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Videoüberwachung auf der Überholspur

| Autor: Dr. Stefan Riedl

Optimistische Branche

Digitalisierung und Automatisierung verlassen dank ausgefuchster und günstiger werdender Systeme das Nischendasein und erobern den Alltag. Eine in ein Smart-Home-Netzwerk eingebundene Kamera ­ermöglicht es, von unterwegs oder der Couch aus zu prüfen, ob es dem Familienhund, der Oma oder dem im Garten spielenden Kind gut geht. War der Paketzusteller vormittags da? Welche Katze löst in der Nacht immer die Bewegungsmelder aus? All diese Fragen spielen in der Alltagswirklichkeit auch abseits der Einbruchsproblematik eine Rolle. Apropos: Zwar sank die Zahl der Wohnungseinbrüche laut polizeilicher Kriminalstatistik im Jahr 2016, allerdings stieg die Zahl der versuchten Wohnungseinbrüche weiterhin an. Welche Rolle private Überwachungs- und Sicherheitstechnik bei diesem Trend spielte, ist unklar. Das geben die Zahlen nicht her. Aber es sind Förderungen für Wohnungs- und Hausbesitzer im Gespräch, die in ­Sicherheitstechnik investieren wollen.

Auch das Smart-Home-Geschäft boomt

Abseits der Einbruchsproblematik und von Smart-Home-Anwendungen treiben im Handel neue Möglichkeiten in der intelligenten Videoanalyse die Umsätze voran. Tanja Hilpert, Director Sales Middle Europe bei Axis, erläutert das Marktsegment: „Der Einzelhandel nutzt Videobilder nicht nur zur Überwachung, sondern beispielsweise auch, um Sales und Marketing zu verbessern. Mittels Netzwerk-Kameras, die auch als Sensoren fungieren können, kann der Einzelhändler statistische Daten über seine Kunden sammeln und diese verwenden, um eben seinen Laden besser auf die Kundenbedürfnisse anzupassen. Stichwörter sind hier Heat-Mapping, Queue-Management oder Digital Signage.“ Der zuletzt genannte Punkt ist dahingehend ein Trend, als dass häufig ein Live-Bild aus den Verkaufsräumen auf einem Display am Eingang gezeigt wird, um zu verdeutlichenn, dass in diesem Laden überwacht wird. Oft gibt es das in Kombination mit Informa­tionen – sei es ein Nachrichtenticker oder Wetterdaten – sowie Werbung. Diese wird teilweise individualisiert, beispielsweise mit verschiedenen Ansprachen für Männer und Frauen, je nachdem, wer vor der Kamera steht.

Videosysteme zur Betrugserkennung

Klaus Hamal, Gründer und Geschäftsführer von ­Alpha11, hat sich auf Kundschaft im Einzelhandel spezialisiert und bietet vor allem Videosysteme zur Prävention von Kassenbetrug an.

Zur Handelsspanne in seinem Geschäft sagt der Security-Experte: „Die Margen bei IP-Kameras sind ja seit vielen Jahren immer schon zu gering, als dass man vom Kameraverkauf vernünftig leben könnte. Internet und neu Amazon haben hier schon immer in Konkurrenz gestanden.“ Er bietet dennoch zum Listenpreis des Herstellers an, denn er hat es – ähnlich wie Harald Philipp, Inhaber von HPC Security – im Grunde nicht nötig, sich auf „Geiz ist geil“ einzulassen. „Wenn man angesprochen wird, warum man zum Listenpreis anbietet, antworten wir gerne, dass das Internet keine einzige Kamera installiert und auch nicht auf Schulung und Fortbildung geht“, so Hamal augenzwinkernd. „Durch unseren speziellen Nischenmarkt mit der doch anspruchsvollen Anbindung an Registrierkassen – hier braucht es viel Knowhow im Programmieren von Kassensystemen und Fachwissen in puncto Schnittstellen – sind die Margen bei uns in Ordnung.

Ausgefuchstes Preismanagement

Damit das so bleibt, will Axis gar nicht erst auf die Billigheimer-Schiene setzen. Für die Companion-Serie, die den KMU-Markt adressiert, hat man vor diesem Hintergrund eine eigene Produktlinie samt eigenem Partnerstatus etabliert. Die günstigeren Kameras dieser Linie passen nicht zu den Systemen im Medium- sowie im Enterprise-Segment, „sonst würde das Preismodell nicht funktionieren“, erläutert die Sales-Chefin bei Axis, Tanja Hilpert, im Interview.

Terrorgefahr: Die Akzeptanz für die Überwachung des öffentlichen Raums ist rapide gestiegen.
Terrorgefahr: Die Akzeptanz für die Überwachung des öffentlichen Raums ist rapide gestiegen. (Bild: terovesalainen – Fotolia.com)

Umsatzstärkstes Segment bei Axis ist nach wie vor der Transportation-Bereich, also Züge, U-Bahnen, Flughäfen. An Bedeutung gewinnt – aus den im Kasten „Überwachung gefordert“ gezeigten Gründen – das Thema Städte-Überwachung. Wobei hier nicht nur die Baustelle „Innere Sicherheit“ für neue Investitionen sorge: „Hier spielt auch der Begriff Smart City rein, bei dem es um intelligente Verkehrsleitsysteme und Parkplatzmanagement geht“, so Hilpert. Aber auch das Überwachungsthema im Banken- und Industrie-Umfeld – also abseits polizeilicher Ordnungsmaßnahmen – sorge für steigende Umsätze.

Ergänzendes zum Thema
 
Überwachung gefordert

Blickt man in die Zukunft, stehen die Zeichen bei Axis aber auf IoT (Internet of Things) sowie Investitionen in Forschung, Entwicklung und Patente. „Wir werden weitere Devices aus den Segmenten Access-Controll, IP-Lautsprecher, Türsprechstellen et cetera auf den Markt bringen. Aber auch bei den IP-Kameras ist unsere Innovationskraft ungebrochen. Beispielsweise kommt bald ein IP-basierter Radar-Detector auf den Markt. Dadurch wird vor allem der Perimeterschutz effizienter, da das Radar-Gerät zum Beispiel Personen auch innerhalb eines großflächigen Gebiets detektieren kann“, so Hilpert.

Fazit: Mehrere Faktoren forcieren den Markt

Insgesamt lässt sich mit Fug und Recht behaupten, dass im Markt für Videoüberwachung mehrere Umsatztreiber zusammenkommen, die für volle Auftragsbücher und eine bequeme Margensituation sorgen:

  • Die Baustelle „Innere Sicherheit“ des Staates
  • Die Reaktion privater sowie gewerb­licher Akteure auf vermehrte Einbruchsversuche
  • Die Etablierung von Smart-Home-Konzepten
  • Die Notwendigkeit von Smart-City-Konzepten im Sinne von Verkehrs- sowie Parkleitsystemen
  • Diebstahlsicherung im Handel in Hinblick auf Kunden sowie Angestellte
  • Technologische Impulse im Handel im Sinne von intelligenten Analyse-Systemen und Display-Innovationen.

Apropos „Innovationen“: Auf die Frage, ob Axis nach der Übernahme durch Canon jetzt eine „Melkkuh“ sei, antwortete Hilpert: „Kurz gesagt: Canon lässt uns machen. Unsere Gewinne dürfen wir strategisch in Innovationen investieren.“

Lesen Sie auf der nächsten Seite einen Kommentar des Autors: „Tugendsignalisierung ist zu wenig“

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