Mobilfunk Wie geht es mit Nokia weiter – und was macht Microsoft?

Redakteur: Franz Graser

Nach der Bekanntgabe der Übernahme von Nokias Handy-Geschäft durch Microsoft bleiben eine Reihe offener Fragen. Unter anderem, ob die Kunden Microsoft als Smartphone-Hersteller letztlich akzeptieren werden.

Firmen zum Thema

Ein Händedruck unter Gentlemen: Risto Siilasmaa, Aufsichtsratschef von Nokia (links), und Microsofts Boss Steve Ballmer
Ein Händedruck unter Gentlemen: Risto Siilasmaa, Aufsichtsratschef von Nokia (links), und Microsofts Boss Steve Ballmer
(Bild: TeMaFoto Oy/Microsoft)

Nach dem Deal ist vor dem Alltag: Wenn sich der Pulverdampf großer Ankündigungen verzogen hat, dann sieht man klarer, wie sich ein solches Geschäft auf die Realität auswirkt.

Bei der angekündigten Übernahme von Nokias Handysparte durch Microsoft ist das nicht anders. Fest steht, dass annähernd 32.000 Nokia-Mitarbeiter zu Microsoft wechseln werden. 4.700 davon sind in Finnland beheimatet. Die meisten davon werden voraussichtlich nicht in die USA umziehen müssen: Microsoft-CEO Steve Ballmer gab in einer Pressekonferenz bekannt, dass Finnland den Nabel für die Entwicklungsarbeiten rund um mobile Telefone im Microsoft-Konzern bleiben werde.

„Wir haben keine Pläne, die Standorte quer über den Globus zu verschieben“, sagte Ballmer: „Wir wollen, dass die Arbeit dort getan wird, wo sie auch heute getan wird.“

Damit schrumpft die Belegschaft des übrigen Nokia-Konzerns von derzeit 88.000 auf 56.000, so eine Schätzung von ZDnet. Diese Company wird den Namen Nokia behalten und vorerst vom derzeitigen Aufsichtsratschef Risto Siilasmaa geleitet werden. Nokia wird sein komplettes Patent-Portfolio behalten, aber als Teil des Deals über 10 Jahre an Microsoft lizenzieren.

Behalten wird Nokia neben der Netzwerksparte auch die Kartografie-Abteilung namens Here. Dabei handelt es sich um die umbenannte Karten- und Verkehrsmanagementsparte von Navteq, die in die Nokia-Ortungsplattform integriert wurde. Here stellte erst vor kurzem eine vernetzte Autoplattform vor. Darüber hinaus ist Nokia am Priojekt Mirrorlink beteiligt, das sich die Integration von Smartphones ins Automobil zum Ziel gesetzt hat.

Praveen Chandrasekar, Programm-Manager für Telematik und Infotainment beim Beratungsunternehmen Frost & Sullivan, glaubt, dass Microsoft „mit jedem Tier-1-Unternehmen hätte konkurrieren können“, wenn die Redmonder auch die Here-Plattform erworben hätten. Diese hätten sich hervorragend mit den Lösungen zum vernetzten Automobil ergänzt, die Microsoft in Zusammenarbeit mit verschiedenen Automobilherstellern entwickelt hat. „Nun hat Microsoft nur die Hardware-Komponente“, schließt Chandrasekar.

Eine spannende Frage ist jedoch, ob Kunden Smartphones akzeptieren, die den Namen „Microsoft“ tragen. Nokia hatte als Handy-Hersteller einen guten Namen. Diesen Namen wird Microsoft auch zehn Jahre lang weiter benutzen dürfen, allerdings nur auf so genannten Feature Phones, nicht auf Smartphones. Die Marken Lumia (für Smartphones) und Asha (für Feature Phones) gehen auf Microsoft über.

Was es für diese Produktlinien bedeutet, wenn nicht mehr Nokia, sondern Microsoft als Hersteller verantwortlich zeichnet, darauf deutet eine – nicht repräsentative – Online-Umfrage auf dem Portal wmpoweruser.com hin. Das Portal, das auf User der mobilen Windows-Betriebssysteme zielt, fragte, ob die Loyalität der Benutzer eher dem Betriebssystemhersteller Microsoft oder der Marke Nokia gelte. Etwa ein Drittel der bisher 5000 Teilnehmer gaben an: „Wenn nicht Nokia auf dem Typenschild steht, bin ich nicht interessiert“. Erfreulicher für Microsoft: Etwas über 50 Prozent klickten dagegen die Option: „Ich kaufe ein Windows Phone, egal von welchem Hersteller.“

Zweifel kommen auch auf, weil Microsoft erst jüngst angekündigt hat, das globale Marketing zu vereinheitlichen. Dieses steht unter der Leitung der Executive Vice Presidents Tami Reller und Mark Penn. Der Blog microsoft-news.com äußert allerdings Bedenken: „Microsofts vereinheitlichte Marketingstrategie wird nicht so funktionieren, wie sie es sich erwarten. Das Marketing in Europa ist anders als das in Afrika. Ein Gerät für 40 Euro zu verkaufen ist auch etwas ganz Anderes als ein Gerät für 400 Euro zu verkaufen. Nokias Marketingteam ist erfahren und hoffentlich lässt Microsoft sie unabhängig arbeiten.“

(ID:42297047)