Der weltweite PC-Markt stagniert im 2. Quartal 2012 Weltmarktführer HP wird von allen Seiten bedrängt

Redakteur: Harry Jacob

Im abgelaufenen Quartal konnte sich der PC-Markt nur mit Mühe auf dem Vorjahresniveau halten. Dennoch ist viel Bewegung im Markt. Skeptisch blicken die Analysten auf die kommenden Monate in Europa.

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HP hält sich nur noch knapp vor Lenovo, Dell ist hinter die Acer-Gruppe zurückgefallen, und Asus holt mit Riesenschritten auf.
HP hält sich nur noch knapp vor Lenovo, Dell ist hinter die Acer-Gruppe zurückgefallen, und Asus holt mit Riesenschritten auf.

Nach Marktanteilen mehr als vier Prozent Abstand zum Zweitplatzierten – dieser Erfolg von HP liegt ein ganzes Jahr zurück. Jetzt ist die Differenz auf 0,2 Prozent zusammengeschmolzen. Lenovo hat deutlich aufgeholt, und in gleichem Maße hat HP auch verloren. Das ergibt die vorläufige Hochrechnung der Analysten von Gartner.

Anders dagegen der Wettbewerb zwischen Dell und der Acer-Gruppe: Acer konnte seinen Absatz um 3,6 Prozent vergrößern konnte und sich dadurch 0,4 Prozent mehr vom Gesamtmarkt sichern. Vor einem Jahr hätte das trotzdem nicht für den dritten Rang gereicht. Doch gleichzeitig hat Dell 11,5 Prozent weniger PCs und Notebooks absetzen können und ist dadurch auf den vierten Platz zurückgefallen. Und ASUS als Verfolger legt mit Riesenschritten zu: um 38,6 Prozent steigerte der Fünftplatzierte seine Verkäufe.

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Hausgemachte Probleme bei HP

Die Gartner-Analysten weisen darauf hin, dass der rückläufige Absatz von HP zum Teil auf die Diskussion um die Konzern-Restrukturierung zurückzuführen sei. Im August 2011 hatte der inzwischen abgetretene HP-CEO Léo Apotheker einen Verkauf der PC-Sparte angekündigt und damit Reseller, Kunden und auch die eigenen Mitarbeiter verunsichert. Zwar hat Nachfolgerin Meg Whitman inzwischen klargestellt, dass die PC-Sparte im Konzern bleiben wird, doch habe sich das PC-Geschäft nicht mehr auf den Stand vor dieser Diskussion erholt, so Gartner.

Neben den selbstverschuldeten Problemen ist die Nummer 1 des PC-Marktes aber auch unter starkem Druck von Seiten der Wettbewerber. So trete Lenovo mit aggressiven Angeboten an die Business-Kunden heran. Im Consumer-Segment sind es hauptsächlich ASUS und Samsung, die mit Kampfpreisen an den Marktanteilen von HP nagen.

Generelle Marktschwäche

Gartner-Analyst Mikako Kitagawa konstatierte das siebte schwache Quartal in Folge. Weltweit waren die Verkäufe von PCs und Notebooks im zweiten Quartal 2012 um 0,1 Prozent zurückgegangen. Es gebe in verschiedenen Märkten Unsicherheiten über die weitere wirtschaftliche Entwicklung – zu nennen ist hier beispielsweise die Eurokrise.

In einer eigenen Kategorie spielen bei Gartner Smartphones und Tablets. Dementsprechend sind deren steigenden Verkaufszahlen nicht in den Erhebungen zum PC-Markt enthalten. Insbesondere die Tablets machen sehr erfolgreich den Notebooks Konkurrenz.

Und noch eine Beobachtung haben die Gartner-Analysten parat: Intels Ultrabook-Initiative greift noch nicht richtig. Die bisherigen Anstrengungen der Entwicklungsabteilungen und die großzügigen Marketinggelder von Intel haben bislang noch keinen durchschlagenden Erfolg erzielt. Allerdings erwartet Gartner einen deutlichen Zuwachs durch die Ivy-Bridge-Modelle. Die kamen aber erst zum Ende des gerade abgeschlossenen Quartals auf den Markt und konnten so noch keine relevanten Spuren hinterlassen.

Skepsis gegenüber Europa

Während der US-Markt um 5,7 Prozent eingebrochen ist, konnte der PC-Absatz in Europa um 1,9 Prozent gesteigert werden. Dies dürfte hauptsächlich auf Investitionen und steigenden Konsum in Osteuropa zurückzuführen sein, denn in Westeuropa stagnierte das Geschäft krisenbedingt, im Süden Europas ging es sogar zurück.

Die Gartner-Analysten glauben, dass Reseller keine Risiken eingehen wollen und daher die Bestände auf einem geringen Level halten. Sie befürchten jedoch, dass die Wachstumszahlen des abgelaufenen Quartals zum Teil darauf beruhen, dass in der Distribution hohe Lagerbestände zu finden sind. Das stelle ein Risiko für das Wachstum in den kommenden Monaten dar: wenn Windows 8 und neue Ultrabooks auf den Markt kommen, aber „alte“ Ware den Kanal verstopft.

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