Für Maxdata sind die Würfel noch nicht gefallen Verhandlungen mit zwei neuen Investoren für Maxdata in der heißen Phase

Redakteur: Regina Böckle

Insolvenzverwalter Dr. Winfrid Andres hat für Maxdata zwei neue potenzielle Investoren aus Deutschland gefunden. Die Angebote liegen seit heute auf dem Tisch, Ende nächster Woche könnten Nägel mit Köpfen gemacht werden.

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Mit zwei neuen potenziellen Investoren keimt erneut ein Hoffnungsschimmer auf für Maxdata.
Mit zwei neuen potenziellen Investoren keimt erneut ein Hoffnungsschimmer auf für Maxdata.
( Archiv: Vogel Business Media )

Die Funkstille ist aufgehoben: Noch am Freitag vergangener Woche, als der potenzielle Investor Quanta absprang, hatte Maxdata-Insolvenzverwalter Dr. Winfried Andres mit Volldampf die Gespräche mit weiteren Investoren aus Deutschland aufgenommen. Jetzt geht es erneut in die heiße Phase. Sofern es zum Abschluss kommt, werden die vier Maxdata-Geschäftsbereiche PCs, Notebooks, Server und Monitore unter den beiden Investoren aufgeteilt.

»Beide Investoren sind in diesen Geschäftssegmenten bereits tätig, haben aber sowohl ihre Fertigung, als auch ihren Service outgesourct. Für beide potenziellen Investoren ist vor allem das Service-Geschäft von Maxdata von großem Interesse, so dass wir möglicherweise für die SPL Solution GmbH sogar ein größeres Auftragsvolumen generieren könnten«, erklärte Andres gegenüber IT-BUSINESS. Für die SPLS stünden daher die Chancen insgesamt sehr gut.

Fest stehe außerdem, dass beide Brands – Belinea und Maxdata – im Falle der Übernahme durch die Investoren erhalten bleiben sollen.

Derzeit werde der Geschäftsbetrieb am Standort Marl mit einer Rumpfbelegschaft von 100 Mitarbeitern aufrecht erhalten, Logistik und Produktion am Standort Würselen mit 90 Mitarbeitern, so der Insolvenzverwalter. Absehbar sei jedoch, dass selbst wenn der Vertrag mit den neuen Investoren gelingen sollte, der Betrieb in Würselen wohl nicht zu erhalten sei. »Er ist generell zu teuer, auch wenn wir diesen Bereich verkleinern«, schätzt Andres. Bis Ende Oktober werde aber die Produktion auf minimaler Flamme beibehalten.

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Garantie- und Service-Fälle

Andres bittet alle betroffenen Partner um Nachsicht und Geduld, dass die derzeitigen RMA-Fälle momentan nur schleppend bearbeitet werden und die Hotlines überlastet sind. Das soll sich in den nächsten Tagen ändern. Um Verständnis bittet der Insolvenzverwalter außerdem dafür, dass die Service-Fälle für Geräte, die vor dem 25.6.2008 – dem Tag der Insolvenz – von Partnern bezahlt werden müssen. Die Rückstellungen für die Garantien waren nur buchhalterisch gebildet worden, es gibt keine echten finanziellen Rücklagen dafür. Obendrein waren die Garantien nicht durch eine Versicherung abgesichert.

Das ist bei Dienstleister PC-Garant anders, mit dem Maxdata eine Vereinbarung für die Garantie-Übernahme der ab 25.6. gekauften Geräte, sowie teilweise auch für die Altegeräte geschlossen hat. Die Leistungen der PC-Garant sind durch die AXA-Versicherung rückversichert. Gemeinsam sucht man derzeit auch intensiv nach einer Lösung für die Server-Altsysteme.

Die Endlos-Warteschleifen in der Service-Hotline sollen in den nächsten Tagen ebenfalls zumindest in Teilen behoben sein. »Ursache dafür war, dass Investor Quanmax vergangenen Freitag in letzter Minute vor Eröffnung des Insolvenzverfahrens absprang. Das brachte uns extrem unter Zeitdruck, denn ab dem Zeitpunkt der Insolvenzeröffnung müssen wir alle Löhne bezahlen. Das war uns aber nicht möglich, weshalb wir sofort noch am Freitag zahlreiche Mitarbeiter freistellen mussten, aber nicht gekündigt haben«, so Andres. Die Freistellung ermöglicht es Mitarbeitern, sofort vom Arbeitsamt rund 65 Prozent ihres bisherigen Lohns zu bekommen. »Es musste sehr schnell gehen und deshalb hatten wir keine Zeit, eine gezielte Auswahl zu treffen, um sicherzustellen, dass wir möglichst viele Mitarbeiter für den Service-Betrieb hier behalten.« In den nächsten Tagen sollen einige Service-Beschäftigte zurückgeholt werden, kündigte Andres an.

Lesen Sie auf der nächsten Seite mehr zum Abbruch der Verhandlungen mit Quanta und Quanmax.

Auslandsgeschäfte gehen in Teilen weiter

Der Geschäftsbetrieb in der Schweiz läuft derzeit praktisch unverändert weiter, ebenfalls in den Benelux-Staaten. In Frankreich gehen die Geschäfte auf verkleinerter Flamme weiter, die Niederlassung in Polen und in England wurden geschlossen, in Spanien läuft ebenfalls alles nur noch auf kleiner Flamme, für Italien sieht es ebenfalls eher düster aus.

Ausharren trotz langer Funkstille

Seit vergangenen Freitag warteten Fachhandelspartner ebenso wie Maxdata-Mitarbeiter weltweit vergeblich auf Nachrichten aus der Firmenzentrale in Marl. Seit Tagen war dort für Reseller niemand zu erreichen. Insolvenzverwalter Dr. Winfrid Andres ringe in ununterbrochenen Gesprächen um eine Lösung, hieß es – und das tagelang. Es herrschte Funkstille seit dem schwarzen Freitag, dem letzten Arbeitstag des Monats und einen Tag vor Eröffnung des Insolvenzverfahrens. Denn an diesem Tag, kurz vor Abschluss des Vertrags, machte der bis dato als ernsthafter Investor gehandelte taiwanische Notebook-Fertiger Quanta, beziehungsweise dessen Beteiligungsfirma Quanmax, einen plötzlichen Rückzieher (IT-BUSINESS berichtete). »Es lag nicht an den ökonomischen Gründen des Kaufvertrags, wir waren uns wirtschaftlich komplett einig«, betont Andres, mehr wolle er dazu nicht sagen.

Daraufin erreichten IT-BUSINESS verzweifelte Anrufe von Partnern, aber auch von Maxdata-Mitarbeitern, auf der Suche nach irgendeiner offiziellen Nachricht zur Zukunft der Marke und der Garantie-Fragen und auch im Forum von IT-BUSINESS wurde die Lage bei Maxdata ausführlich diskutiert. Doch tagelang gab es keine Nachrichten. »Seit zwei Tagen versuche ich irgendwie jemanden unter der Rufnummer von Maxdata zu erreichen. Permanent: Wir leiten das Gespräch weiter, der nächste freie Mitarbeiter usw. usw. Nichts zu machen seit gestern Mittag. Mails bleiben auch unbeantwortet«, schrieb einer der vielen betroffenen Partnern an die Redaktion. »Wir hoffen, dass Dr. Andres die Quarantäne endlich und schnell aufhebt, und mit einer offiziellen Meldung an die Presse geht, wir haben überhaupt keine Infos, fürchten um die Marke und um unser Reseller-Netzwerk«, so der Hilferuf einer Mitarbeiterin eines europäischen Maxdata-Büros.

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