Arvato Systems: Betreiber der Telematikinfrastruktur Vernetzte Gesundheit

Autor: Sarah Böttcher

Die Pandemie krempelt den Gesundheitsmarkt um und stellt ihn vor tiefgreifende Herausforderungen. Die Telematikinfrastruktur (TI) soll Abhilfe schaffen. Als Betreiber des digitalen Gesundheitsnetzes nimmt Arvato Systems dabei eine zentrale Rolle ein.

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Die Telematikinfrastruktur (TI) soll den sicheren Datenaustausch zwischen den Akteuren des Gesundheitswesens gewährleisten.
Die Telematikinfrastruktur (TI) soll den sicheren Datenaustausch zwischen den Akteuren des Gesundheitswesens gewährleisten.
(Bild: j-mel – stock.adobe.com)

Die elektronische Patientenakte, Gesundheits-Apps auf Rezept und der digitale, wenn aktuell auch provisorische, Impfpass: Befeuert durch die Covid-19-Pandemie sowie daraus resultierender politischer Initiativen steht der Gesundheitsmarkt Kopf. Und die Digitalisierung der Gesundheitsversorgung in der Bundesrepublik schreitet mit großen Schritten voran. Dennoch geht den Deutschen die Digitalisierung nicht schnell genug. Vor allem die mangelhafte digitale Teilhabe steht in der Kritik.

Auch Deutschlands Ärzteschaft geht der Einsatz digitaler Technologien im medizinischen Alltag laut Digitalverband Bitkom zu langsam. 82 Prozent der Mediziner in Krankenhäusern sagen, es sei mehr Tempo beim Ausbau digitaler Angebote nötig. „Die Corona-Pandemie hat den Gesundheitssektor vor riesige Herausforderungen gestellt. Während Ärzte und Pflegende Höchstleistungen für ihre Patienten erbringen und immense Belastungen schultern, werden die Defizite schonungslos offengelegt. Dazu zählen die Nachverfolgung von Infektionsketten, die Information potenziell Infizierter oder jetzt die Terminvergabe bei der Schutzimpfung. Zettelwirtschaft, analoge Prozesse und hohe Datenschutzhürden sorgen noch immer für Verzögerungen, unnötigen Mehraufwand und Informationsdefizite“, betont Bitkom-Präsident Achim Berg.

Ein Netz für die Gesundheit

Auch Matthias Moeller, CEO bei Arvato Systems, sieht die Versäumnisse in Sachen Digitalisierung, die vor allem in den letzten 15 Monaten im öffentliche Bereich sichtbar wurden: „Wir sind durch die Realität mit neuen Anforderungen konfrontiert worden, die man nicht einfach mit Papier und Bleistift erfüllen kann.“ Die Pandemie habe zu einem Mindshift beigetragen, der nun viel Bewegung mit sich bringt.

Matthias Moeller, CEO bei Arvato Systems
Matthias Moeller, CEO bei Arvato Systems
(Bild: Arvato Systems)

Für den Gütersloher IT-Dienstleister ist das Geschäft mit der Gesundheit kein Neuland. Seit 2013 ist Arvato Systems im Auftrag der Gematik (weitere Informationen siehe Kasten unten) für den Aufbau und den Betrieb der zentralen Telematikinfrastruktur (TI), des digitalen Gesundheitsnetzes Deutschlands, verantwortlich. Über die TI können alle Akteure des Gesundheitswesens innerhalb eines geschlossenen Netzes sicher sowie DSGVO-konform personenbezogene Daten austauschen.

Die Bevölkerung stellt aktuell Anforderungen an den Staat, die nur mit digitalen Lösungen und Prozessen sichergestellt und abgebildet werden können, ist Moeller überzeugt. So ist beispielsweise auch der „gelbe Schein eine archaische Konstellation aus dem letzten Jahrhundert.“ Somit bieten digitale Prozesse nicht nur Vorteile für die Akteure des Gesundheitswesens, sondern auch für Patienten.

Telematikinfrastruktur: das digitale Gesundheitsnetz für Deutschland

Die Telematikinfrastruktur (TI) stellt einen sicheren Datenraum für das Gesundheitswesen dar. Der Begriff „Telematik“ setzt sich aus den beiden Wörtern „Telekommunikation“ und „Informatik“ zusammen und bezeichnet folglich die Vernetzung und dadurch die Kommunikation verschiedener IT-Systeme miteinander. Auftraggeber des Gesundheitsnetzes ist die Gematik (Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte). Die Betriebsorganisation, an der seit Mai 2019 das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) 51 Prozent der Anteile innehat, ist seit 2005 für die Einführung, Pflege und Weiterentwicklung der elektronischen Gesundheitskarte verantwortlich. In diesem Zusammenhang hat das Unternehmen bereits 2013 Arvato Systems mit dem Aufbau und dem Betrieb der zentralen TI für die Erprobung der elektronischen Gesundheitskarte beauftragt. Gemeinsam mit den Unternehmen Secunet und eHealth Experts bietet der IT-Dienstleister ein Gesamtpaket an, das sowohl die Hardware für die Anwender, die sogenannten Konnektoren, als auch Softwarekomponenten beinhaltet.
Die TI soll alle Akteure des Gesundheitswesens vernetzen und so den sektoren- und systemübergreifenden sowie sicheren Austausch von Informationen gewährleisten. Sie ist ein geschlossenes Netz, zu dem nur registrierte Nutzer mit einem elektronischen Heilberufs- und Praxisausweis Zugang erhalten.

Mehr Infos über die Telematikinfrastruktur

Portfolio von Arvato Systems

Neben Lösungen für eHealth bietet Arvato Systems Lösungen und Dienstleistungen für den Handels- und Omnichannel (Retail), die Energiewirtschaft (Utility), die Medienwelt, den Public Sektor und den industriellen, gehobenen Mittelstand. Das Unternehmen ist eine Tochter des Bertelsmann-Konzerns und versteht sich selbst als IT- und Digitalisierungsdienstleister. Dabei bieten die Gütersloher nicht nur klassische Professional Services, sondern sie führen auch Managed Services im Portfolio und betreiben eine eigene Private Cloud. Auch Multicloud-Lösungen gehören zum Repertoire. Darüber hinaus hat Arvato Systems strategische Partnerschaften mit den drei großen Hyperscalern Microsoft Azure, AWS und Google.

Technologische Kompetenz besitzt das Unternehmen laut eigenen Angaben darüber hinaus in Managed Cloud Services, Cybersecurity, Robotik, Künstliche Intelligenz (KI) und Customer Experience.

Mit rund 3.300 internationalen Mitarbeitern, 25 Standorten, dem Branchenfokus sowie einer gesunden Gesellschafterstruktur sieht sich die Bertelsmanntochter bestens aufgestellt.

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Über den Autor

 Sarah Böttcher

Sarah Böttcher

Online CvD & Redakteurin bei IT-BUSINESS, Vogel IT-Medien