Zwischen proprietärer Software und Open Source Warum sich nur offene Software-Standards wirklich lohnen

Redakteur: Dr. Andreas Bergler

Jan Wildeboer von Red Hat warnt vor den Gefahren, die aufkommen, wenn Unternehmen sich bei der Software-Auswahl auf einzelne Player konzentrieren. Im Gespräch mit IT-BUSINESS zeigt er Möglichkeiten auf, diesen Gefahren entgegenzuwirken.

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Wenn sich Unternehmen bei ihren Produktentscheidungen auf die Größen des Softwaremarkts konzentrieren, scheint das ihnen gerade in Krisenzeiten entgegenzukommen. Doch das dicke Ende könnte bald kommen – nämlich dann, wenn die großen Player ihre Marktmacht auszuspielen beginnen. Entsprechend den positiven Konjunkturprognosen könnte dies schon im diesem Jahr der Fall werden.

ITB: Wieso hat die Wirtschaftskrise den Software-Größen in die Hände gespielt?

ITB: Wieso hat die Wirtschaftskrise den Software-Größen in die Hände gespielt?

Wildeboer: Die großen Player nutzen die Wirtschaftskrise für sich. Konkurrenten wurden gekauft oder aus dem Markt verdrängt. Dabei bleibt es aber nicht: Beratungshäuser, Systemintegratoren und Service Provider, die sich in der Hoffung auf ein vermeintlich besseres Geschäft auf die Seite der Software-Größen geschlagen haben, verstärken die gefährliche Marktkonzentration im Anbietermarkt. Bald könnten sich wettbewerbsgefährdende Oligopole herausbilden. Die Folgen müssten die Kunden ausbaden: noch mehr Hersteller- und Produktabhängigkeit, zu hohe Produkt- und Dienstleistungspreise sowie noch geringere Chancen, sich bei der Weiterentwicklung ihrer IT aus dem Korsett weniger Hersteller zu befreien.

ITB: Sie sehen also die Gefahren einer zu starken Abhängigkeit und nicht marktgerechter Preise für die Anwender aufziehen?

Wildeboer: Ja, dadurch dass sich die meisten der produktflankierenden Dienstleister auf die Seite weniger Hersteller geschlagen haben, drohen den Anwendern diese Gefahren über den kompletten Lebenszyklus ihrer eingesetzten Software, beginnend mit der Projektierung. Deshalb ist diese aufkommende Entwicklung für die Unternehmen und ihr IT-Budget so gefährlich. Die Stunde der Wahrheit wird spätestens dann für die Anwender kommen, wenn der Markt wieder anzieht. Dann werden die wenigen verbleibenden Software-Größen ihre Muskeln spielen lassen. Sie werden ihre Kunden über die Maßen zur Kasse bitten. Ein Entrinnen aus der Bindung an Hersteller, Produkte und Dienstleister dürften dann für die Unternehmen noch schwieriger sein als heute.

ITB: Software-Hersteller und Dienstleister stellen doch immer wieder Standards heraus. Dies müsste doch künftig ein Umsteigen auf alternative Konzepte, Architekturen und Programme erleichtern?

Wildeboer: Wenn Software-Player das Wort „Standard“ in den Mund nehmen, meinen sie genau das Gegenteil: proprietäre Schnittstellen, Protokolle und Formate. Sie stellen sich einer Integration mit Systemen, die nicht zum engen Kreis der Partner gehören, vehement in den Weg. Kaum anders stellt sich die Ausgangssituation für die Unternehmen dar, wenn sie ihr Heil im IT-Outsourcing suchen. Auch von dort greift der lange, proprietäre Arm der Software-Marktführer. Die Folge: Auch über IT-Outsourcing laufen die Geschäftskunden in sich verstärkende Hersteller- und Produktbindungen hinein – und das nachhaltig. Eine Form der Nachhaltigkeit, die kaum im Interesse der Kunden liegen dürfte. Genauer betrachtet sind in jeder Konstellation – Eigenbetrieb wie Outsourcing – die vermeintlichen Standards nicht anderes als herstellerspezifische Schnittstellen, Protokolle und Formate. Die Software-Player und Service Provider wollen sie bei ihren Kunden in voller Breite als Betriebsstandards etablieren. Die Leidtragenden werden im vollen Umfang die Anwender sein.

Wie die Unternehmen den drohenden Entwicklungen entgegensteuern können, lesen Sie auf der nächsten Seite.

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