Definition Wer ist Ingram Micro?

Autor / Redakteur: jelsag / Michael Hase

Ingram Micro ist ein global agierender Distributor von ITK-Produkten. Der Konzern unterhält Niederlassungen in derzeit 52 Ländern. Von dort aus beliefert er Fachhandelspartner in rund 160 Ländern.

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Grundlagenwissen zum IT-Business
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(Bild: © adiruch na chiangmai - Fotolia.com)

Ingram Micro zählt zu den größten ITK-Distributoren weltweit. Das Unternehmen ist in 52 Ländern mit Niederlassungen und Büros vertreten und betreut mehr als 200.000 Fachhandelspartner in rund 160 Märkten. 2020 erzielte der US-Konzern, dessen Zentrale sich in Irvine, Kalifornien, befindet, einen Umsatz in Höhe von 49,1 Milliarden Dollar (2019: 47,2 Milliarden Dollar). Zum Portfolio des ITK-Großhändlers gehören Produkte und Services von mehr als 1.700 Anbietern.

In Deutschland hält Ingram Micro nach eigenen Angaben bis zu 160.000 Produkte und Services, die von 350 Anbietern stammen, auf Lager. Die deutsche Landesgesellschaft des Distributors hat ihren Sitz in Dornach bei München. Hierzulande arbeitet das Unternehmen mit mehr als 35.000 Fachhandelspartnern zusammen.

Drei-Säulen-Strategie (VVV)

Seit der zweiten Hälfte der 00er-Jahre entwickelte sich Ingram Micro von einem reinen Volumengroßhändler („Broadliner“) zu einem Distributor weiter, der erklärungsbedürftige IT-Produkte (zum Beispiel für Datacenter) sowie Spezial- und Branchenlösungen vertreibt. Für diese Diversifizierung des Geschäfts wurde bei Ingram Micro Deutschland im Jahr 2010 die Formel „VVV“-Strategie geprägt, wobei die drei Buchstaben für Volume, Value und Verticals stehen. Der Ansatz wurde unter dem ehemaligen Europachef Gerhard Schulz konsequent auf alle europäischen Landesgesellschaften übertragen.

Lifecycle Services und Cloud

Ausgehend von den USA erweiterte der Distributor seit 2012 sein Service-Spektrum über die klassischen Kernleistungen wie Logistik und Finanzierung hinaus auf sogenannte Lifecycle-Services. Dazu zählen Dienstleistungen wie die Reparatur, die Rücknahme, die Wiedervermarktung und das Recycling von ITK-Produkten. Einen weiteren Schwerpunkt bildet bei Ingram Micro seit 2014 der Vertrieb von Cloud-Services über eine automatisierte Plattform. Ende 2015 kaufte der Distributor den Software-Anbieter Odin (ehemals Parallels), auf dessen Technologie der Ingram Micro Cloud Marketplace basiert. Zusammen mit den Software-Assets aus anderen Zukäufen brachte der Distributor die Odin-Plattform im Mai 2018 in die neu gegründete Tochtergesellschaft CloudBlue ein.

Chinesische Eigentümerschaft

Im Dezember 2016 wurde Ingram Micro für rund sechs Milliarden Dollar von der chinesischen HNA Group gekauft, einen Mischkonzern, der in den Branchen Luftfahrt, Logistik, Tourismus und Handel engagiert ist. Mit Abschluss der Transaktion wurde der Distributor von der New Yorker Börse genommen, wo er seit 1996 notiert war. Die Zeit der chinesischen Eigentümerschaft ging 2021 zu Ende. Bereits im Dezember 2020 kündigte die kalifornische Private-Equity-Gesellschaft Platinum an, sie werde Ingram Micro für 7,2 Milliarden Dollar von HNA übernehmen. Am 7. Juli 2021 gab der Investor den Abschluss der Transaktion bekannt.

Amerikanische Wurzeln, globale Expansion

1979 als Micro-D gegründet, wurde das Unternehmen 1989 durch den US-amerikanischen Mischkonzern Ingram Industries übernommen und in Ingram Micro umbenannt. Durch die Akquisition der belgischen Firma SoftEurop im Jahr 1991 wurde der Distributor erstmals außerhalb der USA aktiv. Dieser Zukauf, dem zahlreiche weitere folgten, leitete die globale Expansion des Unternehmens ein. Die deutsche Landesgesellschaft von Ingram Micro, die zu Beginn der 90er-Jahre entstand, festigte ihre Marktposition, indem sie 1998 den Münchner Distributor Macrotron übernahm.

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