Kontroverse Warum der IT-Fachkräftemangel Ansichtssache ist

Autor / Redakteur: IT-BUSINESS / Dr. Stefan Riedl / Dr. Stefan Riedl

Wenn vom Mangel an IT-Fachkräften die Rede ist, scheiden sich die Geister. Der Interpretationsspielraum bei Umfragen ist groß und zudem ist das Thema hochpolitisch. Branchenverbände, Personaldienstleister, arbeitslose sowie angestellte IT-Fachkräfte, Freiberufler und Gewerkschaften haben verschiedene Interessen und Meinungen.

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Wenn es um den Arbeitsmarkt für IT-Fachkräfte geht, wird die Diskussion schnell politisch.
Wenn es um den Arbeitsmarkt für IT-Fachkräfte geht, wird die Diskussion schnell politisch.
(© Amy Walters - Fotolia.com)

Dass eins plus eins gleich zwei ist – darüber kann man nicht streiten. Über die Frage ob zwei nun zu viel oder zu wenig ist, allerdings schon. Das eine ist eine Tatsache, das andere eine Interpretation.

Das ist die erste Ebene, auf der in der Frage rund um das Thema „IT-Fachkräftemangel“ gestritten wird. Ergibt eine Umfrage, dass ein bestimmter Anteil der Unternehmen Probleme damit hat, IT-Stellen zu besetzen, kann der für den einen relativ groß und für jemand relativ klein sein. Gute Mitarbeiter sind immer schwer zu finden, daher spielt auch beispielsweise der Branchenvergleich eine Rolle und die Frage, wie es bei anderen Berufen gegenwärtig aussieht.

Manpower Group

Eine aktuelle Umfrage zu diesem Thema stammt vom Personalberater Manpower Group. Mit 38.000 Teilnehmern aus 42 Ländern in 2013 zeigt die Umfrage auf, welche Stellen weltweit schwer zu besetzen sind. Für Deutschland wurden über 1.000 Unternehmen befragt, die laut Manpower Group einen Querschnitt der gesamtdeutschen Wirtschaft darstellen. 35 Prozent der deutschen Unternehmen hatten demnach Probleme, geeignete Spezialisten zu finden, das sind sieben Prozent weniger als im Vorjahr. Der Fachkräftemangel in Deutschland nimmt demnach ab, so die Interpretation des Unternehmens. Im IT-Bereich scheint sich die Lage auch im Vergleich zu anderen Branchen entspannt zu haben. Die IT-Fachkräfte rutschen im Ranking der am schwierigsten zu besetzenden Positionen von Platz 4 auf Platz 9. Besonders schwer sind Handwerker-Stellen zu besetzen (Platz 1).

Industrie- und Handelskammer

Eine andere aktuelle Studie kommt von der Industrie- und Handelskammer (IHK). Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hat im Rahmen seiner Umfrage zu „Wirtschaftslage und Erwartungen“ im Herbst 2012 die angeschlossenen IHKs gebeten, Unternehmen zu dem Thema Fachkräftesicherung zu befragen. Mehr als 20.000 Unternehmensantworten liegen der Auswertung zugrunde. Demnach können 88 Prozent der IT-Dienstleister zumindest einige der offenen Stellen nicht besetzen. In der Informationswirtschaft seien es 83 Prozent. Wenn Unternehmensberater suchen, dann überdurchschnittlich häufig vergeblich nach IT-Experten (39 Prozent). In der Kultur- und Kreativwirtschaft sind es 29 Prozent. Insgesamt ist von „partiellen Engpässen“ bei den IT-Berufen die Rede. Besonders schwer seien aber im Bereich der technischen Berufe Ingenieure, Elektroinstallateure oder Werkzeugmacher zu finden. Wieder gilt: Fachkräftemangel ist Interpretationssache.

Politische Ebene

Eine arbeitslose IT-Fachkräft hat naturgemäß andere Ansichten zum Thema IT-Fachkräftemangel als ein Personaldienstleister, der auf seine Dienste aufmerksam machen will oder ein Branchenverband, der für seine Mitglieder auf ein möglichst großes Arbeitsmarktangebot hinwirken will. Von der IG Metall als Arbeitnehmervertreter gehen die Forderungen hingegen eher in Richtung bessere Bezahlung, mehr Ausbildungsplätze und mehr innerbetriebliche Weiterbildung.

In letzter Konsequenz ist das Thema Fachkräftemangel in der Informationstechnologie und in anderen Branchen hochpolitisch. Umfrageergebnisse sind stets nur so gut wie das Studiendesign und bei der Interpretation ist der Spielraum groß.

Für ein Unternehmen, dass eine IT-Stelle nicht besetzen kann und deswegen mit Problemen zu kämpfen hat, ist der IT-Fachkräftemangel definitiv gegeben. Für einen IT-Profi, der keine neue Stelle findet, weil er womöglich als zu alt gilt, ist er hingegen nur ein politisches Buzzword.

In letzter Konsequenz ist das Thema IT-Fachkräftemangel also Ansichtssache. □

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