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Rezepte gegen Fachkräftemangel in der IT-Branche

Wenn Hörsäle verwaisen...

20.12.2006 | Redakteur: Katrin Hofmann

Die Zahl der Studienanfänger in der Informatik sinkt drastisch und schürt Ängste vor einem drohenden Personalmangel. Gemeinsam mit Vertretern aus Wirtschaft und Forschung haben Politiker auf einem IT-Gipfel nach Auswegen gesucht.

Jungen Menschen müsste deutlicher gemacht werden, dass die ITK-Branche interessante Berufe bietet und sich ein Studium lohnt, erklärte Bundesbildungsministerin Anette Schavan auf dem nationalen IT-Gipfel in Potsdam. Dort trafen sich im Dezember 2006 Politiker, unter ihnen auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, mit Vertretern vorrangig großer Konzerne wie IBM und Siemens sowie Wissenschaftlern, um Maßnahmen zur Förderung des ITK-Standortes Deutschland zu besprechen. Für eine Menge Gesprächsstoff sorgte im privat finanzierten Hasso-Plattner-Institut (HPI), in dem das Treffen stattfand, der prognostizierte Mangel an hoch qualifizierten Fachkräften. Eine auf dem Gipfel tagende Arbeitsgruppe unter Leitung der Bildungsministerin kristallisierte diesen Missstand als den »am stärksten limitierenden Faktor« für eine technologische Spitzenstellung Deutschlands heraus.

6 000 Informatiker zu wenig

Laut Bitkom schließen in wenigen Jahren rund 6 000 weniger Studenten als benötigt jährlich ein Informatikstudium ab. Die Zahl der Studienanfänger in dieser Fachrichtung ist seit dem Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000 stark rückläufig. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes waren vor sieben Jahren noch rund 38 100 Erstsemester in diesem Fach an deutschen Universitäten und Fachhochschulen eingetragen. 2006 waren es mit knapp 28 400 ein Viertel weniger. Auch weitere für die ITK-Branche relevante Studiengänge, unter anderem Elektrotechnik oder Maschinenbau und Verfahrenstechnik, sind vom Rückgang betroffen.

Vor diesem Hintergrund wies Bitkom-Vizepräsident Jörg Menno Harms auf der Potsdamer Veranstaltung darauf hin, dass schon heute 50 Prozent der ITK-Firmen wegen des Mangels an Fachpersonal in ihrer Geschäftstätigkeit behindert werden. Das sei der höchste Wert seit dem Beginn einer entsprechenden Umfrage des Verbandes im Jahr 2001.

Image verbessern

Als eine Strategie gegen das nachlassende Interesse kündigte Anette Schavan Imagekampagnen an, die gemeinsam von Verbänden, Firmen und Politik durchgeführt werden sollen. »Es muss schon in den Schulen deutlich werden, was man mit solch einem Studium anfangen kann«, so Schavan. Weiterhin einigten sich ihre Arbeitsgruppen-Teilnehmer darauf, künftig noch stärker zu kooperieren und Initiativen zu gründen, die einige der vermuteten Ursachen für die sinkenden Studentenzahlen aufgreifen und lösen helfen sollen. Eine dieser geplanten Initiativen nennt sich »Informatikstudiengänge optimieren – Abbrecherquote senken«. Diese will die Hochschulrektorenkonferenz gemeinsam mit der Gesellschaft für Informatik (GI) ins Leben rufen.

Weil es bei der Personalsuche vor allem dann schwierig wird, wenn neben »reinem IT-Know-how mehrjährige Erfahrungen mit Geschäftsprozessen und IT-Lösungen gefragt sind«, wie der Personalleiter Uwe Kloos des IT-Beraters und IT-Service-anbieters Softlab betont, sind Praxisnähe und interdisziplinäre Verknüpfung dabei offensichtlich entscheidend. Den meisten Erfolg bei der Suche nach gut qualifiziertem Personal verspricht sich die Softlab Group derzeit vom Web, das für sie wie für immer mehr Firmen der zentrale Kanal für die Personalsuche ist. Headhunter werden laut Uwe Kloos dann beauftragt, »wenn es um Profile geht, die über den normalen Weg nicht erreichbar sind.« Ein weiterer wichtiger Kanal sind die Empfehlungen von Mit-arbeitern: Dort sei die Trefferquote besonders hoch, kennen diese doch den ausgeschriebenen Job sehr gut. Zum Zeitpunkt unserer Recherche hatte Softlab allein am 18. Dezember 2006 28 Stellenangebote für den Standort München in der Onlinestellenbörse Monster.de veröffentlicht.

Generation 50+ fördern

Neben der Optimierung Studiengänge haben sich die Arbeitsgruppenteilnehmer darauf verständigt, das Potenzial das die ältere Generation bietet, künftig stärker zu aktivieren. Der Bitkom bekundete auf dem IT-Gipfel die Absicht, gemeinsam mit der IG Metall die Fachkräfteinitiative „IT-50 plus“ zu gründen, um der demografischen Entwicklung gerecht zu werden.

Der Abwanderung von Top-Talenten ins Ausland entgegenwirken wollen die deutsche Forschungsgemeinschaft und SAP mit dem anberaumten Projekt »Top-Talente fördern«, das Wissenschaft und Forschung mehr vernetzen soll und den Talenten Entwicklungsperspektiven eröffnen will.

Doch trotz dieser Vereinbarungen und auch des Lobs danach über das Treffen in Potsdam, das aus Sicht zahlreicher Beteiligter ein positives Signal für den Stellenwert der ITK in Deutschland gesetzt hat, gibt es auch Kritiker.

Während der Eco-Verband der deutschen Internetwirtschaft und der Verein Networker bemängelten, dass sich der IT-Gipfel ausschließlich mit wenigen Branchenriesen geschmückt hätte und der Leistungsträger Mittelstand schlichtweg ausgeklammert worden sei, verlangte der Bitkom, dass die Bekämpfung des Fachkräftedefizits nun in konkrete politische Maßnahmen münden müsse. Unter anderem sollten die Zuwanderungshürden für Fachleute aufgelockert werden. Während Anette Schavan in einem Interview, das das Hasso-Plattner-Institut als Podcast anbietet, betonte, dass die Regierung lieber fördern und Studienplätze schaffen wolle als die Greencard-Initiative zu vertreten, glaubt der Bitkom nicht an einen bahnbrechenden Erfolg solcher Bemühungen: Es sei trotzdem davon auszugehen, dass der Fachkräftebedarf mittelfristig nicht zu decken ist.

Ungeachtet dieser Vorbehalte gehören die Stärkung der schulischen Ausbildung als auch die Verbreiterung der Hochschulausbildung neben der Gewinnung von Toptalenten aus dem Ausland mit zu den geplanten Maßnahmen, die in einem den Gipfel abschließenden Zwölf-Punkte-Programm zu finden sind.

1,2 Milliarden Euro

Während dieses Programm bis zur CeBIT 2007 allerdings erst noch detaillierter ausgearbeitet werden soll, steht die Fördersumme für die deutsche Informations- und Telekommunikations-Branche fest: Hierfür wird die Bundesregierung bis 2009 1,2 Milliarden Euro Fördergelder zur Verfügung stellen.

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