EMC-Forum 2011 in Frankfurt Wie EMC Big Data und Cloud unter einen Hut bringen will

Redakteur: Regina Böckle

Die Virtualisierung geschäftskritischer Anwendungen wird zum Mainstream, die Hybrid Cloud das favorisierte Enterprise-Modell werden und Big Data eines der bestimmenden Themen der nahen Zukunft, erklärte EMC-President Joe Tucci auf dem EMC-Forum in Frankfurt vor rund 1.300 Besuchern.

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Die vier wesentlichen Herausforderungen an die Analyse und Verarbeitung von Daten. (Experton)
Die vier wesentlichen Herausforderungen an die Analyse und Verarbeitung von Daten. (Experton)

EMC will den Cloud-Markt der Zukunft von beiden Enden her aufrollen – das machte Konzern-Chef Joe Tucci auf dem EMC-Forum vergangene Woche in Frankfurt deutlich: Zum einen sollen Anwendern integrierte Tools zur Verfügung gestellt werden, die es ihnen erleichtern, unternehmenskritische Applikationen (Paradebeispiel SAP), aus der Cloud heraus zu nutzen und in ihr neue zu entwickeln; zum anderen will EMC verstärkt Lösungen entwickeln beziehungsweise akquirieren, um die Bereitstellung, Analyse, Strukturierung und Archivierung von Daten effizienter zu machen. „Cloud meets Big Data“ lautet entsprechend der Slogan, den EMC bereits seit einem halben Jahr propagiert.

Beide Pole der EMC-Strategie fußen auf der virtuellen Infrastruktur, den von EMC, VMware und Cisco entwickelten vBlocks: Sie vereinen Server, Security, Networking, Virtualisierungs-Layer, zentrales Management und selbstverständlich auch Storage-Soft- und -Hardware quasi in einer Box.

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Was bedeutet „Big Data“?

EMC fasst unter dem Begriff „Big Data“ die Analyse, Strukturierung und Archivierung der extrem schnell wachsenden, meist unstrukturierten oder semistrukturierten Daten. „Es geht darum, die Schätze, die in diesen Datenbergen verborgen sind, zu heben“, erklärt EMC-Deutschland-Chefin Sabine Bendiek.

Das kann nur entsprechende Software leisten. Das erklärt, weshalb EMC in den vergangenen Jahren zahlreiche Anbieter übernommen hat – für die Datenanalyse Greenplum, für die kompakte Archivierung Datadomain und für die Unmengen unstrukturierter Daten wurde Isilon mit seinem Petabytes speichernden Filesystem OneFS erworben.

An dieser Strategie will EMC-Firmenchef Tucci auch festhalten: „Wir sind eine Technologie-Company und werden weiterhin massiv in Forschung und Entwicklung sowie in Akquisitionen investieren.“ Bislang hat er bei der Auswahl der Übernahmekandidaten ein glückliches Händchen bewiesen.

Nach Ansicht der Experton-Analysten Andreas Zilch und Holm Landrock ist das Schlagwort „Big Data“ kein hohles Marketing-Buzzword, sondern „eine Erweiterung schon bestehender Datenanalyse-Methoden, -prozesse und -verfahren.“

Die vier wesentlichen Herausforderungen an die Analyse und Verarbeitung von Daten. (Experton)
Die vier wesentlichen Herausforderungen an die Analyse und Verarbeitung von Daten. (Experton)

(Siehe dazu nebenstehende Grafik, die sich per Doppelklick vergrößert.)

Das Modell Big Data sei ein Versuch, die vier wesentlichen Herausforderungen in den Griff zu bekommen, die künftig mit der Erfassung, Konsolidierung, Speicherung, Verarbeitung und Auswertung großer Datenmengen einhergehen. Das Fazit der Experton-Analysten: „Während es für jede einzelne Disziplin noch Lösungen gibt, so ist die Kombination dieser fünf massiven Wachstumsbereiche, ergänzt um die Themen Datensicherheit und Datenqualität, mit den heute bestehenden Ansätzen nicht lösbar.“

Wie EMC den wichtigsten Herausforderungen im Bereich Big Data begegnen will, erfahren Sie auf der nächsten Seite.

  • 1. Drastisches Datenwachstum

Laut einer IDC-Studie werden 2011 weltweit rund 1,8 Zettabyte an Daten erstellt werden. Um diese Dimension etwas griffiger zu fassen, wären für deren Speicherung etwa 57 Milliarden iPads notwendig, meinte EMC-Sprecher Chuck Hollis in seiner Keynote. Also knapp zehn iPads für jeden Erdenbürger. 90 Prozent dieser Daten werden unstrukturiert sein, haben Statistiker errechnet. Und das hat Konsequenzen: „In diesen Dimensionen skalieren aktuelle Technologien und Methoden nicht“, behauptet Experton-Manager Zilch.

EMC antwortet auf dieses Problem mit der Dreier-Kombination aus Storage-Plattform VMAX, dem Online-Cloud-Storage-Service Atmos und dem Scale-out-NAS-System Isilon. Mit Isilon lasse sich die (lineare) Skalierbarkeit auf bis zu zwölf Petabyte Datenvolumen ausdehnen, verspricht der Hersteller.

Die Mackevision Medien Design GmbH nutzt beispielsweise Isilon, um mit dem enormen Datenvolumen fertig zu werden, das unter anderem bei der Erstellung der Video-Animationsfilme anfiel, die die Grundlage des Web-Konfigurators von Mercedes Benz bilden. „Wartezeiten bei der Produktion der Videoframes sowie Einschränkungen bei der Performance, die in der Vergangenheit zu mancher Nachtschicht führten, gehören seitdem der Vergangenheit an“, erklärte Stefan Lubitz, Head of IT bei Mackevision.

EMC-Partner Teragate, ein Service Provider für Corporate WAN, setzt für seine Kunden auf den Cloud-Storage-Dienst Atmos, um beispielsweise für einen Kunden 1.500 Notebooks mit 65 Terabyte Quelldaten an acht Standorten zu sichern. „Wir konnten dieses Projekt binnen acht Wochen im laufenden Betrieb umsetzen, mit einer sicheren Netzwerkverbindung und Bandbreitengarantie“, berichtet Dieter Eitel, Senior Product Manager bei Teragate.

  • 2. Höheres Tempo für die Analysen

„Wo früher monatliche Reports eine Woche nach Monatsabschluss ausreichten, geht heute der Trend zu Millisekunden beziehungsweise Echtzeitanalysen“, berichtet Experton-Analyst Andreas Zilch.

Um diese Geschwindigkeit bei der Analyse jeglicher Art von Daten zu gewährleisten, hat sich EMC die Technologien von Greenplum und Hadoop einverleibt. Greenplum ermöglicht ein sehr schnelles Laden und Analysieren strukturierter und unstrukturierter Daten. Hadoop stellt ein java-basiertes Framework für skalierbare, verteilt arbeitende Software zur Verfügung, das es Nutzern ermöglicht, sehr schnell komplexe Rechenprozesse mit Datenvolumen im Petabyte-Bereich durchzuführen.

  • 3. Überproportionales Datenwachstum durch soziale Netzwerke

Der Anteil an Daten, die aus sozialen Netzwerken heraus oder auch maschinell generiert werden, steigt künftig weiter an, so die Prognose des Marktforschungsinstituts Experton. Vermehrt setzen Unternehmen Internet-Crawler ein, die unzufriedene Kunden aufspüren sollen. Notwendige Produktinnovationen sollen so auch durch das Feedback vom Kunden initiiert werden. Das erfordert jedoch neue Analyse-Ansätze.

  • 4. Mehr und unterschiedlichere Nutzer

Obendrein erhöhe sich die Anzahl der direkten Nutzer von Datenanalysen, wobei sich sehr differenzierte Rollen herausbilden.

Für diese Aufgaben bringt EMC seine Documentum-xCP in Stellung. Damit lassen sich analysierte Daten in unterschiedliche Geschäftsprozesse einbinden.

Inwiefern EMCs Vorstellung von „IT als Self-Service“ bereits Realität oder eher Wunschdenken ist, lesen Sie auf der nächsten Seite.

IT als Self-Service für Anwender: Anspruch...

„Der sich abzeichnende Trend, dass in den Firmen zunehmend klassische Betriebswirtschaftler und nicht die IT-Techies das IT-Ruder übernehmen, wird anhalten“, zeigt sich Chuck Hollis, Chef-Technologe und Vice President Marketing bei EMC, überzeugt. Damit wandle sich aber auch die Rolle der IT grundlegend: „Am Ende wird jeder Mitarbeiter über einen Tablet-PC auf alle von ihm benötigen Services, Applikationen, Daten et cetera zugreifen. Und die IT wird diese Dienste als Self-Service-Katalog auf einer standardisierten Plattform bereitstellen müssen– unabhängig davon, ob die Services aus der private, public oder hybrid Cloud bezogen werden“, so Hollis. Fundament dieser Plattformen werden integrierte Lösungs-Stacks, beispielsweise die vBlocks sein, deren Security-Stack kürzlich um die RSA-Lösung Archer eGRC ergänzt wurde.

...und Wirklichkeit aus Sicht von Computacenter

Nach Ansicht von Oliver Tuszik, Vorstands-Chef von Comptacenter, einem zertifzierten VCE-Partner, ist das von Chuck Hollis skizzierte Szenario keineswegs nur Zukunftsmusik: „Die Cloud ist Realität. Wir verkaufen Cloud-Lösungen heute schon wie warme Semmel“, sagte er in seiner Keynote – und löste an dieser Stelle im Publikum doch vielfach kräftiges Stirnrunzeln aus. „Es gibt inzwischen kein Beratungsprojekt, bei dem Cloud kein Thema ist“, legte Tuszik nach. Kunden investierten vor allem in die Cloud, um Standardaktivitäten auszulagern und damit mehr Ressourcen für die Verbesserung von Geschäftsabläufen freizuschaufeln. Darin ist er sich mit den Einschätzung der EMC-Manager einig: Immerhin stecken CIOs laut Studien von EMC zufolge rund drei Viertel ihres Budgets in den Betrieb bestehender Infrastrukturen und Anwendungen. Lediglich ein Viertel der Investitionen fließe in die Weiterentwicklung und in strategische Projekte. „Unser Ziel ist es, dieses Verhältnis auf 40:60 zu drehen“, erklärte EMC-President und CEO Joe Tucci.

Was Endkunden mit dem Begriff Cloud verbinden, sind laut Computacenter-Chef Tuszik ganz handfeste Dinge: 1. Pay-per-Use-Modelle, 2. die Variable Nutzung von Ressourcen, 3. Skalierungseffekte, 4. Orts- und zeitunabhängiger Zugriff auf die IT, 5. Transparenz und Steuerbarkeit sowie 6. Flexibilisierung durch Standards. Allerdings: "Die Standards sind aktuell eher ein Versprechen der Hersteller als Realität“, monierte der Computacenter-Chef. Darin liege jedoch gleichzeitig „ein Riesenmarkt“ für Vertriebspartner: „Es gibt keine Cloud aus der Box, die per Plug and Play funktioniert, da können die Hersteller sagen, was sie wollen. Hier sind das Know-how, die Beratungskompetenz und die Services der Partner gefragt.“

Tipps für die Partner

Systemhäusern, die bei ihren Kunden Cloud-Projekte umsetzen wollen, gab der Computacenter-Chef Tuszik drei Empfehlungen mit auf den Weg:

„1. Prüfen Sie den Cloud-Reifegrad des Kunden: „Dieser Reifegrad ist keine technische Größe, sondern eine Frage der innerbetrieblichen Prozesse“, so Tuszik. Es geht dabei vor allem darum, zu definieren, welche Rollen und Aufgaben die bislang jeweils für Netzwerk, Storage, Server, Security, Datenbanken et cetera Verantwortlichen künftig übernehmen sollen.

2. Forcieren Sie den Umbau zum Service-Provider

3. Klären Sie Ihre eigenen Kernkompetenzen und kooperieren Sie mit anderen Partnern – der Markt ist groß genug“.

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