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Weiter nur eine Finanzmarktkrise oder doch eine Wirtschaftskrise?

Was die Player im IT-Markt zur aktuellen Wirtschaftslage sagen

08.10.2008 | Autor / Redakteur: Gesamte Redaktion IT-BUSINESS / Harry Jacob

Die aktuelle Finanzkrise hat unvorstellbare Geldmengen vernichtet. Das drückt auch auf die Realwirtschaft.
Die aktuelle Finanzkrise hat unvorstellbare Geldmengen vernichtet. Das drückt auch auf die Realwirtschaft.

Klaus Hellmich, CEO, Actebis Peacock

Klaus Hellmich, CEO, Actebis Peacock
Klaus Hellmich, CEO, Actebis Peacock

Aus unserer Sicht hat das Einschreiten der Europäischen Zentralbanken den Zusammenbruch der Finanzmärkte verhindert, weshalb derzeit der IT-Markt hierzulande nicht direkt betroffen ist. Es ist allerdings ein Fakt, dass Kredite sich verteuern und Banken zudem die Hürden bei der Vergabe der Kredite erhöhen. Die Auswirkungen der Psychologie auf Aktienkurse, auf das Verhalten der Verbraucher und damit auf die Wirtschaft inklusive des ITK-Markts, sind dagegen nur schwer abzuschätzen.

Michael Dressen, Geschäftsführer, Also Deutschland

Michael Dressen, Geschäftsführer, Also Deutschland
Michael Dressen, Geschäftsführer, Also Deutschland

Es hat im Laufe des Jahres 2008 eine Abschwächung gegeben, die allerdings eher Folge eines allgemeinen Abschwungs als der Finanzkrise geschuldet ist. Das wird sich aber ändern. Wir gehen davon aus, dass das Geschäft noch eine Weile, vielleicht bis Weihnachten, verhältnismäßig gut laufen wird. Ab dem Frühjahr 2009 jedoch besteht die Möglichkeit eines starken Markteinbruches.

Zwei Dinge gilt es dabei zu unterscheiden: Der momentane Stress an den Börsen und im Interbankengeschäft ist eine »technische Reaktion«, die auf eine Störung der Kreditmärkte zurückgeht. Die wirkliche Ursache der Krise ist die Überschuldung der amerikanischen Verbraucher und Firmen. Diese Überschuldung muss jetzt zurückgeführt werden, da die Veränderung auf den Kreditmärkten und das verlorene Vertrauen in die Finanzwirtschaft die Kreditmärkte massiv einschränken wird. Dadurch sind die Verbraucher in den USA zu erheblichen Konsumeinschränkungen gezwungen, die zu einer rückläufigen Wirtschaftsentwicklung führt, die auf alle anderen Märkte der Welt ausstrahlen wird.

Welche Folgen ergeben sich daraus für den IT-Markt generell? Die IT Märkte reagieren seit etwa 2000 extrem sensibel auf wirtschaftliche Veränderungen. Einen Einbruch bis hin in den zweistelligen Prozentbereich halten wir für möglich. Die Branche ist extrem dünn mit Eigenkapital finanziert, daher ist mit einer Welle von Insolvenzen ab Frühjahr zu rechnen.

Wie reagiert Also auf diese Entwicklung? Wir versuchen seit zwei Monaten, unsere Marge zu stabilisieren, die durch den seit dem Frühjahr ausufernden Preiskrieg unter den Distributoren eingebrochen war. Ich denke, das ist im Interesse aller Distributoren, da wir schon jetzt kaum mehr Geld verdienen können. Wir werden unsere Lagerbestände, aber auch die Anzahl unserer Mitarbeiter, der erwarteten Umsatzentwicklung anpassen.

Gerhard Hundt, Managing Director und Senior Vice President Avnet Technology Solutions Europa

Gerhard Hundt, Managing Director und Senior Vice President Avnet Technology Solutions Europa
Gerhard Hundt, Managing Director und Senior Vice President Avnet Technology Solutions Europa

Ich erwarte kurz- und mittelfristig Auswirkungen auf den IT-Markt. Die Finanzkrise bleibt nicht »nur« eine Finanzkrise, sondern wird sich auch auf die Industrie niederschlagen, und wir werden in eine Rezession kommen. Dieses wird eine sinkende Nachfrage auch nach IT Produkten zur Folge haben.

Für unser Unternehmen rechne ich mit verhaltenem bis zu keinem Wachstum – bedingt durch eine schwächere Nachfrage. Dies wird sich allerdings in den verschiedenen Produktbereichen unterschiedlich auswirken. Es wird auch weiterhin Wachstumsbereiche geben.

Wir werden wiederum alle Kostenpositionen durchleuchten, überprüfen und auf die neue Situation einstellen. Das bezieht sich auf die Effizienz unserer Prozesse, auf Transportkosten und die gesamte Wertschöpfung, die wir erbringen. Dies sind allerdings normale unternehmerische Entscheidungen, die wir in der Distribution ständig treffen müssen. Insofern gibt es keine »Sondermaßnahmen«.

Michael Binkert, Geschäftsführer, BHS Binkert

Michael Binkert, Geschäftsführer, BHS Binkert
Michael Binkert, Geschäftsführer, BHS Binkert

Kaufzurückhaltung beim Privatkunden, Investitionsstau in Unternehmen – das sind die üblichen Folgen solcher Krisen. Wobei auch eine ganze Menge Psychologie mitspielt und man sich die Krise vielleicht größer redet, als man sie im konkreten Fall tatsächlich zu spüren bekommt. Investitionen in moderne IT sind ja schließlich keine Beschäftigungstherapie, sondern absolut notwendig, um die Geschäftsabläufe und die eigene Konkurrenzfähigkeit zu optimieren.

Wir spüren derzeit noch keine Veränderung. Ich glaube auch, dass uns unsere traditionell sehr internationale Ausrichtung beim Einkauf und den Absatzquellen in einer solchen Situation zugute kommt, da wir sehr flexibel agieren können. Zum Beispiel haben wir einigen Spielraum bei der Preisgestaltung, den wir an unsere Kunden weitergeben können, wenn es die weiteren Entwicklungen erfordern. Zudem boomen Unterhaltungselektronik und Digitalfotografie immer noch derart, dass dieser Schwung meiner Ansicht nach jetzt nicht sofort zusammenfällt.

Axel Grotjahn, Vorstand der Devil AG

Axel Grotjahn, Vorstand der Devil AG
Axel Grotjahn, Vorstand der Devil AG

In Deutschland neigt man sehr schnell zum Pessimismus. Die Situation am Finanzmarkt und deren Auswirkungen sind sicher ernst, aber kein Anlass, in Panik zu verfallen. Aus unserer Informationsgesellschaft sind IT-Güter nicht wegzudenken, insofern gehen wir von einem relativ stabilen IT-Markt aus. In unserem Business prägt Konsolidierungsdruck seit Jahren das Geschäft. Distribution und Reseller agieren da überwiegend sehr diszipliniert.

Devil agiert auf Basis schwarzer Zahlen mit gesunden Geschäftsergebnissen. Unsere schlanken und effizienten Organisationsstrukturen erlauben die schnelle Reaktion und Anpassung auf Veränderungen im Markt. Im Falle einer Marktbereinigung sehen wir unser Konzept gut positioniert. Eine verschärfte Konsumflaute würde sicher auch den Fachhandel als unsere Kernzielgruppe treffen, allerdings nicht mehr als andere Handelsformern. Im Gegenteil: Eine mögliche Krise birgt immer auch Chancen, die konzentriert genutzt werden müssen. Beispiel: Wenn der Endkunde spart und statt des Fertigrechners seinen PC auf- oder umrüstet, dann geht er zum Fachhandel. Als einer der stärksten Komponenten-Distris im Fachhandel profitieren wir wiederum davon.

Gerhard Schulz, Senior Vice President, Ingram Micro Central- and Eastern Europe

Gerhard Schulz, SVP Ingram Micro Central- and Eastern Europe
Gerhard Schulz, SVP Ingram Micro Central- and Eastern Europe

Die gesamtwirtschaftliche Situation sehe ich im Moment als hochgradig kritisch an. Wir erleben einen ständig steigenden Bedarf an Rohmaterialien in Asien, die Kreditsituation in den USA beruhigt sich nicht, der Dollarkurs war lange Zeit im Sinkflug. Wir leben in einer globalisierten Welt, mit allen Vor- und Nachteilen, die das mit sich bringt. Mit den explodierenden Energiepreisen hatten in diesem Jahr Privatpersonen und Unternehmen zu kämpfen. Die Inflation ist hoch; die Schere zwischen Arm und Reich öffnet sich weiter – mit allen Ängsten, die dadurch in der Mittelschicht ausgelöst werden. Die Rentabilität speziell der Unternehmen aus dem Transport- und Logistiksegment nahm im laufenden Jahr dramatisch ab, besonders kleinere und mittelständische Firmen mussten Insolvenz anmelden. Zu alledem kommt noch der massive Preisverfall bei den IT-Produkten, der zusätzlich über die Dollarentwicklung getrieben ist, und der aggressive Preiskampf, der in unserer Branche tobt.

Simone Frömming, Geschäftsführerin Vertrieb bei Tech Data Deutschland

Simone Frömming, Geschäftsführerin Vertrieb bei Tech Data Deutschland
Simone Frömming, Geschäftsführerin Vertrieb bei Tech Data Deutschland

Derzeit sehen wir keinen Einfluss der Finanzkrise auf unser Geschäft, da wir mit unseren IT-Produkten eine sehr breite Kundenbasis (SMB-Fachhandel, Corporate Reseller, Key Account Kunden) bedienen. Gerade im bevorstehenden Weihnachtsgeschäft erwarten wir in Deutschland für IT-Produkte keinen signifikanten Nachfragerückgang. Auch werden in den Unternehmen bereits begonnene IT-Projekte, die IT Investitionen erfordern, in der Regel weiterhin umgesetzt.

Mit Blick auf einen Zeitraum von in vier bis zwölf Monaten sehen wir sehr wohl, dass IT-Projekte von Unternehmen auf der Zeitachse nach hinten geschoben werden, um kurzfristig Investitionen zu sparen. Da die deutsche Wirtschaft stark exportorientiert ist, wird abzuwarten sein, welche Auswirkung die Finanzkrise auf diese Unternehmen hat. Erste Auswirkungen, zum Beispiel Produktionsunterbrechungen und -reduzierungen bei Automobilherstellern, sind bereits sichtbar. Dies kann zu weiterer Investitionszurückhaltung bei Unternehmen und Kaufzurückhaltung bei Konsumenten führen. Dies hätte auch eine Auswirkung auf unser Geschäft. Wir werden die diesbezügliche Entwicklung in den nächsten Monaten genau beobachten. Für unsere Reseller sind wir ein Partner mit einer gesunden Kapitalstruktur. Die Tech Data Corporation befindet sich in einer starken Finanzposition, was auch an der Börse registriert wird. Wir haben rechtzeitig vorgesorgt und bereits in den vergangenen Quartalen unsere Prozesse und die Infrastruktur europaweit aufgesetzt.

Wir gehen davon aus, dass in Zukunft mehr Vertriebspartner vor dem Hintergrund einer Unterstützung bei Finanzierungen ihre Geschäftsbeziehung mit uns ausweiten möchten. Hier werden wir jeden Einzelfall streng prüfen und die Konditionen eines Geschäftes im Ganzen beurteilen, bevor wir es abschließen. Tech Data investiert zusätzlich auch in IT-Systeme, um weiterhin möglichst unabhängig von Informationen Dritter, Kreditentscheidungen qualifiziert zu treffen.

Lesen Sie auf Seite 6 Stimmen von Herstellern zu den Auswirkungen der Finanzkrise auf die IT-Branche.

 

Diese Firmen haben sich an der Umfrage zur Stimmung im IT-Markt beteiligt:

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