Wimax-Lizenzen sind verteilt Weg frei für Breitband aus der Luft

Redakteur: Katharina Krieg

Das Interesse am Breitband-Funkstandard Wimax hält sich in Grenzen. Lediglich drei Anbieter haben Frequenzlizenzen für das gesamte Bundesgebiet erworben.

Anbieter zum Thema

Drei Newcomer schicken sich an, den deutschen Breitbandmarkt umzukrempeln. DBD, Inquam und Clearwire heißen die Sieger der viertägigen Versteigerung der Wimax-Lizenzen (Worldwide Interoperability for Microwave Access) durch die Bundesnetzagentur.

Für insgesamt 56 Millionen Euro erkauften sich die drei Anbieter mit den bundesweit bis 2021 gültigen Lizenzen den Grundstock um eine flächendeckende Alternative zum kabelgebundenen DSL zu schaffen.

Dieser Betrag ist allerdings nur ein Bruchteil dessen, was die Unternehmen nun in den Auf- bau ihrer Netze investieren – beziehungsweise investieren lassen. Die Heidelberger DBD beispielsweise hat in den vergangenen Monaten bei Intel und anderen Investoren einen dreistelligen Millionenbetrag gesammelt. Damit hat sich der Chiphersteller einen festen Platz im anlaufenden Wimax-Geschäft erkauft und stellte wie aufs Stichwort Anfang Dezember mit dem »Wimax Connection 2300« den ersten mobilen Wimax-Chip in einem Centrino-Notebook vor. Ende 2007 sollen die Geräte auf den Markt kommen.

Bis dahin sollten zumindest Teile der Wimax-Netze stehen. Mit dem Lizenzerwerb sind die Anbieter nämlich auch Verpflichtungen eingegangen. So müssen sie bis 2009 15 Prozent und bis 2011 25 Prozent aller Gemeinden der ersteigerten Region mit dem Funkstandard ausgestattet haben.

Keine Zeit verlieren

Trödeln ist also nicht angesagt und so kündigt beispielsweise DBD an, noch diesen Monat mit dem flächendeckenden Rollout zu beginnen und binnen fünf Jahren ganz Deutschland erschlossen zu haben. »Wir verfügen nun über die Grundlage für den Aufbau des größten Wimax-Netzes in Europa«, freut sich CEO Fabio Zoffi und plant, der Telekom ab März ihre DSL-Kunden mit einer Funk-Flatrate abzujagen.

2007 will DBD deshalb intensiv nach Vertriebspartnern Ausschau halten, ein Partnerprogramm steckt gerade in der Entwicklungsphase. Zu möglichen Kooperationen beim Netzaufbau schweigen die Anbieter. DBD-Chef Zoffi ist allerdings überzeugt: »Wir werden über einen längeren Zeitraum der einzige Anbieter sein, der in Deutschland ein Deployment durchführt.«

Heiß umkämpft war bei der Lizenzversteigerung die Region Oberbayern. Die 437 dort zu versorgenden Gemeinden machten wohl nicht den Reiz aus, sondern die Tatsache, dass auch die Metropole München dazu gehört. Das Mindestgebot für die Gegend lag bei lediglich 760 000 Euro. Für eine Lizenz mussten die Bieter letztendlich bis zu 2,6 Millionen Euro hinblättern.

Neben den drei bundesweiten Käufern waren noch drei regionale Anbieter an der Auktion beteiligt. Die italienische MGM Productions stritt Televersa in letzter Minute die vierte verfügbare Lizenz für die Region Oberbayern ab. Der regionale Anbieter aus Töging am Inn nennt dafür aber nun die Lizenzen in Niederbayern und der Oberpfalz sein Eigen. Bereits in der siebten von insgesamt 35 Runden verabschiedete sich EWE Tel. Ursprünglich hatte der Anbieter aus Oldenburg für die Frequenzen in Bremen und Teilen Niedersachsens geboten.

Kampf um Kunden

Im Frühjahr 2006 hatten noch 102 Unternehmen Interesse an den Wimax-Lizenzen bekundet. Dieses hat sich nach einigen Pilottests sowie der Festlegung von Kautionen und Mindestgeboten durch die Bundesnetzagentur nur bei den sechs Bietern gehalten. Die Deutsche Telekom erklärte im November 2006 ihren Verzicht auf die Frequenzen mit der Begründung, man habe mit UMTS bereits eine mobile Technologie im Haus. Im gleichen Atemzug kündigte der Branchenriese an, verstärkt den Ausbau des DSL-Netzes in ländlichen Gebieten voranzutreiben. Dort soll aber auch Wimax ein Zuhause finden. »Die Chance, jetzt Kunden insbesondere in den Regionen zu gewinnen, die keine Festnetzbreitbandversorgung haben, sollten die Anbieter rasch nutzen«, stimmt Matthias Kurth, Präsident der Bundesnetzagentur, die neuen Anbieter auf einen harten Kampf um Kunden und Preise ein. Kurth bewertet das Ergebnis der Auktion als »Beweis für die Attraktivität und Offenheit des deutschen Telekommunikationsmarkts« – dieser macht es einer neuen Technologie wie Wimax aber auch schwer, noch eine lukrative Lücke zu finden.

Als entscheidende Nachteile der Wimax-Anbieter dürften sich der geringe Bekanntheitsgrad der Technologie und der verspätete Start erweisen. Während DSL heute schon jedem Kind ein Begriff ist, müssen die Wimax-Lizenzinhaber bei Null anfangen. Der hohe Frequenzbereich von 3,4 bis 3,6 Gigahertz wird ihnen zusätzlich einen positiven Imageaufbau erschweren. Da die Wimax-Funkstrahlen sich mühsam ihren Weg durch Wände bahnen können, wird ein Einsatz in Gebäuden problematisch.

Der Erwerb der Lizenzen ist für die drei bundesweiten Anbieter daher eine recht unsichere Investition. Ob sie sich dennoch gelohnt hat, wird sich in den kommenden fünf Jahren zeigen.

Wissen, was läuft

Täglich die wichtigsten Infos aus dem ITK-Markt

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung.

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Artikelfiles und Artikellinks

(ID:2001586)