ITC Channel Index Web 2.0 erfordert neue Strategien

Autor / Redakteur: Martina Sedlmaier und Dr. Rudolf Aunkofer / Katrin Hofmann

Der ITC Channel Index von GfK und IT-BUSINESS ist nach dem positiven Aufwärtstrend der vergangenen Monate weiter gewachsen. Auf sich abzeichnende Trends sollten Hersteller und Händler vorbereitet sein. Eine der erkennbaren Entwicklungen ist die Veränderung des Nutzungsverhaltens durch das Web 2.0, was neue Herausforderungen an Produktdesigns und Verkaufstechniken mit sich bringt.

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Ein Hauptaspekt des Web 2.0 ist, dass die Benutzer selbst in zunehmendem Maß zur Datenflut im Internet beitragen und dieses gestalten. Typische Beispiele hierfür sind Wikis oder Weblogs.
Ein Hauptaspekt des Web 2.0 ist, dass die Benutzer selbst in zunehmendem Maß zur Datenflut im Internet beitragen und dieses gestalten. Typische Beispiele hierfür sind Wikis oder Weblogs.
( Archiv: Vogel Business Media )

Mit einem Indexwert von 112 Punkten erreicht der ITC-Channel-Index seinen bisherigen Höchststand seit Januar des Jahres 2004. Im Vergleich zum Vormonat entspricht das einem Anstieg von 19 Punkten beziehungsweise einem Wachstum von 21 Prozent. Gegenüber dem Vorjahresmonat ist das ein Anstieg um sechs Prozent. Das Jahresendgeschäft war somit für den deutschen Channel entsprechend positiv. Der B2C-Bereich und der B2B-Bereich tragen hierzu in gleichem Maße bei. Mit 115 Indexpunkten beziehungsweise 108 Indexpunkten erreichten beide Werte ihre jeweiligen Höchststände in 2006.

Im Consumer-Bereich sorgten die Wachstumsträger des vergangenen Jahres auch weiterhin für eine positive Umsatzentwicklung. Zu den den Absatz ankurbelnden Produkten zählen wie gewohnt mobile Computer. Vor allem am Design orientierte Modelle mit Multimedia-Features wie Widescreen-Formaten und hochwertiger Grafikausstattung können punkten. Großformatige Bildschirme und leistungsstarke Prozessoren zeugen von den vielfältigen Einsatzgebieten der Notebooks im privaten Umfeld. Der Faktor Mobilität scheint sich hierbei meist auf die flexible Nutzungsmöglichkeit im Haus, das heißt vom Wohnzimmer über die Küche bis ins Kinderzimmer, zu beziehen.

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Produktewandel

Das so genannte Networking führen zu einer neuen Wahrnehmung der Informationstechnologie und zu neuen technologischen Anforderungen. Die zunehmende Emanzipation beziehungsweise Trennung von Content und Vorrichtung fordert von der Hardware einen hohen Grad an Modularität, Kompatibilität und Multifunktionalität. Eine Herausforderung, der sich Hersteller bezüglich des Produktdesigns und der Handel bezüglich des Faktors aktives Verkaufen im Jahr 2007 stellen sollten.

Ein Produktbereich, der die zunehmende Modularität der Hardware-Systeme zum Ausdruck bringt, ist das Segment der USB-Hubs, das heißt, die Erweiterung der bestehenden USB-Anschlüsse um zusätzliche Steckplätze. Dieses Segment gewinnt weiter an Dynamik und wächst beim Absatz um gut 35 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dieses Wachstum ist sicherlich auch die logische Konsequenz der starken Entwicklung der Zubehörmärkte im Jahr 2006, die keinen Abbruch findet. So beendeten Webcams, Mini-Lautsprecher, TV-, Video- und Grafik-Karten das Jahr mit einem satten Absatzplus: alle fordernd nach weiteren USB-Anschlussmöglichkeiten zum Computer.

Shootingstar Imageframes

Als attraktive Geschenkidee, als wahrer Shootingstar der IT-Segmente erwiesen sich Imageframes – kleine Displays, die sich zum Zeigen oder Abspielen digital aufgenommener Fotos eignen. Der Markt vervielfachte sich hier im Vergleich zum Vormonat. Gleichzeitig zeichnete sich damit einer der Trends für das Jahr 2007 ab – die mehr und mehr allgegenwärtige Verfügbarkeit des digitalen Bildes.

Auch die Entwicklung des Software-Marktes lässt den Blick hoffnungsvoll auf das Jahr 2007 richten. Die Veränderungsraten fallen bis auf wenige Ausnahmen verhalten aus. Buchhaltungssoftware fällt aus der Reihe. Führt doch die Mehrwertsteuererhöhung dazu, dass viele kleine Firmen diese aktualisieren. Das Software-Segment insgesamt wächst bei Consumern um über 40 Prozent nach Stückzahlen.

Im B2B-Umfeld zeigte sich vor allem die Nachfrage im mittelständischen Bereich (SMB) nach einem eher verhaltenen Jahresverlauf erstmalig sehr gut. Der Indexwert kletterte hier von 90 auf 107 Punkte. Aussagen, wonach gerade der SMB-Bereich 2007 eines der Wachstumssegmente sein wird, sind vor dem Hintergrund dieser Entwicklung durchaus gerechtfertigt.

Die Nachfrage bei großen Unternehmen (Enterprise) entwickelte sich zwar analog positiv, allerdings bei weitem nicht mit dem Plus wie sie der SMB-Bereich im Jahresvergleich aufweist, sondern lediglich mit einem Prozent Wachstum. Nach wie vor kennzeichnete hier abwartendes Nachfrageverhalten die Marktentwicklung, die unter anderem durch den Launch von Vista oder Office 2007 begründet gewesen sein dürfte. Generell wirkt sich aber auch hier die positive wirtschaftliche Gesamtlage auch positiv auf die aktuelle Marktsituation aus. Nach einer Periode des »ersten Erfahrungen sammeln« mit Vista beziehungsweise Office 2007 dürfte auch hier mittelfristig von verstärkter Nachfrage auszugehen sein.

Systemhäuser profitieren

In Konsequenz dürfte ab der zweiten Jahreshälfte 2007, spätestens jedoch 2008 mit einem verstärkten Computer-Replacement, also Ersatzkäufen, zu rechnen sein. Gerade Systemhäuser, die alle drei nachfragerelevanten Komponenten – Hardware, Software oder Softwareprogrammierung als auch Services – aus einer Hand anbieten, dürften von dieser Entwicklung überproportional profitieren. In Summe kann von Zuwachsraten für das erste Halbjahr 2007 im B2B-Umfeld ausgegangen werden, da die positive Konjunkturentwicklung sich weiter stabilisierend auf die Nachfrage auswirken müsste. Im Consumermarkt dürften ein neues Betriebssystem sowie der neue Umgang mit dem Internet für positive Impulse bei Software sorgen und auch die Hardwaremärkte weiter beflügeln. Ein entscheidender Erfolgsfaktor im Jahr 2007 wird die Anpassungsfähigkeit an die sich verändernde IT-Landschaft im Zeichen des individuell genutzten und interaktiven Internets sowie die Nutzung der sich daraus ergebenden Vermarktungschancen sein. Nach den Erfahrungen des ersten Internet-Booms gilt es, die Chancen und Risiken des nun zu erwartenden zweiten Internet-Hochs Web 2.0 mit Umsicht zu bewerten und abzuwägen.

Heimvernetzung: Trend zu Wireless

Die Nachfrage bei der Heimvernetzung konzentriert sich derzeit auf Access-Points, Router, Media-Gateways (DMA) und Netzwerkkarten. Hierbei wird deutlich, dass die Wireless-Technologien – Wireless-Router und Wireless-Netzwerkkarten – signifikant stärker von der Nachfrage profitieren als die Wired-Produkte. Das Heimnetzwerk löst sich somit mehr und mehr von einer kabelgebundenen Vernetzung und wird in naher Zukunft überwiegend drahtlos sein, wenn man von einzelnen beziehungsweise speziellen Anwendungsgebieten wie Online-Gaming absieht.

Die Ursachen hierfür sind die gestiegene Haushaltsausstattung mit Notebooks, die eine WLAN-Option anbieten. Preisgünstig angebotene Flatrates und in Konsequenz der Trend, verstärkt Online-Informationsinhalte nachzufragen, werden den Trend weiter verstärken. Online-Inhalte wie Bilder, Clips, Filme und Informationen werden in den deutschen Haushalten verstärkt dezentral genutzt werden, das heißt nicht mehr beschränkt auf das Wohnzimmer beziehungsweise ein anderes einzelnes Zimmer abgerufen werden. Die Fragestellung der Zukunft wird somit nicht sein, ob der Computer in den von Entertainment beziehungsweise das Fernsehen dominierten Bereich Wohnzimmer wandert, sondern sie wird eher lauten »in wie vielen Räumen und zu welchen individuellen Zwecken IT-Technologie im gesamten Haus beziehungsweise in der gesamten Wohnung verwendet wird«.

(ID:2002597)