Campusnetze sind kein klassisches Rollout-Projekt Was bei der Einführung von Private 5G zu beachten ist

Von Bernhard Lück

5G-Campusnetze sind in der Einführung, Umsetzung und im Betrieb einem komplexen IT-System recht ähnlich, sagt der weltweit tätige IT-Dienstleister NTT und erklärt, wo Fallstricke lauern und was Unternehmen beachten müssen, um im Digitalisierungsprozess nicht abgehängt zu werden.

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NTT-Geschäftsführer Kai Grunwitz: „Richtig angewendet, ist 5G ein hervorragender Treiber für Digitalisierung, Automatisierung und datengetriebene Geschäftsentwicklung.“
NTT-Geschäftsführer Kai Grunwitz: „Richtig angewendet, ist 5G ein hervorragender Treiber für Digitalisierung, Automatisierung und datengetriebene Geschäftsentwicklung.“
(Bild: NTT)

Ein 5G-Netz kann Unternehmen dank deutlich höherer Geschwindigkeiten und geringer Latenzen in vielen Anwendungsbereichen Vorteile verschaffen – von der Automatisierung von Betriebsabläufen in Fertigung und Logistik über die Steuerung autonomer Fahrzeuge bis hin zu Sicherheitsanwendungen und Augmented Reality. Im November 2019 gab die Bundesnetzagentur (BNetzA) den Weg in Deutschland frei, ein firmeneigenes 5G-Netz aufzubauen und zu nutzen. Die Beantragung für Private 5G sei unkompliziert, die Kosten seien gering. Bei der Realisierung entsprechender Projekte stünden Unternehmen aber vor verschiedenen Herausforderungen, um aus den Möglichkeiten Realität werden zu lassen.

5G ist mehr als eine reine Netzwerkmodernisierung

Eine strukturierte Aufnahme, an welchen Stellen im Unternehmen der neue Mobilfunkstandard zum Einsatz kommen kann, findet NTT zufolge meist nicht statt. Stattdessen werde der Fokus häufig auf einzelne Use Cases wie selbstfahrende Fahrzeuge gelegt. Innovative Anwendungsbereiche würden aber ganz woanders liegen, 5G sollte als Enabler für IoT, KI, Edge Computing und andere Themen gesehen werden. Deshalb sei eine ganzheitliche Analyse entlang der Möglichkeiten von 5G unvermeidlich, um individuelle Einsatzbereiche zu identifizieren und so neue Geschäftsmodelle zu erschließen. Zudem reiche ein einzelner Use Case in der Regel nicht aus, um die Kosten für Anschaffung und Einrichtung der erforderlichen Infrastruktur zu rechtfertigen. Vielmehr müssten Unternehmen in die Zukunft blicken und sich neuen Handlungsoptionen gegenüber offen zeigen.

Hohe Investitionen setzen einen fundierten Businessplan voraus

Grundsätzlich sei der Einsatz einer neuen Technologie betriebswirtschaftlich, technisch und rechtlich genau zu prüfen. Bei Private 5G treffe man selten auf ein Greenfield-Szenario, wo deutlich einfacher geplant werden könne. Vielmehr müsse die vorhandene ITK-Infrastruktur eingebunden werden, damit Prozesse nach der Inbetriebnahme des Campusnetzes störungsfrei weiterlaufen. Zudem würde ein hochwertiges Funknetz gerade bei Außenantennen ab einer gewissen Sendeleistung zusätzliche Genehmigungen voraussetzen, um beispielsweise Strahlungsgrenzwerte einzuhalten. Bei der Abschätzung, ob der Aufbau und Betrieb von Private 5G sinnvoll ist, seien deshalb umfangreiche Kosten-Nutzen- sowie Standortanalysen unerlässlich.

Fragen zu Betriebsmodell und Architektur klären

Grundsätzlich könnten 5G-Campusnetze als private Netze mit eigenem Core oder in Verbindung mit dem öffentlichen Netz der Netzbetreiber realisiert werden. Die Wahl des Betreibermodells habe Einfluss auf die Leistungsfähigkeit, Sicherheit und Flexibilität der Netze und müsse deshalb auf die individuellen Anforderungen abgestimmt sein. Wird die Einführung von 5G unter dem Aspekt einer ganzheitlichen Digitalisierung betrachtet, seien darüber hinaus weitere Fragen zu klären: Welche Datenarchitektur wird benötigt? Wie können Systeme zusammengeführt werden? Wie muss die Sicherheitsarchitektur designt werden? Welche Kompetenzen brauchen die Mitarbeiter?

Einen erfahrenen Partner finden

Die Einführung von Private 5G sei kein klassisches Rollout-Projekt, bei dem „nur“ neue Komponenten installiert werden müssten und das mit dem Go-live abgeschlossen werden könne. Derzeitige 5G-Campusnetze befänden sich noch sehr früh im Produktzyklus, d.h., in Aufbau und Implementierung seien viele Anpassungen erforderlich, teilweise fehle die notwendige Technik wie 5G-Module. Die Mobilfunktechnologie sei zudem bis zur aktuellen Generation ausschließlich den Carriern vorbehalten gewesen, weshalb Expertise im herkömmlichen Enterprise-Networking-Bereich nur bedingt weiterhelfen könne. Unternehmen sollten sich deshalb einen erfahrenen Partner an Bord holen, wenn sie das Beste aus ihrem 5G-Netz herausholen wollen.

„Richtig angewendet, ist 5G ein hervorragender Treiber für Digitalisierung, Automatisierung und datengetriebene Geschäftsentwicklung. 5G allerdings nur als neue, verbesserte Funknetztechnologie zu begreifen, führt nicht zum Ziel“, erklärt Kai Grunwitz, Geschäftsführer der NTT Ltd. in Deutschland. „Unternehmen sollten frühzeitig handeln, um im Digitalisierungsprozess nicht abgehängt zu werden. Die IT muss vorbereitet sein und wissen, in welchen Unternehmensbereichen ein 5G-Campusnetz Vorteile schaffen kann. Durch eine Private-5G-Lösung gewinnt ein Unternehmen ohne Frage viel Kontrolle und Unabhängigkeit. Fakt ist: Bis jetzt ist noch jede Mobilfunkgeneration ein kommerzieller Erfolg geworden. Deshalb werden auch dieses Mal die Mutigen, die innovativ und kontinuierlich nach neuen Anwendungsmöglichkeiten suchen, belohnt werden.“

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