von realer und virtueller Welt möglich sein, die mit der 3.000 Euro teuren Hololense von Microsoft erreicht wird.

Aber die kommenden 300-Euro-Brillen, Microsoft bezeichnet sie als „Head Mounted Displays” (HMD) sollen auch ohne externe Sensoren die Lage im realem Raum und dessen Begrenzungen erkennen können. In Kombination mit einer verbesserten Sprachsteuerung und einer schlaueren Cortana soll es so möglich sein, Windows-Apps, 3D-Objekte, Web-VR-Inhalte und 360-Grad-Videos in einer Art virtuellem Wohnraum zu nutzen.

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Auf der Game Developers Coference im Februar 2017 in San Francisco plant Microsoft die Veröffentlichung eines Developer-Kits für HMDs, für die Anpassung von Spielen an die Brillen.

Intel Projekt Evo

Gemeinsam mit Intel will Microsoft das Projekt Evo starten, die nächste Evolutionsstufe der x86-Rechner. Zu den versprochenen Fortschritten gehören 4K- und HDR-Gaming mit der integrierten Grafikeinheit kommender Core-Prozessoren, verbesserte Biometrie-Funktionen für Window Hello, die erwähnten Mixed-Reality-Anwendungen und eine deutlich verbesserte Spracherkennung auch aus der Entfernung für Cortana. Die dürfte wohl auch für den Home Hub notwendig sein, mit dem Microsoft einen Windows-Rechner zu einer Art Smart-Home-Zentrale machen will, die Standalone-Geräte wie Amazons Echo oder Googles Home überflüssig machen soll.

Windows 10 auf ARM-Prozessoren

Das Projekt Evo soll aber wohl auch deutlich machen, dass die Wintel-Allianz weiter funktioniert. Denn 2017 will Microsoft einen weiteren Anlauf mit Windows 10 auf ARM-Prozessoren wagen. Nachdem man Windows RT stillschweigend beerdigt hat und die Nische für Windows Mobile auf Smartphones immer enger wird, soll ein vollwertiges Windows 10 mit x86-Emulation auf ARM-Prozessoren das Blatt wenden.

Ein Video auf der Entwicklerkonferenz WinHEC zeigt ein ganz normales Desktop-Windows-10, das allerdings für ARM-Prozessoren kompiliert wurde und auf einem Qualcomm Snapdragon 820 läuft. Microsoft arbeitete mit dem ARM-SoC-Hersteller schon für die Lumia-Smartphones eng zusammen. Das Besondere an der Demo war, dass auch „normale“ Windows-Programme für x86-Prozessoren in einem Emulationsmodus laufen. Zwar gibt es eine Beschränkung auf 32-Bit-Software und sicherlich auch bei der Performance, aber die Programme sollen sich wie gewohnt installieren und nutzen lassen.

Neustart für das Windows-Phone

Für herkömmliche PCs, Notebooks und wohl auch Tablets ist das ARM-Windows sicher nicht bestimmt, dafür sind ARM-SoCs im Vergleich zu Core-Prozessoren schlicht zu langsam. Selbst ein auf niedrigen Stromverbrauch und lüfterlosen Betrieb getrimmter Core m3 von Intel ist mit seinen zwei Cores und Hyperthreading etwa 40 Prozent schneller als der 8-Kerner Snapdragon 820, einer der schnellsten Qualcomm-Prozessoren. Auch kommende Snapdragons wie der 830 dürften immer noch langsamer sein. Und für günstige Tablets hat Intel mit dem Atom den passenden Prozessor im Angebot, die schneller sein dürften, als die x86-Emulation auf AMR-SoCs mit vergleichbarem Preis.

Das Ziel für das kommende ARM-Windows sind Geräte, die Microsoft als „Cellular PCs“ bezeichnet. Was das ist, verrät Microsoft noch nicht. Aber es dürften wohl eher Geräte von der Größe eines Smartphones oder Phablets sein, die mit der Windows-Mobile-Oberfläche auf dem eigenen Screen auch deren Aufgabe erfüllen. Allerdings können sie auch über eine Stift-Unterstützung verfügen. In einer Docking-Station oder verbunden mit einem Mobile-Dock, einer Art Notebook ohne eigenen Prozessor, werden sie dann zu einem ganz normalen Windows-Rechner mit der gewohnten Desktop-Oberfläche. Ein herkömmlicher Rechner wird daher für etliche Nutzer schlicht überflüssig. Gerade für Firmen ist das interessant. Alle Daten sind auf einem Gerät, das zentral verwaltet werden kann. Und Desktop- oder Mobile-Dock können sich mehrere Mitarbeiter teilen.

Einen Vorgeschmack auf dieses Nutzungsmodell gibt schon heute der Continuum-Modus bei Smartphones wie dem HP Elite x3, dem Acer Liquid Jade Primo oder den 950er-Lumias von Microsoft. Hier können allerdings nur Universal-Apps auf dem großen Screen genutzt werden.

Diese Apps werden aber auch auf den wohl Ende 2017 erscheinenden Geräten die primären Anwendungen sein, schließlich kommen sie ohne an der Leistung zehrende Emulation aus. Die ist wohl eher für so genannte Legacy-Apps gedacht, also ältere Anwendungen, ohne die ein Unternehmen nicht auskommt.

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