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Topmanager im Gespräch VMware und AWS geben Einblick in ihre Cloud-Werkstatt

Autor: Michael Hase

Bei VMware Cloud on AWS ist bislang erst die Basis gelegt, wie die Manager Mark Ryland (AWS) und Kit Colbert (VMware) berichten. Noch bleibt vieles zu tun: Fortsetzung der geografischen Expansion, Vertiefung der technischen Integration und Erweiterung der Features.

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Mark Ryland (l., AWS) und Kit Colbert (VMware) sind zwei der maßgeb­lichen Köpfe hinter dem Projekt „VMware Cloud on AWS“.
Mark Ryland (l., AWS) und Kit Colbert (VMware) sind zwei der maßgeb­lichen Köpfe hinter dem Projekt „VMware Cloud on AWS“.
(Bild: Michael Hase)

Die Idee hinter der Zusammenarbeit von ­VMware und Amazon Web Services (AWS) ist denkbar einfach: Mit dem gemeinsam entwickelten Angebot wollen es die beiden Unternehmen für die Kunden des einen so simpel wie möglich machen, in die Cloud des anderen zu ­gelangen. VMware Cloud on AWS eröffne Unternehmen „eine großartige Möglichkeit, ohne Reibungsverluste in die Cloud zu gehen“, betont Mark ­Ryland, Director im Büro des Chief Information ­Security Officer (CISO) bei AWS, im ­Gespräch mit IT-BUSINESS.

Der Manager gab gemeinsam mit Kit ­Colbert, Chief Technology Officer (CTO) der Cloud-Platform-Einheit bei VMware, einen Einblick in den aktuellen Stand und die weitere Planung des Projekts. Dabei gingen die beiden Experten ausführlich darauf ein, welche Möglichkeiten das ­Angebot, das seit Anfang Juni auch in der AWS-Region Frankfurt verfügbar ist, für Anwender bietet.

Übergangslose Migration

Mit VMware Cloud on AWS lassen sich ­wesentliche Teile des VMware-Portfolios für Server (vSphere), Storage (vSAN), ­Netzwerk (NSX) und Enduser Computing (Horizon) nativ in der AWS-Cloud nutzen. Dafür setzt der Software-Hersteller mit seinem Hypervisor direkt auf der Hardware des Hyperscalers auf („Bare Metal“), für die spezifische Treiber entwickelt wurden. Durch die Integration lassen „sich Workloads übergangslos von On Premises in die Cloud und wieder zurück bewegen, ganz wie der Kunde das wünscht“, erläutert ­Colbert. „Weil die Umgebungen vollständig kompatibel sind, funktionieren zudem die Management-Tools, die Administratoren jahrelang On Premises genutzt haben, genauso in der Cloud.“

Einen weiteren Vorteil sieht der VMware-Manager darin, dass sich Anwendungen ohne jede Modifikation, so wie sind, in die Cloud migrieren lassen. Denn das ist sonst nicht immer problemlos möglich. „Einige Applikationen verhalten sich in der Cloud anders als On Premises, andere funktionieren dort überhaupt nicht, sodass ihre Architektur neu designt werden muss.“ Grundsätzlich hält Colbert ein solches ­Re-Design von Anwendungen zwar für sinnvoll, weil sich nur so Dienste wie Container Services oder Serverless Computing nutzen und damit das ganze Potenzial der Cloud erschließen lassen. „Aber wir zwingen Kunden nicht dazu, ihre Applikationslandschaft zu modernisieren, sondern lassen ihnen die Freiheit, den Zeitpunkt dafür selbst zu wählen.“

Managed Service

De facto handelt es sich bei VMware Cloud on AWS um einen Managed Service. „Wir installieren die Software, konfigurieren sie, spielen Updates und Patches auf und überwachen den Betrieb, damit der Service stets verfügbar ist“, führt Colbert weiter aus. „Der Kunde muss lediglich einen Knopf drücken, um innerhalb weniger Minuten ein Software-defined Datacenter in der Cloud aufzusetzen.“

Diesen Ansatz bezeichnet Ryland als besondere Stärke des Modells. „Dass VMware als Service bereitgestellt wird, halte ich für ­einen großen Durchbruch. Auf die Weise ist ­gewährleistet, dass die zugrundeliegende Infrastruktur laufend aktualisiert wird.“ Administratoren würden dadurch von Wartungsaufgaben entlastet, die ihnen fast immer Kopfzerbrechen bereiten. Wartungszeiten ließen sich deutlich verkürzen, so der Security-Experte weiter. „Die Hochverfügbarkeits-Features der Plattform erlauben es, Services im laufenden Betrieb upzugraden. Man startet ­eine neue Maschine, auf die man seinen Workload überträgt, und schaltet die alte einfach ab.“ Technisch sei das zwar auch in traditionellen Umgebungen machbar, aber nur mit großem Aufwand und mit zusätzlicher Hardware.

A Kind of Magic

VMware Cloud on AWS ist seit August 2017 in den USA und seit März dieses Jahres in der Region London verfügbar. Bei Kunden, die sich bisher für das Angebot entschieden haben, stehen laut Ryland und Colbert vor allem zwei Szenarien im Vordergrund. Zum einen nutzen sie Cloud-Ressourcen, um Lastspitzen abzufangen, für die sie bis dahin zusätzliche Hardware bereithalten mussten. Zum anderen bauen sie Notfallrechenzentren auf der AWS-Plattform auf. Dadurch müssen sie für den Disaster-Recovery-Fall keine physische Infrastruktur mehr vorhalten. Für die Kunden sei das eine kostengünstige Option, weil sie erst dann für Rechenleistung zahlen, wenn Systeme in der Cloud hochgefahren werden, versichert Colbert. Die dafür benötigten Ressourcen stünden innerhalb weniger Minuten bereit: „Das hat fast schon etwas von Magie: Man spricht eine Schnittstelle an, und kurz darauf erscheint ein neuer Host.“

Was für Anwender wie von Zauberhand funktioniert, ist das Ergebnis eines langen gemeinsamen Engineering-Projekts. VMware und AWS sprachen darüber erstmals im Frühjahr 2015, wie sich Ryland und Colbert erinnern. „Wir hatten eine Unmenge technologischer Themen abzuarbeiten.“ Dabei habe sich schnell eine ­offene und vertrauensvolle Kooperation entwickelt. Beide Unternehmen seien sich von Anfang an in dem Ziel einig gewesen, ihre Technologien zum Nutzen der Kunden zusammenzubringen.

Anpassung der Architektur

Um VMware auf der Plattform von AWS betreiben zu können, musste der Provider seine Architektur modifizieren. Der Hyperscaler virtualisiert seine Infrastruktur üblicherweise mit Open-Source-Produkten (Xen beziehungsweise KVM) und lässt mit dem ESXi-Hypervisor von ­VMware erstmals Software eines anderen Anbieters direkt auf seiner Hardware laufen. Dieser Sonderfall machte es auf Seiten von AWS erforderlich, Netzwerk- und Security-Konzepte, die Server-Bereitstellung und den Zugriff auf den Elastic Block Storage (EBS) an die Technologie des Kooperationspartners anzupassen.

Noch ist das Projekt längst nicht abgeschlossen. VMware Cloud on AWS ist bislang erst in vier von 18 (demnächst 22) Regionen verfügbar, in denen der Hyperscaler seine Dienste weltweit bereitstellt. Weitere Regionen sollen folgen. Neben der geografischen Expansion befassen sich die beiden Anbieter aber auch damit, die Integration weiter voranzutreiben, um ihre Technologien noch enger aufeinander abzustimmen. Außerdem arbeiten sie daran, die Funktionalität zu erweitern. „Die Basis ist gelegt. Jetzt fügen wir kontinuierlich neue Features hinzu“, skizziert Colbert das Vorgehen.

Viele Anregungen dazu kommen von ­Anwenderseite, wie der Manager berichtet. „Wir nehmen laufend Kundenanfragen auf und wägen gemeinsam ab, in welcher Reihenfolge wir uns ihnen widmen.“ Unter anderem wünschen sich Anwender verschiedene Größen von Hosts, auf ­denen VMware in der AWS-Cloud betrieben werden kann. Bislang gibt es dafür erst eine Spezifikation (zwei CPUs, 36 Cores, 512 Gigabyte Memory). „Wir werden in Zukunft unterschiedliche Typen von physischen Servern bereitstellen, um die technologischen Möglichkeiten von ­VMware flexibler zu unterstützen“, kündigt Ryland an. Unterm Strich bleibt für die Unternehmen also noch viel zu tun. Die Manager sprechen sogar von einem Überhang („Backlog“) an Aufgaben.

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