60 Jahre Tape - k(l)eine Gedenkrede, Teil 1

Von der Tape-Idee bis zur Marktkonfusion

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Das Tape in der Wabe

Man kann ihn als ersten virtuellen “Plattenspeicher” bezeichnen, der gleichzeitig ein automatisches Bandarchiv darstellte. Alle aktiven Bandpatronen lagerten in einem Schrank mit einander gegenüberliegenden Regalen in wabenförmigen Zellen.

Bild 4: Das Bandarchiv der Vergangenheit sieht auch heute noch sehr futuristisch aus.
Bild 4: Das Bandarchiv der Vergangenheit sieht auch heute noch sehr futuristisch aus.

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Alle aktiven Bandpatronen lagerten in einem Schrank mit einander gegenüberliegenden Regalen in wabenförmigen Zellen. Bei Anforderung durch die Programme bewegte eine sinnreiche Konstruktion einen sogenannten Picker automatisch zur richtigen Patrone.

Der Picker hielt den Datenträger im Gegensatz zu späteren mechanischen Greifern elektromagnetisch fest und brachte ihn zu einer Schreib- und Lesestation, von der die gewünschten Daten zum Verarbeiten auf bestimmte Magnetplattenlaufwerke (Staging Devices) übertragen wurde oder umgekehrt.

Nach Ablauf der Operation brachte die gleiche Vorrichtung die Patronen an ihren Lagerort zurück. Der Bediener war nur noch mit den Patronen befasst, die der Massenspeicher nach Programmvorgaben über entsprechende Stationen aussteuerte oder die er von außen anforderte. Der Massenspeicher konnte bis zu 236 Gigabyte im Zugriff der Prozessoren halten.

Das letzte Rollenband

Auf der Magnetbandsubsystemseite führte IBM 1983 das letzte Rollenbandsystem mit der IBM 3430 ein, das vor allem bei IBM 43xx und IBM 303x Series Prozessoren, aber auch bei dem damaligen Midrange System/38, seinen Einsatz fand.

Bild 5: Das IBM 3430 beendet das Zeitalter der Rollenbandsysteme.
Bild 5: Das IBM 3430 beendet das Zeitalter der Rollenbandsysteme.

Aufgrund der ein Jahr später angekündigten neuen IBM 3480 Kassettentechnik als Ablösung der Rollenbänder fanden 3430 Einheiten nicht in grossen Stückzahlen ihren Absatz, hielten sich aber dennoch ziemlich lange auf dem Markt, um der Datenträgeraustauschanforderung gerecht zu werden, die in den Folgejahren immer noch auf Rollenbändern gemacht wurde.

Fortschritt reduziert Standfläche

Mit der IBM 3480 wurde 1984 der Wechsel von den bis dahin verwendeten Rollenbandsystemen auf die Kassettentechnik eingeleitet. Das neue Magnetbandsystem IBM 3480 übertrug gleich schnell wie die Plattenspeicher IBM 3380 mit drei MByte pro Sekunde und schloss damit die Lücke im Gesamtsystemverhalten.

Die bis dahin verwendeten 10 ½ Zoll Rollenbänder der 3420 Technologie wurde durch handtellergrosse rechteckige Kassetten im 5,25 Zoll Format abgelöst.

Bild 6: Die 1984 eingeführte Cartridge ist auch heute noch das Maß aller Dinge.
Bild 6: Die 1984 eingeführte Cartridge ist auch heute noch das Maß aller Dinge.

Bei einer Aufzeichnungsdichte von 38.000 Bytes pro Zoll nahmen die neuen Kassetten wesentlich mehr Daten auf wie herkömmliche Bandrollen, also bis zu 200 Megabyte (zum Vergleich das 3420 Modell 8 mit 165 MByte).

Kompression setzt sich durch

Mit einem Zusatz, einem Vorratsschacht (Stacker) konnten mehrere Kassetten hintereinander automatisch vorgeladen werden. Das erleichterte maßgeblich das Sichern großer Datenbestände.

Bild 7: Die technische Entwicklung bei der Datenverdichtung in den Cartridges führt zu immer kompakteren Backup-Systemen.
Bild 7: Die technische Entwicklung bei der Datenverdichtung in den Cartridges führt zu immer kompakteren Backup-Systemen.

1986 wurde bei der Aufzeichnung eine Kompressionsfunktion eingeführt, die als IDRC bezeichnet wurde (Improved Data Recording Capability). Die Funktion erlaubte auf den Kassetten eine Kapazität von 400 MB.

Damit gab es zwei Aufzeichnungsformate, eines mit und eines ohne IDRC mit den entsprechend unterschiedlichen Kapazitäten. IDRC wurde auch beim Nachfolger der 3480 beibehalten und später als Standard integriert, sodass nur noch mit IDRC gearbeitet wurde.

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