Das ist neu bei der kommenden Windows-Version Windows 10: Eines für alle

Redakteur: Klaus Länger

Microsoft will es mit Windows 10 allen recht machen: Es soll auf Desktop-PCs genauso gut bedienbar sein, wie auf Tablets oder 2-in-1-Geräten. Und man nimmt das Feedback der Kunden ernst.

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Windows 10 kommt in verschiedenen Varianten: Unter anderem für PCs und auch für Smartphones. Für beide sind nun Preview-Versionen verfügbar.
Windows 10 kommt in verschiedenen Varianten: Unter anderem für PCs und auch für Smartphones. Für beide sind nun Preview-Versionen verfügbar.
(Bild: Microsoft)

Das Startmenü ist zurück. Das dürfte für viele Windows-Anwender wohl die wichtigste Neuerung bei Windows 10 sein. Denn Windows 8 war mit seinem Startscreen im Kachel-Design und der Steuerung über Wischgesten primär für Rechner mit Touchscreen gedacht. Der traditionelle Windows-Desktop existierte nur noch als eine App unter vielen. Bei Windows 10 hat Microsoft allerdings nicht einfach das alte Windows-7-Startmenü zurück gebracht. Das neue Startmenü ist hier eine Synthese aus Startmenü und der Kacheloberfläche mit Live-Tiles. Modern-Apps gibt es auch bei Windows 10. Bei Rechnern mit Maus und Tastatur belegen sie aber nicht mehr den kompletten Screen, sondern erscheinen in Fenstern wie herkömmliche Desktop-Programme. Genau genommen gibt es sogar nicht nur einen Desktop, sondern sogar mehrere. Denn Microsoft hat für Windows 10 das bei Linux schon lange gängige Konzept der virtuellen Desktops übernommen. So kann etwa eine Hintergrundaufgabe wie das Kopieren großer Dateien im Explorer in einen eigenen virtuellen Desktop ausgelagert werden, während man gleichzeitig einen für ein Office-Programm nutzt. Für das Aufrufen neuer virtueller Desktops und den Wechsel zwischen ihnen existiert in der Taskleiste eine eigene Schaltfläche.

Anpassungsfähiges Windows

Auf Tablets oder 2-in-1-Rechnern mit abgekoppeltem Keyboard benimmt sich Windows 10 dagegen wie Windows 8.1: Das Startmenü wird zum Startscreen, Apps und Desktop-Programme belegen den kompletten Screen oder teilen in einem Split-Screen-Modus das Display. Bei 2-in-1-Geräten soll Windows 10 sogar selbst erkennen, ob der Rechner als Tablet oder Notebook genutzt wird und schaltet sich entsprechend um. Microsoft nennt diese Fähigkeit Continuum-Mode. Er kann naürlich auch deaktiviert werden, wenn man lieber manuell umschaltet. Auf neuen Windows-10-Tablets mit einer Diagonale unter acht Zoll wird es wohl keinen Desktop geben. Sieben-Zoll-Tablets mit Windows 8.1 erhalten dagegen ein komplettes Windows 10.

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Das Action-Center ersetzt die Charms-Bar von Windows 8. Es bietet nicht nur Schaltflächen für den schnellen Zugriff auf Funktionen wie den Tablet-Modus, WLAN-Einstellungen oder die Systemeinstellungen, sondern zeigt auch Systemmeldungen oder Benachrichtigungen an, die auch von Apps wie Skype, Facebook oder dem E-Mail-Programm kommen können. Es ähnelt dem Notification-Center von Windows Phone 8.1.

Cortana kommt auf den PC

Cortana ist eine weitere Übernahme aus dem aktuellen Smartphone-Windows. Die digitale Assistentin mit Spracherkennung übernimmt Suchanfragen, kann an Termine erinnern und stellt Informationen passend zu den eigenen Interessen zusammen. In der aktuellen deutschen Preview von Windows 10 ist Cortana allerdings noch nicht aktiv. Den Namen hat Microsoft übrigens den Halo-Spielen entnommen. Dort ist Cortana eine AI, die dem Spieler zur Seite steht.

Auch der Codename Spartan für die nächste Generation des Webbrowsers ist aus Halo entlehnt. Er wird wohl zusätzlich zu einem weiterentwickelten Internet Explorer vorhanden sein. In der aktuellen Windows-10-Testversion ist Spartan noch nicht enthalten. Man kann nur im Internet Explorer die neue Render-Engine aktivieren, die auch Spartan nutzt. Der neue Browser kann auch die IE11- Engine aktivieren, wenn nötig. Microsoft hat schon einige Spartan-Features demonstriert, darunter die Cortana-Unterstützung und die Möglichkeit, kommentierte Ausschnitte von Webseiten zu teilen. Hier werden auch Stifteingaben unterstützt. Zudem soll ein neues Extension-System die bisherige ActiveX-Technik ablösen.

Für eine schnelle Verbreitung von Windows 10 soll ein kostenloses Upgrade von Windows 8.1, Windows 8 und Windows 7 SP1 sorgen. Es ist innerhalb eines Jahres nach der Veröffentlichung von Windows 10 möglich und gilt für die gesamte Lebensdauer des Rechners. Zudem will Microsoft Windows 10 permanent durch neue Funktionen erweitern.

Windows 10 Preview selbst ausprobieren

Wer die Windows 10 Technical Preview selbst ausprobieren will, der kann sich unter insider.windows.com dafür anmelden. Anschließend kann man eine ISO-Datei mit der Windows-10-Preview herunterladen oder einen PC mit Windows 7 oder 8 direkt aktualisieren. Auf produktiv genutzten Rechnern sollte man die Preview nicht installieren. Dafür ist sie nicht stabil genug, zudem werden viele Telemetriedaten an Microsoft übertragen. Auf Tablets die Windows aus einem komprimierten Image laden (WIMBoot) kann Windows 10 derzeit noch nicht installiert werden. Gabriel Aul, Manager für das Insider-Programm bei Microsoft, hat aber auf Twitter verkündet, dass diese Möglichkeit bald kommen wird.

Die nächste Preview: Windows 10 für Phones

Seit Mitte Februar ist über das Insider-Programm auch eine Windows 10 Technical Preview for Phones verfügbar. Sie ist aber noch deutlich unfertiger als die Windows-10-Preview für PCs und läuft nur auf einigen wenigen Lumia-Modellen. Zwar gibt es Hacks, um die Vorversion auch auf anderen Lumias zu installieren, aber das ist dann noch riskanter.

Trotz aller Ecken und Kanten zeigt die Preview aber schon die Richtung der Entwicklung beim Smartphone-Windows. Das Action Center wird um weitere Schnellzugriffsfunktionen erweitert, analog zum PC-Windows-10. Die Benachrichtigungen im Action Center werden interaktiv. Die Einstellungen, bisher nur eine ungeordnete lange Liste, werden in Kategorien unterteilt. Die Texteingabe mittels Spracherkennung wird in allen Eingabefeldern unterstützt. Cortana wird auf dieselbe Codebasis wie beim PC-Windows-10 gestellt. Durch die Angleichung der Codebasis funktioniert manches vorerst nicht mehr, was unter Windows Phone 8.1 noch möglich war, etwa VPN. Die Stabilität lässt noch zu wünschen übrig. Auch die neue Office-Version in Form von Universal-Apps fehlt noch. Daher sollte die Preview nicht auf produktiv genutzten Smartphones installiert werden.

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