Interview mit Windows-Chef Oliver Gürtler Wie Microsoft den Windows-8-Absatz forcieren will

Autor / Redakteur: IT-BUSINESS / Das Interview führte Dr. Stefan Riedl / Dr. Stefan Riedl

Während der weltweite Windows-Chef, Steven Sinofsky, überraschend kurz nach dem Windows-8-Launch den Konzern verlassen hat, sitzt der Windows-Chef in Deutschland, Oliver Gürtler, fest im Sattel. Gegenüber IT-BUSINESS verriet er, wie der Absatz und Support des neuen Betriebssystems gesichert werden sollen.

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Im Media Markt werden „vernetzte Welten“ gezeigt, die auf Windows 8 basieren.
Im Media Markt werden „vernetzte Welten“ gezeigt, die auf Windows 8 basieren.
(Bild: Microsoft)

ITB: Windows ME überzeugte nicht, dafür das Folgeprodukt XP. Darauf folgte der Vista-Flop und dann kam der Windows-7-Erfolg. Setzt man diese Reihe fort, müsste Windows 8 wieder ein Reinfall werden. Was halten Sie von solchen Zahlenspielen?

Oliver Gürtler ist Leiter des Geschäftsbereichs Windows bei Microsoft Deutschland.
Oliver Gürtler ist Leiter des Geschäftsbereichs Windows bei Microsoft Deutschland.
(Bild: Microsoft)

Gürtler: Um ehrlich zu sein – nichts. Denn Windows 8 ist nicht einfach nur die Fortführung des bekannten Windows. Windows 8 ist für uns eine Zäsur, wir haben Windows neu erfunden. Dazu erleben wir eine völlig neue Generation an Windows Hardware.

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ITB: Welche Rolle spielt der Channel in der Absatzstrategie von Windows 8, und wie unterstützen Sie die Händler?

Gürtler: Unsere Channel-Partner sind für uns ein ganz wichtiger Erfolgsfaktor. Das können Sie allein daran ablesen, dass wir für Windows 8 mit dem Handel eines der größten Schulungsprogramme in Deutschland realisieren. Bereits am 1. Oktober haben wir eine groß angelegte Trainings-Roadshow für 3.000 Verkäufer zu der neuen Windows-Welt rund um Windows 8, Windows Phone und Xbox gestartet. Allein mit dieser bundesweiten Aktion schulen wir rund 80 Prozent der PC-Verkäufer in Deutschland.

Zusätzlich werden auf der Trainingsplattform Expertzone.de seit dem 5. Oktober Live-Online-Trainings zu Windows 8 durchgeführt. Insgesamt statten wir über 2.000 Geschäfte mit Point-of-Sale-Marketingmaterialien aus. Und um auch das komplette Windows-Ökosystem und das Zusammenspiel zwischen Windows 8, Windows Phone und der entsprechenden Hardware sehen zu können, gibt es entsprechende Point-of-Sale-Konzepte bei Media Markt, Saturn und Expert. In zehn Media-Saturn-Holding-Stores wurden sogar so genannte vernetzte Welten geschaffen, um die komplette Konvergenz auf circa 40 bis 50 Quadratmeter zu demonstrieren.

Um ihre Kunden umfassend zu Windows 8 zu beraten, finden derzeit immer donnerstags bis samstags so genannte „Device Days“ in 131 Fachmärkten statt. An der Aktion nehmen 72 Media-Markt-, 35 Saturn-, 20 Expert-, drei Medimax-Filialen und ein Cyberport-Geschäft teil, insgesamt werden 1.361 Device Days im Handel ausgerichtet. Zum Start von Windows 8 bieten wir dem Retail außerdem sehr attraktive Einführungspreise an.

Lesen Sie auf der nächsten Seite mehr über Partner-Schulungen.

Trainings und Events

ITB: Wie werden Microsoft-Partner in technischer Hinsicht auf die Windows-8-Einführung und auf das künftige Support-Geschäft vorbereitet?

Gürtler: Unser starkes Netzwerk von 38.000 Partnern in Deutschland ist eine Windows-8-Vertriebskraft, die seinesgleichen sucht. Mit dedizierten Trainings und Veranstaltungen sowie einer bundesweiten Roadshow in Hannover, Frankfurt, Neuss und München machen wir unsere Partner „Ready for Windows 8“.

Aktuell haben wir 7.000 Partner trainiert. Bis zur Verfügbarkeit von Windows 8 haben wir knapp 15.000 Partner mit dedizierten Trainings erreicht. Hinzu kommen noch einige hundert weitere Partner, die sich auch über Kundenveranstaltungen anmelden und informieren. Alle 38.000 Partner werden von uns mehrfach direkte Informationen über unsere eigenen Channelmedien erhalten.

ITB: Bei Windows 8 wird vieles anders. Ein besonders hervorstechendes Merkmal ist die Kachel-Oberfläche samt den Touch-Funktionen. Selbst für Windows-8-Skeptiker steckt da Potenzial drin, zumindest für den Smartphone- und den Pad-Bereich. Im Desktop-Umfeld dürfte es jedoch weniger Vorteile bieten. Zumindest ist die Vorstellung für viele befremdlich, die Tastatur mal beiseite zu schieben und auf ihrem Bildschirm herumzudrücken, vor dem sie sitzen. Welchen Standpunkt haben sie in dieser Angelegenheit?

Gürtler: Viele Nutzer haben die Testversion von Windows 8 bereits auf unterschiedlichen Endgeräten ausprobiert. Man merkt recht schnell, dass Windows 8 den Komfort eines PCs mit dem Potenzial eines Tablets vereint. Das neue Betriebssystem ist neben Maus- und Tastatureingabe per Touch-Steuerung bedienbar und damit auch auf Tablets optimal nutzbar. Dabei bietet es gleichzeitig die für Windows bekannte universelle Nutzbarkeit. Genau das ist eine der großen Stärken von Windows 8 – ich kann selbst entscheiden, welche Eingabe ich vorziehe, und Windows 8 bietet mir dafür die gewünschte Benutzeroberfläche.

Lesen Sie auf der nächsten Seite mehr über das anrollende Migrationsgeschäft.

Umstieg auf Windows 8

ITB: Viele Firmen haben bislang nicht auf Windows 7 umgestellt, und schon klopft Windows 8 an die Tür, das bislang von skeptischeren Stimmen im Markt begleitet wurde. Wie schätzen Sie vor diesem Hintergrund das kommende Migrationsgeschäft ein?

Gürtler: Ich bin fest davon überzeugt, dass Windows 8 im deutschen Markt erfolgreich sein wird und sich sowohl im Privatkunden- als auch im Unternehmenskunden-Umfeld durchsetzen wird. Marktforschungen und das direkte Feedback der Nutzer zeigen uns, dass die Nachfrage nach Tablet-PCs sowohl im Business-Umfeld als auch bei den Privatnutzern in den nächsten Monaten hierzulande rapide zunehmen wird.

Windows 8 eignet sich für Unternehmen, da es viele Neuerungen für IT-Professionals bereithält. Dazu gehören: Windows to Go, Sicherheitserweiterungen und eine verbesserte Virtualisierung. Hieraus ergeben sich zusätzliche Möglichkeiten der Mobilität, erweiterte Sicherheit und Produktivität der Anwender.

ITB: Es wird auch eine Windows-8-Version für ARM-Prozessoren geben, was einer Vielzahl an mobilen Geräten den Weg in die Windows-Welt ebnen wird. Was versprechen Sie sich von dieser Geräteklassenerweiterung?

Gürtler: Wir stellen erstmals ein Betriebssystem bereit, das sowohl x86- als auch ARM-basierte Chip-Architekturen unterstützt. Windows 8 läuft daher künftig auf vielen neuen Geräten: Von Tablets über Notebooks, PCs bis hin zu den großen Screens. Mit Windows 8 kommt eine einzigartige Vielfalt an Hardware auf den Markt, die den unterschiedlichsten Ansprüchen gerecht wird.

Wir leben in einer Multi-Device-Ära, in der Konsumenten nicht ein, sondern gleich mehrere Geräte wie PC, Tablet, Smartphone und Laptop besitzen. Der Anwender erwartet ein übergreifendes User-Interface und dass diese Geräte unkompliziert miteinander kommunizieren können. Gleichzeitig zählen bei der mobilen Nutzung lange Akkulaufzeiten und eine möglichst dünne Bauform mit geringem Gewicht. Genau diese Vorteile bieten Geräte auf ARM-Basis.

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