Tech-Startups leiden an Überregulierung Weniger Startups sehen ihre Situation positiv

Autor: Sarah Gandorfer

Firmengründer geben dem Koalitionsvertrag mit Blick auf die Startup-Politik die Note Vier. Das Vertrauen ist gering, dass die dort festgeschriebenen Versprechen umgesetzt werden.

Firmen zum Thema

Die Startups setzen derzeit keine großen Hoffnungen in die Versprechungen des Koalitionsvertrags.
Die Startups setzen derzeit keine großen Hoffnungen in die Versprechungen des Koalitionsvertrags.
(Bild: Pixabay / CC0 )

Im Koalitionsvertrag 2018 wird an verschiedenen Stellen auf das Thema Startups eingegangen. Die Große Koalition (GroKo) will bürokratische Hürden niederreißen und die Unternehmensfinanzierung vereinfachen. Allerdings fehlen oftmals Hinweise wie und wann die niedergeschriebenen Punkte genau umgesetzt werden sollen – zumal es keine Garantie gibt, dass einzelne Ankündigungen überhaupt angegangen werden. Viele Punkte wurden nahezu eins zu eins aus dem vorherigen Koalitionsvertrag übernommen.

Knapp zwei Monate nach in Kraft treten des Koalitionsvertrags veröffentlicht der Digitalverband Bitkom nun Zahlen, wie die deutsche Startup-Szene die politische Hilfestellung in den vergangenen zwei Jahren einschätzt. Befragt wurden dazu rund 300 Startups aus dem IT-Bereich.

Der Tenor bei den Gründern ist, dass es die Politik nicht wirklich ernst meint mit der „Startup-Nation Deutschland“. So sagen aktuell zwar 9 von 10 Startups (89%), dass Politik die Bedingungen für Startups entscheidend verbessern kann, aber zugleich sagen fast ebenso viele (86 %), der Politik fehlt das Verständnis für die Probleme von Jungunternehmen. Entsprechend fordern drei Viertel (74 %): Politik sollte Startups möglichst große Freiräume ermöglichen und sich ansonsten heraushalten.

Wenig Vertrauen in die Politik

„Startups wissen, dass sie in vielen Bereichen auf die Politik angewiesen sind. Dabei geht es nicht vordergründig um finanzielle Förderung. Vor allem leiden innovative Tech-Startups ganz besonders unter Überregulierung etwa in der Finanz- oder Gesundheitsbranche und übermäßig strenger Auslegung von Datenschutzvorgaben, die Entwicklungen im Bereich Datenanalyse und Künstlicher Intelligenz gerade mit Blick auf Wettbewerber aus den USA oder China beeinträchtigen“, führt Bitkom-Präsident Achim Berg aus. Derzeit geben nur noch 4 von 10 Startups (44 %) an, dass sich ihre eigene Situation in den vergangenen zwei Jahren verbessert hat – vor einem Jahr war der Anteil mit 54 Prozent noch deutlich höher.

Große Hoffnung haben die Startups mit Blick auf den Koalitionsvertrag nicht. Der Vertrag mit 25 Einzelmaßnahmen, von denen Startups profitieren könnten, bekommt von den Gründern nur die Schulnote Vier. Während praktisch niemand ein „sehr gut“ vergibt und nur drei Prozent ein „gut“, sagt jeder Zehnte (10 %): „ungenügend“. Und jedes dritte Startup (35 %) gibt freimütig zu, sich überhaupt nicht mit den Inhalten der Vereinbarung zwischen Union und SPD beschäftigt zu haben und deshalb keine Note vergeben zu können.

Ein Grund für dieses Desinteresse dürfte auch sein, dass nur eine Minderheit glaubt, dass die Ankündigungen wahr werden. Mit 79 Prozent geht die Mehrheit davon aus, dass allenfalls wenige Maßnahmen tatsächlich umgesetzt werden, acht Prozent rechnen sogar damit, dass gar nichts in diesem Bereich passiert. Nur sieben Prozent erwarten, dass viele Maßnahmen den Weg in das Gesetzgebungsverfahren finden.

„Das Vertrauen der Startups in die Politik schwindet“, erklärt Berg. „Von einer entschlossenen Startup-Politik würden nicht nur Startups direkt profitieren, sondern indirekt auch alle deutschen Leitbranchen, die bei der Digitalisierung dringend das Tempo erhöhen müssen.“

(ID:45317466)

Über den Autor

 Sarah Gandorfer

Sarah Gandorfer

Redakteurin bei IT-BUSINESS