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20 Jahre Cancom Vom Apple-Händler zum Dienstleister

Autor / Redakteur: IT-BUSINESS / Sarah Maier / Sarah Gandorfer

Cancom feiert seinen 20. Geburtstag. Begonnen hat für das schwäbische Systemhaus alles mit ein paar Macs, die die Gründer aus ihrer Studentenbude heraus verkauften. Heute generiert das Unternehmen den Löwenanteil seines Umsatzes mit Dienstleistungen.

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Cancom feierte sein 20. Jubiläum im Münchner Lenbach.
Cancom feierte sein 20. Jubiläum im Münchner Lenbach.

Am 20. Geburtstag seiner Frau wurde Cancom gegründet, erinnert sich der Mitgründer und Vorstandsvorsitzende Klaus Weinmann auf der Jubiläumsveranstaltung in der Münchner In-Location „Lenbach“. Heute deckt das Produkt- und Dienstleistungsangebot das gesamte Spektrum von Beratung und Erstellung von IT-Konzepten über die Beschaffung bis hin zur Integration und Betrieb der Systeme ab.

Damals allerdings fing alles damit an, dass ein paar BWL-Studenten begannen, aus ihrer Augsburger Studentenbude heraus vor allem Macintoshs zu verkaufen. Gewinn machten sie, indem sie Macintosh-Computer von einem Händler aus Florida nach Deutschland importierten. Das war günstiger, als diese direkt bei Apple zu den deutschen Premiumpreisen zu erstehen – allerdings war dies de facto auch ein Grauimport. Hierüber machten sich die Studenten allerdings keinen Kopf.

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Startkapital

Das Kapital für die Cancom-Gründung im Jahr 1992 brachte Weinmann ein, dem als Abiturient eine Börsenspekulation geglückt war. Er hatte aus 5.000 DM die stolze Summe von 50.000 DM erwirtschaften können. Sein Mitgründer, Stefan Kober, machte für den Aufbau der Firma ebenfalls sein Erspartes locker. Aus ihrer Studentenbude riefen die jungen Unternehmer Verlage und Werbeagenturen an, ob sie nicht günstige Computer brauchten. Der Preis war für viele Kreative in der Augsburger Umgebung ein unschlagbares Angebot.

Der Verkaufserfolg war so überzeugend, dass der Händler in den USA bald nicht mehr mit den Lieferungen nachkam. Auch das Problem war rasch gelöst, denn Apple gab auf Bestellungen von Akademikern 35 Prozent Nachlass. Um an diese Traum-Marge zu gelangen, brauchte es nur den Uni-Stempel auf dem Bestellformular. Da traf es sich gut, an der Universität eingeschrieben zu sein und dort auch wissenschaftliche Hilfskräfte zu kennen. Mit den entsprechenden Papieren marschierten Weinmann und Kober zu einem autorisierten Apple-Händler.

Doch Weinmann und Kober verließen sich nicht alleine auf das Geschäft mit den Macs, sondern begannen, auch Peripheriegeräte wie Monitore zu vertreiben. Die Schattenseite dieser Aktivitäten war, dass die Vorlesungsbesuche zu kurz kamen.

Kaum kam das Geschäft mit den Macs richtig in Schwung, machte Apple den Jungunternehmern allerdings einen Strich durch die Rechnung. Zum Jahresanfang 1993 dampfte Apple den Universitätsrabatt von 35 auf zehn Prozent ein. Zudem wurden weltweit die Preise für Apple-Produkte angeglichen. Über Nacht war also das Geschäftsmodell zusammengebrochen.

Lesen Sie auf der nächsten Seite mehr darüber, wie Cancom kurz vor der Pleite stand.

Rettung vor der Pleite

Gleichzeitig begann Apple nun aber auch, Rechner für Sekretariate, Buchhaltungsabteilungen, Warenlager und Achitekturbüros zu produzieren. Für diesen neuen Markt wurden Händler gesucht. Die beiden Firmengründer verhandelten also mit dem Hersteller, mit dem Ergebnis, dass Cancom am 1. Januar 1993 als Apple-Business-Händler autorisiert wurde.

Ein Jahr später eröffnete Cancom die erste richtige Niederlassung, stieg 1996 in das Kataloggeschäft ein und startete im Mai 1998 den ersten Webshop. Der Schritt, Rechner per Versandhandel zu verkaufen, war riskant. Denn damals galt die Auffassung, dass der Kunde etwas zum Anfassen möchte. Doch die Cancom-Gründer hatten wieder den richtigen Riecher, der sie 1999 schließlich an die Börse brachte.

Es folgten die erste Übernahme der Teampoint AG und die Expansion nach England, beides im Jahr 2000. Das war der Start von Cancoms Einkaufstour und dem damit verbundenen anorganischen Zuwachs. Das rasante Wachstum zwang Cancom aufgrund von Platzmangel zu mehreren Umzügen. 2001 entschloss man sich, die Firmenzentrale nach Jettingen-Scheppach zu verlegen.

Unter den Top drei

Nach eigenen Angaben zählt Cancom mittlerweile zu den Top drei der deutschen Systemhäuser. Die Konzerngruppe hat etwa 30 Standorte in Deutschland, Österreich und Großbritannien und beschäftigt über 2.000 Mitarbeiter. Mit einem vorläufigen Konzernumsatz von 544,1 Millionen Euro und einem vorläufigen Betriebsergebnis in Höhe von 18,5 Millionen Euro konnte das Systemhaus auch im Geschäftsjahr 2011 sein kontinuierliches Wachstum im Umsatz und Ergebnis fortsetzen. Das entspricht einem Plus von 14,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr, wovon 13,3 Prozent als organisch zu betrachten sind. Insgesamt erreicht das Unternehmen damit eine neue Bestmarke seit seinem Bestehen.

Die Zeiten des Boxen-Schiebens sind angesichts dieser Zahlen längst vorbei. Den Löwenanteil an diesen Zahlen macht das Dienstleistungsgeschäft aus. Dieses lag insbesondere im Bereich der höherwertigen Services bei dem vorläufigen Konzern-EBITDA bei 25 Millionen Euro und stieg damit um 31,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr (2010: 19 Millionen Euro). Die EBITDA-Marge beträgt für das abgelaufene Geschäftsjahr somit 4,6 Prozent.

Ausgegliederte Cloud

In seiner Rede auf der Jubiläumsfeier bekräftigte Weinmann sein Ziel, zur 25-Jahr-Feier die Milliarden-Hürde beim Umsatz zu knacken. Dabei soll es neben den bisherigen Sparten E-Commerce/Trade und IT-Solution nun auch die Cancom Cloud Solution GmbH geben. Das wurde am Tag der Feier endgültig beschlossen. Mit der Ausgliederung in eine eigene GmbH möchte das Systemhaus den Stellenwert von Cloud Computing in der Konzerngruppe betonen.

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