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Keep it simple and stupid

Wilken entschlackt mit Reseller-Hilfe die Fibu-Software

10.12.2007 | Redakteur: Stefan Riedl

Wolfgang Grandjean leitet das Marketing der Wilken GmbH in Ulm.
Wolfgang Grandjean leitet das Marketing der Wilken GmbH in Ulm.

Niemand würde mit dem Slogan »Jetzt mit noch weniger Features« Werbung machen, auch der Ulmer Anbieter von ERP-Software Wilken nicht. Aber sie könnten es. IT-BUSINESS sprach mit Wilken-Marketingleiter Wolfgang Grandjean über die neue Denkweise.

Die vielfältigen Funktionen der Wilken-Software verwirrten viele Pensions-Buchhalter, die oft nur einmal die Woche im Programm arbeiten, stellte Gideon Nöcker fest. Der Softwarentwickler und Projektmanager arbeitet bei der VES GmbH, einem Wilken-Reseller aus dem westfälischen Gevelsberg. »Immer mehr Kunden kamen auf uns zu und fragten nach einer Vereinfachung«, so Nöcker. Eine eigene Finanzbuchhaltungssoftware herauszubringen und damit in Konkurrenz zum bisherigen Partner Wilken zu treten, wollte man bei VES nicht. Also las man Wilken die Leviten, was darin endete, dass die neue Version der Out-of-the-box-Software »Wilken Comfort« zusammen mit dem Reseller überarbeitet und umfassend entschlackt wurde. So etwas passiert nicht alle Tage – für IT-BUSINESS Grund genug, beim Wilken-Marketingleiter Wolfgang Grandjean nachzufragen.

ITB: Sie haben jetzt Ihre Finanzbuchhaltungssoftware nach dem Ansatz »Keep it simple and stupid« überarbeitet und entschlackt, während andernorts der Trend zu immer noch mehr Features geht. Warum dieser Schritt?

Grandjean: Unser Vorbild ist das Apple iPhone. Es kann nicht mehr als andere »Communicator«. Aber: Es ist intuitiv und einfach zu bedienen. Es ist smart und sexy. Der Kunde muss keine Bedienungsanleitung lesen. Er legt sofort los. Diese einfachen Regeln für den Erfolg gelten nicht nur im Consumerbereich, sondern auch im B2B-Geschäft. Insofern ist die Entschlackung unseres Wilken Rechnungswesens nur die logische Folge des Zeitgeistes.

ITB: Auf was konnte denn beispielsweise verzichtet werden?

Grandjean: In erster Linie auf Spezialfunktionen. Meist nutzt ein Anwender nur 20 Prozent der bereitgestellten Features. Die restlichen 80 Prozent versperren ihm die Sicht. Wir brauchen diese Funktionen aber in bestimmten Branchen und für bestimmte Spezialfälle. Nur: Solange ein Kunde noch nicht soweit ist, ist ihm das Einfache lieber. Deshalb wurde darauf geachtet, alles in einer übersichtlichen Maske anzuordnen. Ohne großes Hin- und Her-Switchen durch Menü-Bäume.

ITB: Wie kommt das bei Ihren Vertriebspartnern und Kunden an?

Grandjean: Sehr gut. Aber bleiben wir ehrlich, das Lob gilt hier unserem Partner VES. Sie haben die Software entschlackt, weil unser Standard nach 15 Jahren Entwicklung funktional so stark gewachsen ist, dass ein einfacher Einstieg ins System kaum mehr möglich war. Und als außen stehender Partner hatten sie dafür auch einen viel besseren Blick als wir mit unserer vielleicht an manchen Stellen internen Betriebsblindheit. Jetzt können Neukunden wieder klein anfangen – und haben dennoch die Möglichkeit zu wachsen. Denn die Möglichkeit des Upgrades mit Spezialfunktionen bleibt ja bestehen. Aber man bekommt diese erst, wenn man sie braucht und dann auch versteht.

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