Cloud Computing: auf die richtige Definition kommt es an

Wie viele Clouds sind in deutschen Unternehmen wirklich im Einsatz?

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Cloud Computing - Auf die Definition kommt es an

Man muss das an dieser Stelle noch einmal verdeutlichen, dass die reine Virtualisierung einer Infrastruktur noch lange nicht zu einer Private Cloud mache, so Büst. Virtualsierung stelle eine Teilmenge des Cloud Computings dar und sei durchaus ein zentraler Bestandteil. Aber: Die Bereiche Self-Service, Skalierbarkeit, Ressourcen-Pool,Automatisierung, granulare Abrechnung, on-Demand Bereitstellung der Ressourcen, etc. könne von keiner gewöhnlichen Virtualisierungslösung geliefert werden – dafür brauche es unabdingbar eine Cloud-Infrastruktur.

Büst gibt den schwarzen Peter weiter an die Anbieter von Wolkendiensten, die dreist ehemalige on-Premise Virtualisierungslösungen nun als Cloud offerierten. Er habe die Erfahrung gemacht, dass vorzugsweise amerikanische Anbieter ihre angepassten VMware-Lösungen vielfach als Cloud anpreisen.

Unterstützung erhält Büst durch Dr. Stefan Ried, Principal Analyst bei Forrester Research. Er stimmt Büst zu und hat schon vor einiger Zeit in seinem Blog einen direkten Vergleich zwischen einem virtualisierten Rechenzentrum und einer Private Cloud aufgezeigt. Der maßgebliche Unterschied sei das Geschäftsmodell, in dem eine IT-Abteilung mit den Fachseiten und Geschäftsbereichen zusammen arbeitet. Ist dies weiterhin auf einer Kostenbasis und nicht auf einer Verbrauchsbasis aufgebaut, spricht Ried überhaupt nicht von einer Cloud. Auch Rieds Kollege James Staten fordert in seinem Blog, endlich mit dem "Cloudwashing" aufzuhören. Virtualisierung habe ihre Vorzüge, das Cloud Computing aber auch. Beide in einen Topf zu werfen sei aber nicht statthaft.

Das findet auch Frau Dr. Katrin Schleife, Senior Analyst mit Schwerpunkt auf Retail & Cloud Computing bei Pierre Audoin Consultants (PAC), die die Ergebnisse der Untersuchung allerdings für sehr valide hält. Das kommt nicht von ungefähr: PAC hat die Studie für KPMG erstellt – und Schleife war daran federführend beteiligt. Sie berichtet, dass man bereits in der Vorbereitung der repräsentativen (!) Befragung für KPMG viel Arbeit in die Ausgestaltung des Fragebogens gesteckt habe, um die von Büst angesprochenen Unschärfen zu vermeiden. So seien die IT-Leiter in Anwenderunternehmen nicht nur gefragt worden "Nutzen Sie Public Cloud Computing?" oder "Nutzen Sie Private Cloud Computing?", vielmehr seien bereits Definitionen mitgeliefert worden.

So habe PAC bei der Private Cloud unterschieden nach Interner, Managed, Hosted und Community Cloud – und jeweils nach Nutzung/Planung/Diskussion/kein Thema gefragt. Zur internen Cloud hieß es beispielsweise: "Interne Private Cloud: darunter verstehen wir den Aufbau der internen IT nach dem Cloud-Konzept d.h. virtualisierte Ressourcen können z.B. von den Fachbereichen flexibel abgerufen und verbrauchsgerecht abgerechnet werden, Infrastruktur und Daten verbleiben im Unternehmen." Solche Spezifizierung habe es für alle abgefragten Cloud-Varianten gegeben. Somit seien "skalierbar" und "on-demand" durchaus adressiert worden.

Schleife zur Seite springt ihr Analystenkollege Frank Niemann. Der bekannte Berater mit untadeligem Ruf betont ebenfalls, dass die Ergebnisse verlässlich seien: Wir müssen also weiter davon ausgehen, dass mehr als ein Drittel (37 Prozent) der Unternehmen in Deutschland die neuen webbasierten Formen des Bezugs von IT-Leistungen („aus der Cloud“) aktiv einsetzt. Bei weiteren 29 Prozent der Unternehmen steht das Thema zumindest zur Diskussion.

Er fügt noch hinzu, dass neben steigenden Nutzerzahlen auch eine wachsende Polarisierung bei der Einschätzung des Themas Cloud Computings zu verzeichnen sei: So steht einer großen Zahl an Cloud-Befürwortern (35 Prozent) ein wachsender Anteil an Skeptikern (44 Prozent) gegenüber. Der Anteil der Unentschiedenen habe entsprechend abgenommen (20 Prozent). Diese Tendenz zeige sich insbesondere in kleineren und mittleren Unternehmen (KMU), bei denen das Cloud-Thema an Reife gewinnt.

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