Konferenz in London Wie Dell den Storage-Markt prägen will

Redakteur: Rainer Graefen

Dell ist angekommen. Im Storage-Markt. Beweise gewünscht? Das Dell Storage-Forum 2012 in London. Hier zeigte der Hersteller, wie er diesen Wachstumsmarkt erobern und auch noch seinen Stempel aufdrücken will. Das Konferenzmotto lautete deshalb: Fluid by Design.

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(Quelle: R.Graefen)
(Quelle: R.Graefen)

Die Londoner Veranstaltung passte diesmal noch in das Hotel La Grange ganz in der Nähe von St. Paul´s Cathedral und wirkte vordergründig ein wenig unterkühlt. Das Interesse an der strategischen Ausrichtung von Dell war allerdings unverkennbar.

300 Kunden waren erwartet worden, 400 sollen es dann gewesen sein – wie Insider wussten. Und wahrscheinlich wird Dell in diesem Jahr noch mit zwei weiteren „Großveranstaltungen“ außerhalb von Amerika kräftig Gas geben.

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Leistungsfähiges Storage-Portfolio

Dell hat einen langen Anlauf genommen, um im Speichermarkt als Protagonist unterwegs zu sein. Die Konkurrenz ist in der Oberliga zwar überschaubar, dafür tummeln sich dort einige der größten Anbieter der gesamten IT-Branche.

Die ersten Gehversuche unternahm Dell mit der Powervault-Familie, die das Unternehmen seit vielen Jahren als OEM vertreibt, um mittelständischen Kunden neben Servern auch einen robusten und preiswerten Raid-Massenspeicher anbieten zu können. Seit LSI im vergangenen März die Speichersparte an NetApp verkaufte, ist hier allerdings – nicht nur für Dell - eine Baustelle offen, bei der noch vieles ungeklärt ist.

Dann kam die zehnjährige OEM-Partnerschaft mit EMC, in der Dell das Speichergeschäft von der Pike bis zu den Enterprise Services lernte. Michael Dell dürfte sich jedoch schon früh gefragt haben, ob das eigene Wachstum nicht zu sehr von der Partnerschaft behindert würde. Die Angriffe von EMCs CEO Tucci auf die Autarkie-Gehversuche nach dem Zukauf von Equallogic waren garantiert nicht leicht zu verdauen; der endgültige Bruch kam dann mit dem Erwerb von Compellent.

Diverse weitere Zukäufe wie der des Deduplizierungs-Startups Okarina, Force10 und Exanet rundeten teils auch auf der Software-Seite die strategischen Zukäufe ab. Bislang erschien das Ergebnis Beobachtern zu nischenorientiert und auch sehr inhomogen zu sein. Inzwischen ist eine annähernd zweijährige technische Konsolidierungsphase verstrichen und so konnten im Storage-Umfeld den Anwendern drei herausragende Lösungen vorgestellt werden:

  • Die Dell DR4000 Backup-Appliance.
  • Das Dell Compellent Storage Center 6.0 und
  • eine objektorientiert arbeitende Speicherlösung für Microsoft Sharepoint.

Die DR4000 ist mit die Basis für das Konferenzmotto „fluid by Design“. Den anderen Teil trägt das Compellent-System mit seiner "fluid data technology", einer automatischen Storage-Tiering-Architektur bei, die 512 KByte bis 2 MByte Datenblöcke zwischen SSD und SATA-Speicher verschieben kann. Generell geht es Dell darum, eine Rechenzentrums-Infrastruktur anzubieten, die Daten in vielen Stufen von einem Highend-Storage-System auf eine komprimierende und deduplizerende Appliance zu verlagern, die sich auch noch in die Cloud replizieren kann.

Übergreifendes Dedup-Format

Dell hat es mit der DR4000 geschafft, dass die flüssigen Daten, die irgendwann primär nicht mehr ganz so wichtig sind, aber trotzdem ab und zu gebraucht werden, wieder von jedem anderen Dell-Speichersystem eingelesen werden können, ohne dass sie, um im Bild zu bleiben, zuvor explizit wieder dehydriert werden müssen.

Ein dazugehöriges "All-Inclusive-Software-Lizenzierungsmodell", das es ohne weitere Lizenzkosten erlaubt, aktuelle und zukünftige Funktionen zu nutzen, dürfte beim Controlling für Freude sorgen.

Die Dell Compellent Story wird ebenfalls eine Erfolgsgeschichte werden. Der in den unruhigen Ruhestand wollende Präsident Dell Compellent Phil Soran, fasste die Bedeutung der Compellent-Technologie für Dell in den Vorschlag einer Namensänderung der Firma in Dellent zusammen.

Theoretisch, ohne Berücksichtigung von Kosten, wäre das Compellent-System in der Lage, jeden Speicherbedarf von kleinen bis sehr großen Unternehmen abzudecken. Die Version 6.0 des Dell Compellent Storage Center unterstützt nun durch ein Upgrade auch die 64-Bit-Verarbeitung.

Sharepoint-Objekte

Marketingtechnisch ausgedrückt bot Dell in London eine Infrastruktur-Optimierungslösung für Microsoft Sharepanit an, die das gesamte Daten- und Speichermanagement vereinfachen soll. Die Dell Lösung kombiniert dazu die Dell DX Storage Platform mit den dazugehörigen Sharepoint Beratungsservices und der AvePoint Software DocAve. Die dazugehörigen Dell-Services sollen das System um 40 Prozent beschleunigen, ein wesentlich schnelleres Disaster Recovery als Backup-Lösungen anderer Hersteller bewirken und mit einer automatisierten Archivierung auch die Bedürfnisse nach Data-Governance bedienen.

Wie die DX Storage Platform im Einzelnen arbeitet, wurde in London nicht weiter debattiert, wird also in naher Zukunft weiter zu untersuchen sein.

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