NIS2, EU AI Act & Co Wie Managed Services zur Compliance beitragen können

Von Toni Trpkovski, VP Managed Services, Avenga 3 min Lesedauer

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NIS2, EU AI Act und CRA erhöhen den Regulierungsdruck massiv. Dadurch wird Compliance für Unternehmen zur Daueraufgabe. Managed Service Provider, die ihre Services entsprechend erweitern, sichern sich entscheidende Wettbewerbsvorteile.

Managed Service Provider können durch Compliance-Services ihre Rolle vom operativen Dienstleister zum strategischen Partner entwickeln.(Bild:  Canva / KI-generiert)
Managed Service Provider können durch Compliance-Services ihre Rolle vom operativen Dienstleister zum strategischen Partner entwickeln.
(Bild: Canva / KI-generiert)

Regulatorische Vorgaben im IT-Umfeld nehmen derzeit spürbar an Tempo und Umfang zu. Für viele Unternehmen stellt sich nicht mehr die Frage, ob sie handeln müssen, sondern wie sich neue Anforderungen dauerhaft in den laufenden Betrieb integrieren lassen.

Konkret adressieren die neuen Regelwerke unterschiedliche, aber eng miteinander verknüpfte Bereiche des IT-Betriebs:

Autor: Toni Trpkovsk, Vice President Managed Services bei Avenga(Bild:  Avenga)
Autor: Toni Trpkovsk, Vice President Managed Services bei Avenga
(Bild: Avenga)

  • Die NIS2-Richtlinie verschärft die Anforderungen an IT-Sicherheit, Meldepflichten und Risikomanagement für eine deutlich größere Zahl von Unternehmen als bisher.
  • Der EU AI Act regelt erstmals den Einsatz künstlicher Intelligenz entlang von Risikoklassen und verlangt Transparenz, Dokumentation und Kontrolle über KI-Systeme hinweg.
  • Der Cyber Resilience Act (CRA) wiederum setzt verbindliche Sicherheitsanforderungen für Software- und Hardwareprodukte über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg.

Gemeinsam führen diese Vorgaben dazu, dass IT-Sicherheit, Governance und Compliance nicht mehr isoliert betrachtet werden können, sondern als integrierter Bestandteil des laufenden IT-Betriebs verstanden werden müssen. Angesichts der zunehmenden komplexen Vorschriften erweitern viele Unternehmen die Rolle von Managed Service Provider (MSP) über den reinen Betrieb hinaus und beziehen strukturierte Unterstützung bei Compliance und Kontrollimplementierung mit ein.

Regulatorik als Daueraufgabe

Regulatorische Anforderungen entwickeln sich kontinuierlich weiter. Gemäß NIS2, dem EU-KI-Gesetz und der CRA können Security by Design, Risikomanagement und Lebenszyklusdokumentation periodischen Compliance-Maßnahmen mehr sein, sondern müssen in die täglichen Betriebsprozesse integriert werden.

Unternehmen erwarten von ihren IT-Dienstleistern dabei zunehmend strategische Unterstützung – nicht nur beim Betrieb von Systemen, sondern auch bei der Umsetzung regulatorischer Anforderungen. Für Managed Services bedeutet das: Compliance darf kein nachgelagerter Prüfprozess sein, sondern muss in Services, Architektur und Betriebsmodelle integriert werden. Dazu gehört es auch, regulatorische Entwicklungen frühzeitig zu beobachten, Anforderungen zu bewerten und in konkrete Maßnahmen zu übersetzen – etwa in Governance-Module, Risiko-Assessments oder technische Kontrollmechanismen.

MSP als Integrator von Betrieb und Compliance

Die Rolle des Managed Service Providers entwickelt sich vom rein operativen Unterstützer weiter zum Integrationspartner, der den Infrastrukturbetrieb mit Governance-, Risiko- und Compliance-Anforderungen in Einklang bringt, während die Verantwortung letztendlich beim regulierten Unternehmen verbleibt.. Um die steigenden Erwartungen zu erfüllen, können strukturierte „Compliance-as-a-Service“-Modelle hilfreich sein. Diese beginnen in der Regel mit einer Gap-Analyse und geht in die kontinuierliche Umsetzung regulatorischer Anforderungen über. Dazu zählen Monitoring und Protokollierung sicherheitsrelevanter Ereignisse, Identitäts- und Zugriffsmanagement, Backup- und Wiederherstellungsstrategien sowie eine revisionssichere Dokumentation.

Die Grundlage bilden internationale Standards wie ISO 27001 oder das NIST-Cybersecurity-Framework, ergänzt um neue Normen wie ISO 42001 für KI-Managementsysteme. Solche Rahmenwerke ermöglichen es, regulatorische Anforderungen aus unterschiedlichen EU-Verordnungen in ein integriertes Betriebsmodell zu überführen. Entscheidend ist dabei Transparenz: Nur wenn Datenflüsse, Zuständigkeiten und Kontrollmechanismen klar definiert sind, lassen sich Compliance-Nachweise belastbar führen.

Auswirkungen auf Infrastruktur und Datenflüsse

Mit NIS2 und dem EU AI Act steigen vor allem die Anforderungen an Dokumentation und Nachvollziehbarkeit. Unternehmen müssen in der Lage sein, Sicherheitsereignisse, Systemzustände und KI-Entscheidungsprozesse nachvollziehbar zu protokollieren. Das betrifft nicht nur klassische IT-Systeme, sondern auch Cloud-Dienste, KI-Module und externe Schnittstellen.

Für die Infrastruktur bedeutet das: zentrale Inventare für Systeme und Anwendungen, konsistente Logging- und Monitoring-Konzepte sowie klar definierte Verantwortlichkeiten zwischen Kunde und Dienstleister. Gerade in hybriden IT-Umgebungen ist eine enge Abstimmung notwendig, um sicherzustellen, dass alle relevanten Daten für Audits und Berichte verfügbar sind.

Zusammenarbeit und Verantwortung neu denken

Mit der zunehmenden Regulierung steigt auch die Verantwortung auf Management-Ebene. Compliance kann nicht mehr vollständig an externe Dienstleister delegiert werden. Stattdessen entstehen neue Formen der Zusammenarbeit: gemeinsame Risiko-Workshops, abgestimmte Incident-Response-Prozesse und regelmäßige Schulungen.

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Ein gut aufgestellter MSP unterstützt nicht nur beim Betrieb, sondern auch bei der Weiterentwicklung von Governance-Strukturen und internen Kontrollmechanismen. Ziel ist ein integriertes Modell, in dem IT-Betrieb, Security und Compliance eng verzahnt sind.

Compliance als Wettbewerbsfaktor

Richtig umgesetzt, kann Regulierung sogar zum Wettbewerbsvorteil werden. Unternehmen, die Compliance strukturiert in ihre IT-Betriebsmodelle integrieren, profitieren von höherer Resilienz, besserer Audit-Fähigkeit und mehr Vertrauen bei Kunden und Partnern. Managed Services helfen dabei, diese Anforderungen planbar umzusetzen und interne Teams zu entlasten.

Die Vielzahl neuer Regelwerke stellt IT-Abteilungen vor große Herausforderungen. Gleichzeitig entsteht dadurch die Chance, Betriebsmodelle neu zu denken. Managed Service Provider können bei dieser Transformation eine zentrale Rolle spielen, sofern sie über fundierte technische Kenntnisse, strukturierte Governance-Fähigkeiten sowie regulatorische Kompetenz verfügen und innerhalb eines klar definierter Verantwortungsrahmens zusammen mit ihren Kunden agieren.

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