Umsatzchancen Videokonferenzen schaffen gutes Klima

Redakteur: Dr. Andreas Bergler

Lange waren Videokonferenzen nur in internationalen Großunternehmen zu finden. Nachdem sich der Mittelstand für die Technik erwärmt hat, ergeben sich für den Fachhandel durch die aktuelle Klimaschutzdiskussion zusätzliche Umsatzchancen.

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Nach Konzernen und Großunternehmen hat auch der Mittelstand den Nutzen von Audio- und Videokonferenzen (AV) erkannt. Dabei wiegen Zeitersparnis und rasche Time-to-Market-Abläufe in der Nutzenrechnung der Unternehmen noch mehr als Einsparungen durch weggefallene Geschäftsreisen. Als Hauptwachstumsträger bei Videokonferenzen sieht Dr. Wilhelm Mettner, Geschäftsführer von Vitec, einem Value-Added-Distributor für Konferenzsysteme, den oberen Mittelstand – und dort Unternehmen mit 1.000 bis 5.000 Mitarbeitern. »Je mehr Standorte eine Firma hat, desto ausgeprägter die Nachfrage«, so seine Einschätzung. »Generell steigt in Mittelstandsunternehmen mit dem Trend zu geografisch immer verteilteren Teams die Nachfrage nach Videokonferenzlösungen«, meint auch Ant Bilsev vom AV-Beratungsunternehmen Vtron.

Erwartungen in High Definition

Dafür spricht auch das Potenzial von zwei Millionen Konferenzräumen in Deutschland, von denen Branchenkenner ausgehen und die bislang lediglich zu zwei Prozent mit Videokonferenzsystemen ausgestattet sind. Ein Übriges sollen die kommenden HD-Videosysteme und Highend-Kommunikationslösungen von Anbietern wie Cisco, Tandberg oder Polycom bewirken.

Diese Systeme, die HD-Video und großdimensionierte Monitore mit natürlichem Raumklang kombinieren, sorgen trotz virtueller Bildschirmsitzung für ein quasi-persönliches Begegnungserlebnis, bei dem nicht die kleinste Gestik oder Mimik untergeht. Nach Einschätzung der Analysten von Wainhouse formiert sich hier eine neue Technologiegeneration, die trotz derzeitiger Preise nicht nur den großen Konzernen vorbehalten bleibt. Bereits für 2009 erwarten die Analysten einen weltweiten Absatz von 66.000 HD-Videokonferenzsystemen.

Sparen und schützen

Mit dem UN-Klimabericht vom Februar, der den Zusammenhang von Kohlendioxyd und Erderwärmung klar nachgewiesen hat, wird der Umweltschutz zu einem weiteren Anschaffungsargument für die Videokonferenz. Geschäftsreisen erfolgen über Schadstoff-Emittenten wie Flugzeug und Auto.

Wachsendes Umweltbewusstsein und zu erwartende Mehrbelastungen für Unternehmen werden so zu Verkaufsargumenten für Videokonferenzen. Kay Ohse, Regional Vice President für die DACH-Region bei Polycom, bestätigt: »Videokonferenzen bekommen in der Klimaschutzdiskussion einen immer höheren Stellenwert. Früher hießen die Hauptkaufgründe Reisekostenersparnis und Produktivitätsgewinn. Künftig dokumentieren Unternehmen durch Videokonferenznutzung, dass sie sich ihrer sozialen Verantwortung stellen. Das ist gut für die Finanzen und entlastet ganz erheblich unsere gemeinsame Umwelt.«

Eine wichtige Einschränkung gibt Dr. Wilhelm Mettner den Fachhändlern allerdings mit auf den Weg: Reseller sollten nicht nur Geschäft in Großunternehmen suchen, wo sie sich im gegenseitigen Wettbewerb ihre Geschäftschancen und auch ihre Margen zunichte machen. »Auf aktuell 1.200 AV-Firmen in Deutschland kommen als potenzielle Kunden rund 15.000 deutsche Unternehmen mit Jahresumsätzen über 25 Millionen Euro. Das sind für jeden mehr als zehn größere Kunden, ohne dass man sich irgendwo begegnet.«

Marktzahlen

Die breiter fundierte Nachfrage nach Audio- und Videokonferenzen spiegelt sich in den Statistiken der Marktforscher wider. Knapp 170.000 Gruppensysteme wurden vergangenes Jahr laut Wainhouse Research weltweit verkauft, nach 136.000 im Jahr davor. Fast 4.000 davon fanden Käufer in Deutschland. Mit weltweit 17 Prozent Marktwachstum bei Audio- und Videokonferenzen soll sich der Nachfrageschub in den kommenden Jahren laut Prognose von Frost & Sullivan fortsetzen. Die seit 2006 spürbare Belebung dürfte auch den deutschen Markt weiter anwachsen lassen, der sich derzeit auf rund 1,1 Milliarden Euro beläuft. Ebenso das Geschäft mit Videokonferenzen, das Herstellern und Handel im letzten Jahr einen Umsatz von etwa 30 Millionen Euro ohne Zubehör bescherte.

IT-BUSINESS bat zwei Insdider um ein Stellungnahme zur aktuellen Marktentwicklung im Bereich Collaboration, Audio- und Videoconferencing:

Thomas Nicolaus (Tandberg)

»Der Markt der Videokonferenzsysteme erlebt mit Wachstumsraten von über 20 Prozent beim Jahreserlös einen Boom. Immer mehr international agierende Unternehmen erkennen die Kosten- und Produktivitätsvorteile, die Videokonferenzen bieten. Tandberg ermöglicht diesen Unternehmen mit dem umweltfreundlichen »Go Green«-Ansatz, klimaschonender zu agieren. Von dem Aufschwung hat Tandberg profitiert und avancierte nach einer Studie von Wainhouse Research im vierten Quartal 2006 zum Weltmarktführer bei Videokonferenzendpunkten. Diese Position werden wir weiter ausbauen.«

Dr. Wilhelm Mettner (Vitec)

»Es gibt einen deutlichen Trend, dass sich die Anzahl der Firmen, die sich im Audio- und Videoconferencing-Bereich etabliert haben, verringert. Die Großen werden immer größer, während die Kleinen zum Teil verschwinden. Deshalb sollten Händler ihr Risiko minimieren, indem sie sich auf stabile Herstellerfirmen konzentrieren und keine Internet-Geschäftsmodelle mit höheren Preisen kopieren. Der Reseller macht was falsch, der einem Internet-Händler Wettbewerb macht.«

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