60 Jahre Tape - k(l)eine Gedenkrede, Teil 1

Von der Tape-Idee bis zur Marktkonfusion

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Die fehlende Ausfallsicherheit erfordert einen Nachfolger

Die IBM 726 hatte zwei integrierte Bandlaufwerke. Dies erwies sich allerdings von Anfang an als äußerst unpraktisch, weil keines der beiden Laufwerke im Fehlerfalle oder bei Wartungsarbeiten zur Verfügung stand.

Bereits ein Jahr später 1953 folgte die IBM 727 mit einem Laufwerk pro Einheit, die auf einem standardisierten Rollenband von ca. 750 Meter Bandlänge eine Kapazität von knapp zwei MB und später vier MB bot.

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Dabei wurden 12 Kartons mit jeweils 2000 Lochkarten reflektiert, also insgesamt 24.000 Lochkarten abgebildet. Das ergab eine Gesamtanzahl von 1.920.000 Zeichen und umgerechnet eine Kapazität von 1.92 MB. Einige Jahre später wurde die Kapazität etwas mehr als verdoppelt. Die 7-Spurtechnik und die Beschichtung wurde beibehalten. Das 727 Rollenband als Medium kostete damals in Deutschland 400,-- DM.

Zehn Jahre später

Mit dem Hyper Tape Drive IBM 7340 wurde 1961 die neuste Bandtechnologie als Produkt umgesetzt. Zusammen mit der Kontrolleinheit IBM 7640 bedienten sie die IBM Rechner 7074, 7080 und 7090. Die Hyper Tapes erzielten wesentlich schnellere Lese- und Schreib-Geschwindigkeiten im Vergleich zu den bisherigen Bandeinheiten.

Sie konnten 170.000 Zeichen pro Sekunde verarbeiten und die Bandgeschwindigkeit betrug damals stolze 112,5 Zoll pro Sekunde. Angeschlossen am IBM-7090-Rechner lieferten sie die doppelten Übertragungsraten im Vergleich zum IBM-729-Bandsystem. Die Kapazität betrug am Anfang mit dem 1. Modell acht Megabyte und kurze Zeit später schon 16 MByte.

Bild 2: Mit dem Hyper Tape Drive IBM 7340 kam 1961 neuer Schwung in die Bandtechnik.
Bild 2: Mit dem Hyper Tape Drive IBM 7340 kam 1961 neuer Schwung in die Bandtechnik.

1964 kam speziell für die Rechnerfamilie System /360 das neue Magnetbandsystem IBM 2401 auf den Markt, das erstmalig mit 9 Spuren gleichzeitig auf dem Rollenband aufzeichnen konnte. Es bot eine wesentlich höhere Zuverlässigkeit im Vergleich zu den Vorgängern IBM 726, 727 und 729.

Dies wurde durch die Einführung eines sogenannten CRC (Cyclic Redundancy Check) erreicht, das die erste automatische Fehlerkorrektur ermöglichte (Automatic Error Capture & Correction) und Basis für die späteren ECCs (Error Correction Codes) bei Bandsystemen lieferte. Die Aufzeichnungsdichte lag bei 800 BPI und die Kapazität des Rollenbandes betrug 20 MB und später 40 MB.

Vom Batchjob zur Direktverarbeitung

Im Zuge des verstärkten Übergangs der mit den Mainframes System/370 begonnenen Direktverarbeitung mit preisgünstigen Terminals zur Programmentwicklung und Problemlösung (VM /370, APL) wuchs die Zahl der Dateien bei Benutzern großer Systeme dramatisch.

Anders als bei den mit wenigen großen Dateien und ausgefeilten Sicherungsverfahren arbeitenden Datenbankanwendungen (IMS, CICS), wurde es immer schwieriger, speziell die vielen kleinen, unregelmäßig benutzten Bestände unter manueller Verwaltung zuverlässig zu sichern und zu archivieren.

Bild 3: Der IBM 3850 Massenspeicher ist der erste "virtuelle" Plattenspeicher.
Bild 3: Der IBM 3850 Massenspeicher ist der erste "virtuelle" Plattenspeicher.

Um diese Aufgabe zu lösen und um kostengünstigeres Speichern von Daten unter Systemkontrolle zu ermöglichen, führte IBM dazu 1974 neue Hardware und Software ein.

Der Tape-Massenspeicher MSS (Mass Storage System) IBM 3850 bildete auf zwei speziellen zylinderförmigen Magnetbandpatronen den Inhalt eines Datenträgers des Magnetplattenspeichers IBM 3330 ab.

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