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Zoll-Leitfaden für Unternehmen Was könnte der Brexit für Händler bedeuten?

Autor: Sarah Gandorfer

Die Ungewissheiten über Fortschritt und Verlauf der politischen Verhandlungen in Großbritannien erschweren belastbare Prognosen über die künftige Ausgestaltung der Beziehungen zwischen der UK und der Europäischen Union (EU). Der Deutsche Zoll und die EU-Kommission haben dazu Leitfäden verfasst, was zu beachten ist.

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Die Brexit-Entwicklungen ändern sich momentan noch täglich.
Die Brexit-Entwicklungen ändern sich momentan noch täglich.
(Bild: fotogestoeber - stock.adobe.com)

Ursprünglich wollte Großbritannien die EU am 29. März verlassen, nun wurde die Frist bis zum 12. April 2019 verlängert. Ob der Austritt geordnet oder ungeordnet vonstatten geht, ist ungewiss. Ungewiss ist somit derzeit ebenfalls, wie es künftig mit dem Handel mit dem Vereinigten Königreich aussehen wird. Laut dem Online-Bezahldienstleister Paymill laufen über 30 Prozent der internationalen Online-Warenströme über Großbritannien ab.

Bei einem ungeordneten Brexit rechnet Trustedshops.de je nach Produktkategorie mit Mehrkosten von bis zu 15 Prozent. Ein weiteres Manko bilden möglicherweise die Lieferzeiten. Beispielsweise dauert ein versichertes DHL-Paket aus dem Nicht-EU-Land Norwegen momentan mit durchschnittlich 7,5 Tagen zweieinhalbmal länger als aus dem noch EU-Mitgliedsstaat Großbritannien.

Bei einem ungeregelten Brexit hat die britische Regierung bereits angekündigt, die Importzölle auf 87 Prozent der Waren fallenzulassen. Falls die EU ähnlich reagiert – was sie nicht muss – droht wenigstens von dieser Seite wenig Gefahr.

EU-Leitfaden

Die Europäische Kommission hat auf ihren Webseiten einen Zoll-Leitfaden für Unternehmen als Vorbereitung auf den Brexit veröffentlicht. Hier heißt es: „Wird kein (im Austrittsabkommen festgelegter) Übergangszeitraum vorgesehen oder keine endgültige Vereinbarung getroffen, werden die Handelsbeziehungen mit dem Vereinigten Königreich ab dem 30. März 2019 den allgemeinen Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) ohne Anwendung von Präferenzen unterliegen.“

Das bedeutet unter anderem, dass Zollformalitäten erledigt werden müssen. Zudem werden die EU-Mitgliedsstaaten auf Waren bei der Einfuhr aus dem Vereinigten Königreich in die EU Mehrwertsteuer erheben. Ausfuhren sind von der Mehrwertsteuer befreit. Die Vorschriften für die Entrichtung der Mehrwertsteuer gilt auch für die Erbringung von Dienstleistungen.

In der Brexit-Checkliste empfiehlt die Kommission Unternehmen, die in Großbritannien wirtschaftlich tätig sind, sich bei der internationalen Zollbehörde zu registrieren. Auch der Deutsche Zoll mahnt auf seinen Internetseiten, dass Unternehmen, die Waren nach Großbritannien in- oder exportieren, vorab prüfen sollen, inwieweit bestehende Bewilligungen angepasst werden können sowie neue zollrechtliche Bewilligungen zu beantragen sind – insbesondere bei der Bewilligung für den Betrieb eines Verwahrungslagers bei der Einfuhr von Waren. Für den Neuantrag sind Bearbeitungsfristen zu beachten.

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Über den Autor

 Sarah Gandorfer

Sarah Gandorfer

Redakteurin bei IT-BUSINESS