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Lexmark geht an Chinesische Investoren

Vom Aufkäufer zum Übernahmekandidaten

| Autor / Redakteur: Stefan Girschner / Klaus Länger

In den Letzen Jahren hat sich Lexmark durch Zukäufe vom Drucker- zum MPS-Lösungsanbieter entwickelt. Jetzt steht die Firma selbst vor der Übernahme.
In den Letzen Jahren hat sich Lexmark durch Zukäufe vom Drucker- zum MPS-Lösungsanbieter entwickelt. Jetzt steht die Firma selbst vor der Übernahme. (Bild: Lexmark)

Lexmark hat zuletzt in großem Maßstab Softwarefirmen aus dem MPS-Umfeld aufgekauft. Jetzt steht die Firma selbst vor der Übernahme.

Mit Lexmark steht nun ein weiterer ehemaliger IBM-Bestandteil davor, in chinesische Hände überzugehen. Der Druckerhersteller mit Firmensitz in Lexington/Kentucky wurde 1991 durch den Verkauf der IBM-Druckersparte an eine Private-Equity-Gesellschaft gegründet. Im April 2016 gab ein chinesisches Investorenkonsortium unter Führung von Apex MIC und den Private Equity-Gesellschaften PAG Asia Capital und Legend Capital ein Angebot in Höhe von 3,6 Milliarden US-Dollar für den Hersteller ab. Am 22. Juli haben 70 Prozent der Anteilseigner der ausgegebenen Lexmark Aktien auf einer außerordentlichen Aktionärsversammlung zu 99 Prozent der Übernahme zugestimmt. Sie sollen 40,50 US-Dollar pro Aktie erhalten. Damit kann die Transaktion laut Unternehmensführung bis Ende des Jahres vollzogen sein.

Global tätiger Lösungsanbieter

Das große Interesse der Finanzinvestoren an Lexmark hängt sicherlich mit der Tatsache zusammen, dass sich der einstige Hersteller von preisgünstigen PC-Druckern zu einem global tätigen Lösungsanbieter für Output-Infrastruktur sowie Content- und Prozess-Management gemausert hat. Ihren Anfang nahm diese Entwicklung 2010 mit der zwei Milliarden schweren Übernahme von Perceptive Software, spezialisiert auf ECM-Lösungen. Im Dezember 2013 wurde dann die deutsche Saperion übernommen, im September 2014 folgte die Akquisition von ReadSoft, einem Lösungsanbieter für die Automatisierung von Geschäftsprozessen. Ihr vorläufiges Ende fand die Einkaufstour im Mai 2015 mit dem eine Milliarde US-Dollar teuren Kauf von Kofax, einem auf Business-Prozess-Management spezialisierten Anbieter. Mit jeder dieser Akquisitionen wollte Lexmark nicht nur seine Technologiekompetenz erweitern, sondern bekam auf einen Schlag eine große Anzahl von neuen Kunden und Partnern dazu. Im Fall von Kofax waren es beispielsweise weltweit rund 20.000 Kunden sowie 800 Channel- und Systemhauspartner. Die Notwendigkeit, ihr Output-Portfolio um Softwarelösungen zu erweitern, haben auch längst andere Druckerhersteller erkannt, wie das Beispiel von Kyocera Document Solutions zeigt, die 2015 den deutschen ECM-Anbieter Ceyoniq übernommen hat.

Channel nicht betroffen

Welche Auswirkungen werden die neuen Eigentumsverhältnisse für den Druckerhersteller haben? Michael Lang, Direktor Channel DACH bei Lexmark, geht davon aus, dass die Geschäftstätigkeit des Unternehmens von der Übernahme unberührt bleibt, ebenso wie die Strategie des Unternehmens, dem Fachhandel wie auch den Kunden qualitativ hochwertige Produkte und Dienstleistungen zu liefern. „Sobald die Übernahme genehmigt ist, werden sich für Lexmark neue Wachstumsmöglichkeiten eröffnen, neue Märkte erschließen und Synergien auftun. Von den Investitionen in neue Technologien und Lösungen werden wiederum unsere Channel- und Vertriebspartner profitieren“, ist Lang überzeugt.

Michael Lang ist Direktor Channel DACH bei Lexmark Deutschland.
Michael Lang ist Direktor Channel DACH bei Lexmark Deutschland. (Bild: Lexmark)

Unabhängig von der geplanten Übernahme wurde in diesem Jahr das seit 2011 bestehende Partner-Programm „Business Solutions Dealer“ (BSD) in „Lexmark Connect“ umgewandelt. „Das neue Connect-Partnerprogramm kommt bei den Fachhändlern gut an, insbesondere, weil es den dynamischen Marktbedingungen des Channels und den sich verändernden Anforderungen Rechnung trägt“, erläutert Lang und weist auch darauf hin, dass neben der Drucker-Hardware bei den Fachhandelspartner der Trend vor allem in Richtung DMS- und ECM-Lösungen sowie Workflow-Optimierung gehe.

„Vor diesem Hintergrund sollte eine mittel- bis langfristig ausgelegte Channel-Strategie auch einen Schwerpunkt auf MPS und Softwarelösungen legen. Mit dem neuen Programm unterstützt Lexmark seine Channel-Partner genau dabei, ihren Kunden ein ganzheitliches, durchgängiges und klares Konzept, inklusive Infrastruktur und Prozesse, für ihr Daten- und Dokumenten-Management anzubieten. Letzteres geht weit über das reine Drucken hinaus und bietet den Lexmark Fachhändlern die Möglichkeit, sich vom Wettbewerb abzuheben, neue Kunden zu gewinnen, das Bestandskundengeschäft auszuweiten und insgesamt die Chancen eines sich schnell wandelnden Marktes zu nutzen“, sagt der Channel-Verantwortliche.

Gut aufgestellt bei MPS

Eine immer größere Bedeutung im Print- und Output-Markt gewinnen Managed Print Services (MPS), also Dienstleistungen, mit denen Anwender ihre Druckerflotte und Verbrauchsmaterialien effektiv verwalten können. Bestandteil von MPS sind auch Consulting-Leistungen wie eine vorausschauende Wartung, „Predective Maintenance“ genannt. Dass Lexmark im MPS-Markt schon einige Jahre gut aufgestellt ist, belegt auch der gerade veröffentlichte Quorica-Report „Managed Print Services Landscape, 2016“, in dem sich das Unternehmen zum fünften Mal in Folge als Market Leader positionieren konnte, gleichauf mit Mitbewerbern wie Xerox, HP, Ricoh, Canon und Konica Minolta. Für Michael Lang stellen Managed Print Services ein zukunftsträchtiges Geschäftsfeld dar, in das sich die Enterprise-Lösungen von Lexmark ideal einbinden lassen: „Die neuen Predictive Managed Print Services liefern Fachhändlern und ihren Kunden einen zusätzlichen Mehrwert, da sie potentielle Ausfälle antizipieren und entsprechende Maßnahmen eingeleitet werden, so dass eine Unterbrechung erst gar nicht entsteht. So wird eine stets verfügbare und leistungsfähige Druckumgebung sichergestellt.“

Die Positionierung der MPS-Anbieter in der „Managed Print Services Landscape, 2016“ von Quorica.
Die Positionierung der MPS-Anbieter in der „Managed Print Services Landscape, 2016“ von Quorica. (Bild: Quorica)

Der wachsende MPS-Markt stellt nach Ansicht von Lang auch für Fachhändler ein besonders lohnendes Geschäftsfeld dar. Dank dem Partnerprogramm „Lexmark Advantage MPS Core“, das nun zum neuen Connect-Programm gehört, können Lexmark-Partner auch ihren kleinen und mittelständischen Kunden Managed Print Services anbieten, zudem bietet es die Möglichkeit zum Upselling durch den Verkauf von zusätzlichen Softwarelösungen. „Die Fachhändler profitieren außerdem von Lexmarks umfassenden Kenntnissen im Bereich Content- und Process-Management, die sich das Unternehmen dank der zahlreichen Akquisitionen in den letzten Jahren angeeignet hat. So können sich die Partner neben MPS noch ein weiteres profitables und zukunftsträchtiges Standbein schaffen“, ist Lang überzeugt.

Der nächste Schritt auf die dritte Plattform

Die derzeit stark diskutierte digitale Transformation wie auch neue Cloud- und Mobilitity-Technologien, also die sogenannte „dritten Plattform“ haben direkte Auswirkungen auf die Output- und Druckerbranche. Für Michael Lang steht „die dritte Plattform für neue, gerade im Entstehen befindliche und miteinander vernetzte Technologien, wie soziale Netzwerke, mobile und Cloud-Technologien sowie Big Data und entsprechende Analyse-Tools. Das Marktforschungsinstitut IDC sagt in diesem Zusammenhang einen deutlichen Innovations- und Wachstumsschub in sämtlichen Branchen voraus, inklusive der Output- und Druckerbranche.“

Je stärker sich diese neue Plattform durchsetzen beziehungsweise die Digitalisierung fortschreiten werde, desto konsequenter müssten die Marktteilnehmer, insbesondere der Fachhandel, einen ganzheitlichen Ansatz in Bezug auf ihre Lösungen verfolgen. Lang versteht darunter die Vernetzung von Software und Hardware mit Services: „Ein gutes Beispiel hierfür sind die Managed Document Services (MDS). Diese Serviceleistungen bauen auf einem intelligenten, voll ausgereiften Print- und Dokumenten-Management auf. Mithilfe einer ganzheitlichen Dokumentenstrategie und den miteinander vernetzten „dritte Plattform“-Technologien helfen die MDS, Brüche, Dopplungen und Streuverluste zu überwinden und die Prozesse aus einer Hand nahtlos, schnell, effizient zu gestalten.“

Eine solche übergeordnete und ganzheitliche Dokumentenstrategie eröffnet nach Ansicht von Michael Lang zugleich den Einsatz von Analysetools, um Big Data effektiv zu strukturieren. Für Fachhändler ergebe sich daraus die Chance, ihre Unternehmenskunden dabei zu unterstützen, aus der Flut von Daten die relevanten Daten herauszufiltern.

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